Das Beste an diesem Nachmittag für den FC Basel? Die 92. Minute. Das Tor fällt, Ausgleich, 2:2! Die 92. Minute? Ausgleich? Ja – im Zürcher Letzigrund, für die Grasshoppers, gegen YB. Wieder einmal können die Berner nicht von einem Basler Ausrutscher profitieren.

Eigentlich ist die Meisterschaft ja längst entschieden. Die einzig spannende Frage ist noch, wann der FCB zum sechsten Mal in Serie Meister wird. Dass dieses Denken wohl auch den einen oder anderen FCB-Spieler erfasst hat, offenbarte das 1:2 gegen Luzern.

Lange, sehr lange dauerte es, bis die Zuschauer das Gefühl bekamen, die Basler sträuben sich wirklich gegen die Niederlage. Strellers Kopfball nach
88 Minuten war der Beginn des Basler Aufbäumens. Kurz darauf versuchte sich Kakitani. Und schliesslich wurde Schär im letzten Moment von Freuler am Abschluss gehindert. Wer aber erst nach 85 Minuten beginnt, den Gegner so konsequent unter Druck zu setzen, dass Chancen die zwingende Folge davon sind, braucht sich über eine Niederlage nicht zu beschweren.

Die exklusive Meinung von Sousa

«Es war nicht unser Nachmittag», bekannte Trainer Paulo Sousa. Von fehlender Leidenschaft oder verfrühter «Wir-sind-schon-Meister-Stimmung» wollte er indes nichts wissen. «Wir zeigten viel Herz. Ich sah es.» Wobei Sousa diese Meinung doch eher exklusiv hatte. Das Spiel war eine Warnung zur rechten Zeit. Eine aber, die kaum Schaden nach sich zieht.

Erstaunlich war vor allem, wie selten der FCB die umgebaute Luzerner Innenverteidigung (Puljic fehlte verletzt, Rogulj gesperrt) unter Druck setzen konnte. Wie es gehen könnte, zeigte der Anschlusstreffer von Delgado. Ein langer Ball von Schär genügte bereits, um Chaos zu stiften. Auch die Effizienz, normalerweise eine grosse Stärke, war für einmal ungenügend.

Delgado und dann vor allem Gashi aus nächster Nähe verpassten es, mit ihren Kopfbällen dem Spiel eine andere Richtung zu geben. Gashi muss zwar noch eine Sperre absitzen. Aber weil das Urteil nach dem FCB-Rekurs (nur zwei statt drei Sperren) noch nicht rechtskräftig ist, fehlt er erst am Mittwoch in Vaduz.

Luzern mit mutigem Pressing

Gewiss, der Luzerner Sieg war alles andere als gestohlen. Das Team von Markus Babbel überzeugte von der ersten Sekunde an mit Mut und einem Pressing, das im St. Jakob Park von Gästen selten gesehen ist. Lezcanos Tor bereits nach 34 Sekunden war der erste Lohn dafür, wobei Safari schlecht aussah. Das frühe Tor tat dem Spiel gut. Es folgte eine unterhaltsame erste Hälfte mit vielen Chancen auf beiden Seiten. Wobei man lange nicht mehr so viele Basler Fehler gesehen hat.

Die Verteidigung wieder und wieder unkonzentriert. Alleine Lezcano hätte mindestens zwei weitere Treffer erzielen können. Doch FCB-Torhüter Vaclik – beim ersten Gegentor auch nicht über alle Zweifel erhaben – zeigte mehrere starke Paraden. So war es Schneuwly, der das entscheidende Tor erzielte.
Trainer Babbel freute sich entsprechend. «Das war sensationell anzuschauen. Aber ich warne davon, uns nun schon voreilig vom Abstiegskampf zu dispensieren.» Ganz ohne Verluste ging es aber auch für Luzern nicht. Ein frustrierter FCB-Fan verpasste Sportchef Rolf Fringer eine kräftige Bierdusche. Der Sieg wird ihn trösten.

Basel - Luzern 1:2 (1:2)

28897 Zuschauer. - SR Studer. - Tore: 1. (0:32) Lezcano (Thiesson) 0:1. 32. Schneuwly (Freuler) 0:2. 37. Delgado (Gashi) 1:2.

Basel: Vaclik; Xhaka, Schär, Suchy, Safari (49. Elneny); Frei (49. Streller), Zuffi; Gashi, Delgado (79. Kakitani), Callà; Embolo.

Luzern: Zibung; Thiesson, Sarr, Affolter, Lustenberger; Doubai (51. Haas), Freuler; Bozanic, Jantscher (74. Winter); Lezcano (81. Mobulu), Schneuwly.

Bemerkungen: Basel ohne Gonzalez (gesperrt) und Ivanov (verletzt). Luzern ohne Rogulj (gesperrt), Puljic und Wiss (beide verletzt). Basel ab 50. mit Dreierabwehr. Verwarnungen: 25. Suchy . 36. Thiesson. 83. Lustenberger (alle Foul).

Matchtracker: FC Basel - FC Luzern 26.04.15

Das Spiel im Detail zum Nachlesen im Ticker:

ScribbleLive: FC Basel - FC Luzern 26.04.2015