FC Basel

Der unendlich lange Weg zurück in die Super League

Schuften für das Comeback: Ivan Ivanov bei Sprungübungen.

Schuften für das Comeback: Ivan Ivanov bei Sprungübungen.

Am 14. Januar 2014 hat sich Ivan Ivanov das Kreuzband gerissen. Seither hat der 27-jährige Bulgare viel Geduld gebraucht. Jetzt steht er kurz vor seinem Comeback - nach über 20 Monaten.

Ein bisschen gehofft hatte Ivan Ivanov ja schon. Darauf, dass der heutige Sonntag ein grosser Tag wird. Mit seinem heiss ersehnten Comeback im Fanionteam nach einer Absenz von einem Jahr, acht Monaten und sechs Tagen. Das Cupspiel des FCB gegen das unterklassige YF Juventus hätte doch die ideale Gelegenheit dafür sein können. Aber Cheftrainer Urs Fischer will kein Risiko eingehen. Bevor er den Innenverteidiger erstmals in sein Matchaufgebot nimmt, soll dieser auf tieferem Niveau weiter Spielpraxis sammeln.

45 Minuten hat der Bulgare in der 1. Liga Promotion am 15. August gegen Rapperswil gespielt, danach drei Mal 90 Minuten in Testspielen. «Ivan hat einen extrem langen Weg hinter sich. Aber er wird von Spiel zu Spiel besser», meldet Thomas Häberli, Trainer der zweiten Mannschaft. «Der Augenblick der Rückkehr in Rapperswil war sehr emotional», sagt Ivanov. «Aber alles läuft gut, einzig das Reaktionsvermögen ist noch nicht das alte, ich bin im Kopf zu langsam.»

Zurück im Mannschaftstraining

Seit zwei Monaten befindet sich der 40-fache Internationale wieder im Mannschaftstraining. «Er macht komplett alles mit und ist von seinem physischen Leistungsvermögen nicht mehr weit entfernt», sagt Physiotherapeut Nicolas Unternährer, der zusammen mit Amit Moshe Tzalach und Mägi Schaller von der Klinik Birshof den Patienten während der Reha betreut hat und manchmal als Psychologe gefordert gewesen ist.

Der Unfall hatte sich am 14. Januar 2014 in Spanien im Testspiel gegen Braunschweig ereignet. «Als ich nach dem Kopfballduell auf dem Boden landete, spürte ich einen fürchterlichen Schmerz wie noch nie im Leben», erinnert sich Ivanov. «Aber dann ging es besser, und ich spielte noch vierzig Minuten weiter.» Mit einem gerissenen Kreuzband, wie später die niederschmetternde Diagnose ergab.

Am 18. Januar wurde Ivanov operiert und bald kehrte er nach Bulgarien zurück, um in der Heimat unter der Obhut des medizinischen Staffs der Nationalmannschaft sein Aufbauprogramm zu absolvieren. Es ging alles gut, und natürlich liess er es sich nicht nehmen, am 27. Februar in Sofia ins Stadion zu gehen, als Ludogoretz in der Europa League gegen Lazio spielte. «Als Ludogoretz das 3:3 schoss, stand ich auf, um zu applaudieren. Leider vergass ich, dass ich auf einem Klappsitz gesessen hatte. Als ich mich wieder setzen wollte, geschah das Unglück und ich machte eine dumme Bewegung mit dem Knie», sagt Ivanov.

Dieses sei zwar geschwollen gewesen, aber noch stabil, erinnert sich Unternährer an den Check, den der Pechvogel danach in Basel machte. Doch nach drei Monaten ergab eine Untersuchung, dass das Knie eben doch nicht stabil war. «Die Ärzte rieten mir zur Operation, doch ich wollte nicht wieder bei null beginnen und setzte mein Aufbautraining fort», sagt Ivanov. «Das war ein Fehler.»

Neuerliche Operation

Am 16. September wurde er erneut operiert. «Diese Zeit war die härteste», sagt Ivanov. «Nach acht Monaten noch einmal von vorne, von unter null sogar, anzufangen, war brutal.» In dieser Zeit war das Einfühlungsvermögen der Betreuer besonders gefragt. Dass Unternährer für ein paar Tage nach Bulgarien flog, wusste Ivanov enorm zu schätzen. Er arbeitete viele Stunden am Tag hart, steckte Phasen der Stagnation weg, versuchte, geduldig zu bleiben und die Qualen zu überstehen, wenn er hilflos auf der Tribüne zusehen musste, wenn seine Kollegen spielten. «Schade, dass ich in der ganzen letzten Saison nie unter Paulo Sousa trainieren konnte – ein fantastischer Typ», sagt Ivanov.

Doch die Gegenwart heisst Urs Fischer. «Mein Verhältnis zu ihm ist gut. Er macht einen tollen Job, wir gewinnen ja fast immer», sagt Ivanov. Bald wird auch er wieder auf dem Platz sein. «Ich hatte vor meiner Verletzung ein gutes halbes Jahr mit dem FCB und spielte in der Champions League», sagt Ivanov. Sportdirektor Georg Heitz hofft, dass dieser zurück auf sein altes Niveau findet. Um über eine Vertragsverlängerung nachzudenken, sei es aber noch zu früh.

Ivanov ist zuversichtlich, dass alles gut kommt. «Ich bin überzeugt, dass ich so stark sein werde wie vor der Verletzung», sagt Ivanov. «Dank Nicolas, Amit und Mägi, die so viel für mich getan und meine schlechte Laune ausgehalten haben.»

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