Aus allen Gassen strömen sie auf den Barfüsserplatz: eingefleischte Fans mit Fahnen, Dosenbier und Rucksäcken voller Pyros. Väter mit ihren Söhnen an der Hand. Ältere Semester mit dem Klappstuhl unter dem Arm. Gleichzeitig schlüpfen die Herrschaften im feinen Zwirn durch den Seiteneingang ins Stadt-Casino, vor dem das rot-blaue Meer wogt. Alle warten sie nur auf eines: Auf den Moment, in dem ihre Helden auf dem Balkon erscheinen. Der Startschuss zu einer rauschenden Meisternacht.

Vorbereitet sei nichts

So oder ähnlich wird es ablaufen, wenn sich der FC Basel heute vorzeitig den 18. Meistertitel der Klubgeschichte sichert, den zehnten seit dem Wiederaufstieg 1994 (was es dafür braucht, siehe unten). Es wird eine Feier geben, von der bis kurz vor 18 Uhr keiner weiss, ob sie tatsächlich stattfindet. In Basel nennen sie dies die «spontane Meisterfeier». Die Freude soll das Fest gestalten, kein Organisationskomitee – getreu dem Motto «man soll die Feste feiern, wie sie fallen». Der FCB betont bei jeder Gelegenheit, dass nichts, aber auch wirklich gar nichts vorbereitet sei.

Doch wie spontan ist eine spontane Feier tatsächlich? Kann man im Voraus einfach ignorieren, dass im Falle des vorzeitigen Titelgewinns zigtausend Menschen auf den Barfüsserplatz strömen? Was, wenn plötzlich Bier und Bratwürste ausgingen? Was, wenn sich das Tram durch die Menge schieben müsste? Was, wenn im Restaurant Papa Joe’s die Gäste erst von ihren Tischen verscheucht werden und die Köche in Windeseile ein Buffet für die FCB-Stars und ihre Entourage aus dem Boden stampfen müssten? Und was, wenn keine Polizisten vor Ort wären, die übermütige Fans in Schach halten könnten? Das Chaos auf dem Barfi wäre perfekt.

Einladungen zur Feier gibts per SMS

Die Sorgen sind unbegründet. Denn eine spontane Meisterfeier vermag eine titelerprobte Stadt wie Basel nicht mehr auf dem falschen Fuss erwischen. Nach zehn Meisterfeiern in den letzten vierzehn Jahren spielt die Routine, greifen die Zahnrädchen ineinander. So haben Behörden, Restaurantbetreiber und der FCB auch in diesem Jahr längst Vorkehrungen getroffen: Das Dach der Tramhaltestelle ist seit Tagen mit Stacheldraht belegt, um zu verhindern, dass Fans hochklettern. In den Kühlräumen rund um den Barfi lagern Tausende Liter Bier. Eine Beiz hat über 2000 Bratwürste bestellt und meldet wie alle anderen angrenzenden Lokale «Full House». Das «Papa Joe’s» nimmt auf Bitten des FCB seit Wochen keine Tischreservationen mehr entgegen für die Tage, an denen eine Meisterfeier möglich wäre.

Man muss genauer hinschauen, um Indizien zu finden, die an eine spontane, an eine improvisierte Meisterfeier erinnern: Allen voran der fehlende Pokal. Diesen erhält Captain Marco Streller erst am letzten Spieltag. Auch vergeblich sucht man die Meistershirts, die erst in der Produktion sind. Und wer am Samstag Abend im «Papa Joe’s» mit den Spielern feiern darf, wird vom FCB erst kurz nach Spielschluss in Zürich per SMS eingeladen.

Ob heute, in einer Woche oder noch später – die Party trägt nur die Etikette «spontan». Tatsächlich ist es eine Meisterfeier aus der Schublade.