FC Basel

Ein Klassiker zwischen Basel und dem FCZ, der noch lange nachhallen wird

5:1 gewinnt der FCB, hat auf den FC Zürich jetzt 20 Punkte Vorsprung - doch Chaoten bringen es fertig, dass zwei Rote Karten und sogar drei Embolo-Tore in den Hintergrund rücken.

Sechs Tore. Mit Breel Embolo ein dreifacher Torschütze. Ein Eigentor. Sechs Mal Gelb. Zwei Mal Rot. FC Basel gegen FC Zürich: Der Klassiker bot alles, was er vor jedem Aufeinandertreffen der Erzrivalen verspricht.

Doch am Sonntag bot der Klassiker noch mehr. Leider. Und so wird dieser Fussball-Nachmittag im Basler St. Jakob-Park in trauriger Erinnerung bleiben. Ein Nachmittag, an dem der Sport in den Hintergrund rückte.

Die 71. Minute: Sie könnte für den FC Zürich ein Glücksmoment sein, weil er nach 344 torlosen Minuten durch Franck Etoundi wieder ein Tor erzielt. Es ist zwar nur der Anschlusstreffer zum 1:3 – aber immerhin. Doch die Freude verstummt abrupt. Oder anders gesagt: Sie wird übertönt von einer ohrenbetäubenden Explosion im Zürcher Fansektor. Brennende Fackeln fliegen auf den Rasen.

Ein Fotograf hat Glück, dass eines der über 1000 Grad heissen Geschosse nur seinen Rücken streift. Auch in der Muttenzerkurve, Heimat der FCB-Fans, eine Explosion. Bereits in den 70 Minuten zuvor bewerfen sogenannte FCZ-Fans mehrere Male die vor ihnen positionierten Stadionordner mit Pyro-Material.

Canepa schaut nur zu

Sascha Amhof, der Schiedsrichter, hat genug: Nach Absprache mit den beiden Captains, die sein Vorhaben unterstützen, weist er die Mannschaften in die Kabine. Spielunterbruch. Später sagt Amhof: «Es waren Kinder im Stadion, deren Sicherheit war nicht mehr gewährleistet. Fussballspiele sollten ein Fest sein. Diese Vorstellung wurde heute von den Fans mit Füssen getreten.»

Als es nach gut zehn Minuten weiter geht, scheinen die Gemüter beruhigt. Scheinen. Denn kaum hat Amhof die Partie endgültig abgepfiffen, kommt, was – so schlimm es tönt – kommen muss: Vermummte Basler stürmen die Haupttribüne und greifen die FCZ-Fans an. Ein Metallzaun verhindert das Aufeinandertreffen, trotzdem haben die mit Schlagstöcken und Pfefferspray bewaffneten Polizisten grösste Mühe, die Gruppen zurückzudrängen.

Friedliche Zuschauer, die das Spiel mit einem Bier ausklingen lassen möchten, müssen flüchten. Szenen, die einfach nur fassungslos machen. Derweil steht Ancillo Canepa, der Präsident des FC Zürich, mit leerem Gesichtsausdruck in der Interviewzone. Er hat es während der Partie vermieden, auf die Chaoten zuzugehen – so, wie es sein Basler Amtskollege Bernhard Heusler vor gut einem Jahr in Salzburg getan hat, wo FCB-Fans ebenfalls einen Spielunterbruch provozierten.

Sousa kritisiert Gashi

Stattdessen atmet Canepa tief ein und predigt seine Wut in die Mikrofone: «Skandal, unterste Schublade. Solch hirnamputiertes Verhalten schadet dem FCZ und dem ganzen Schweizer Fussball. Es ärgert mich masslos, mich mit solchen Vollidioten zu beschäftigen. Es gibt einen Bodensatz an Menschen, die erreicht man nie – egal, was man tut.»

All das lässt in den Hintergrund rücken, dass im Joggeli auch ein mitreissendes Fussballspiel stattgefunden hat. Eines, in dem die Spieler viel beigetragen haben zum miserablen Gesamtbild, das der FCZ gestern abgegeben hat. Allen voran Davide Chiumiento: Nach 38 Minuten tritt der seit Wochen ausser Form spielende Spielmacher an der Seitenlinie ohne Not Basels Delgado um. Die Folge ist hart, aber vertretbar: Rote Karte.

Fortan spielen die Emotionen mit: Nur sechs Minuten später fliegt Liga-Topskorer Gashi für eine Tätlichkeit an FCZ-Israeli Avi Rikan vom Platz. «Emotionen sind nicht immer kontrollierbar. Aber was Gashi gemacht hat, verurteile ich aufs Schärfste», schimpft FCB-Coach Paulo Sousa nach der Partie. Der Portugiese denkt in diesem Moment wie alle mit rot-blauem Blut: Gewinnen ja – aber bitte nicht unter diesen Umständen

Lesen Sie den Verlauf der Partie im Live-Ticker nach:

Matchtracker: FC Basel - FC Zürich 12.04.15

ScribbleLive FC Basel - FC Zürich 12.04.15

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