Super League

Der FC Zürich lanciert die Rivalität mit dem FC Basel neu

Noch ist Basel obenauf: Scott Chipperfield gewinnt 2005 ein Kopfballduell gegen Alain Nef – am Ende ist der FCZ Meister.

Noch ist Basel obenauf: Scott Chipperfield gewinnt 2005 ein Kopfballduell gegen Alain Nef – am Ende ist der FCZ Meister.

Mit dem Cupsieg wird der FCZ wieder zum grossen FCB-Konkurrenten. Zwischen 2006 und 2009 durchbrachen die Zürcher den Basler Siegeszug – jetzt erinnern sie sich an ihre letzten Meistertitel. Auch damals hatte die Titeljagd mit einem Cupsieg begonnen.

Eigentlich ist es nur ein kleiner Moment des Glücks. Ein Mann mit zerzausten Haaren steht auf dem Rasen. Er lacht. Er wippt zur Musik. Nur dieser Moment zählt. Und den will er geniessen.

Es ist der 21. April 2014. Ancillo Canepa steht mitten im Stade de Suisse. Es ist kurz nach dem Cupsieg seines FC Zürich gegen den Rivalen aus Basel. Aber dieser kleine Moment des Glücks könnte viel mehr bedeuten. Vielleicht denkt der FCZ-Präsident einige Jahre zurück. An Titelgewinne, damals, als er ganz neu im Amt war. Und irgendwie alles viel zu schnell ging, als dass er sich der Bedeutung so richtig bewusst gewesen wäre. So hat er das später einmal gesagt.

Vielleicht denkt er auch an die Champions League, ans San Siro. Als er einen Tag vor dem Sieg bei der AC Milan selbst Rasenluft schnupperte, sich im Training beim Penaltyschiessen versuchte. Canepa in der Champions League? Kommt es alsbald wieder dazu?

Hoffnung? Ja. Garantie? Nein.

Am 21. April 2014 ist der FC Zürich auferstanden. Nach fünf schwierigen Jahren, als er manchmal der Bedeutungslosigkeit viel näher war als einem Titel, gewann er endlich wieder einen Pokal. Diesen Schwung hat der Stadtklub nun mit in die neue Saison genommen. Vor dem Spitzenspiel in Basel vom Samstag lautet seine Bilanz: vier Spiele, vier Siege.

Natürlich ist das alleine noch keine Garantie für einen weiteren erfolgreichen Saisonverlauf. Die Young Boys der letzten Spielzeit sind Warnung genug. Diese stürzten nach fünf Siegen zu Beginn ab.

Trotzdem gibt es Anzeichen, die den FCZ-Fans Hoffnung machen. Nur den Zürchern gelang es in den letzten zehn Jahren, den Siegeszug des FC Basel zeitweise aufzuhalten. Dreimal gewannen sie den Titel: 2006, 2007 und 2009. Der damalige Trainer, Lucien Favre, betonte: Mit dem Cupsieg 2005 lernte die Mannschaft das Gefühl des Siegens kennen. Ein wichtiger Schritt auf dem Erfolgsweg.

Der 13. Mai 2006

Alain Nef war einer der Protagonisten des legendären 13. Mai 2006. Sekunden vor Schluss der «Finalissima» FCB - FCZ bereitete er mit seinem – ein paar Meter zu weit vorne ausgeführten – Einwurf das Feld für Filipescus Meister-Tor in der 93. Minute. Nef sagt: «So einen Final wird es im Schweizer Fussball nie mehr geben.»

Der FCZ wurde damals nicht wegen seines Schnellstarts Meister, sondern wegen seiner Ausdauer. Die letzten sieben Spiele gewann er alle. «Wenn du Leader bist und siehst, dass der Verfolger immer näher und näher kommt, machst du dir schon deine Gedanken», sagt Nef. Sein Blick sieht aus, als spiele er die Partie von damals nochmals in Gedanken durch, als stehe er auf dem Rasen vor einem Basler Konkurrenten und sagt: «Schau mir in die Augen, Kleiner! Hier bin ich der Chef.»

Nach dem Titel hat Nef den FCZ verlassen. Er lernte Orte kennen, die nicht jeder Fussballer sieht. Piacenza, Udine, Huelva oder Triest zum Beispiel. Nach drei Jahren bei YB kehrte Nef zu Beginn der vergangenen Saison zurück zum FCZ. «Die Rivalität zwischen Basel und Zürich ist nie verschwunden. Aber Basel hat eben das Maximum herausgeholt», sagt Nef. «Jahr für Jahr denkt man: Jetzt bekommt Basel Probleme, weil viele Spieler den Klub verlassen. Aber die Probleme kommen nie. Es kommen immer die nächsten Topcracks.»

Der verlorene Cupfinal mit der U16

Als der FCZ 2006 Meister wird, ist Urs Meier Trainer der U16. Einer seiner Junioren ist Marco Schönbächler. Am 13. Mai 2006 arbeitet dieser beim Public Viewing in der Maag Event Hall, bedruckt Meistershirts. Im Frühsommer bestreitet er mit der U16 den Cupfinal gegen Winterthur. Wobei: Eigentlich ist Schönbächler verletzt. Als der FCZ nach 70 Minuten zurückliegt, wechselt ihn Meier dennoch ein. In der Hoffnung, er könne noch irgendetwas bewegen. «Es klappte nicht. Ich konnte wegen einer Schleimbeutelentzündung kaum laufen vor Schmerzen. Acht Jahre später gewinnen wir doch noch einen Cupfinal zusammen, welch schöne Geschichte.»

Und nun, in dieser Saison, kann der FCZ wirklich zum FCB-Rivalen werden? «Ja!», sagt Schönbächler sofort. Und sein Trainer: «Viele reden nur immer über Titel. Schauen im Fernsehen, wie Deutschland den WM-Pokal stemmt, und fragen sich: ‹Wie fühlt sich ein solcher Triumph an?› Der FCZ weiss das jetzt wieder.»

Vier entscheidende Faktoren, ob der FC Zürich in dieser Saison mit dem FC Basel mithalten kann oder nicht

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Der Europacup

Ende August bestreitet der FCZ das Playoff um den Einzug in die Europa League. Bei diesem Thema schrillen häufig die Alarmglocken: Europa-Cup? Achtung Doppelbelastung! Doch gerade die letzte Saison brachte Erstaunliches hervor. St. Gallen spielte in der Meisterschaft so lange vorne mit, wie es auch in der Europa League beschäftigt war. Danach folgte der Absturz. Und YB bekam nach einem sensationellen Start (5 Spiele, 5 Siege) bald Probleme. Vielleicht auch, weil es zu wenig Spiele gab für das grosse Kader. Wie reagiert der FCZ auf die eventuelle Doppelbelastung? Im besten Fall wirkt sie stimulierend. Weil mehr Spieler Einsatzgelegenheiten erhalten. Nur lautet die Frage eben doch: Haben die Nummern 12 bis 18 beim FCZ genügend Qualität, um langfristig für Erfolg in Europa und in der Schweiz gleichzeitig beitragen zu können? Fragezeichen erlaubt.

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Der Captain

Vielleicht ist Yassine Chikhaoui der talentierteste Fussballer, der je in der Schweizer Liga gespielt hat. Mit Sicherheit ist er der faszinierendste. Seit dieser Saison ist der Tunesier FCZ-Captain. Das Schicksal des Teams hängt zu einem guten Teil von seinem persönlichen Schicksal ab. Kann er wirklich einmal eine ganze Saison lang verletzungsfrei spielen? Es gibt wenige Beobachter, die sich vorbehaltlos trauen, diese Frage mit «Ja» zu beantworten. Was klar ist: Chikhaoui ist fähig, in einem einzelnen Spiel den Unterschied auszumachen. Sein herausragender Auftritt im Cupfinal führte dazu, dass er doch noch beim FCZ bleiben durfte, obwohl sein Abgang eigentlich beschlossen war. Nun soll oder muss er sein Team auch in der Meisterschaft zu Siegen über Basel führen. Ob er das kann? Am Samstag ist es Zeit für den ersten Beweis.

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Der Trainer

Urs Meier ist der einzige Super-League-Trainer, der gegen den FC Basel eine positive Bilanz aufweist. Von sieben Spielen gewann er drei, zweimal endete die Partie unentschieden, zweimal verlor er. Will der FCZ eine Chance auf den Meistertitel haben, muss er in den Direktduellen die Differenz schaffen. Ansonsten scheint die Maschinerie des FCB übermächtig. In den beiden letzten Spielzeiten schnupperte GC am Titel, scheiterte aber auch deswegen, weil es den FCB in der Meisterschaft nur einmal besiegen konnte, am 26. 5. 2013 – doch da war es schon zu spät. Dass der FCZ Rot-Blau besiegen kann, zeigte er in der letzten Saison, als er sowohl den ersten Vergleich auswärts (1:0) als auch den Cupfinal als Dessert (2:0 n.V.) gewann. Meier lässt immer auf Sieg spielen, sein Team darf und wird sich auch in Basel nicht verstecken.

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Die Konstanz

Der Saisonstart des FCZ ist ein kleines Déjà-vu. Bereits zu Beginn der Rückrunde 2013/14 reihten die Zürcher sechs Siege aneinander. Danach aber gab es in zwölf Spielen nur noch zwei Siege. Die fehlende Konstanz ist im Verein seit längerem ein Problem. Daran muss der FCZ arbeiten. Rivale Basel zeichnet sich seit Jahren dadurch aus, wichtige Spiele trotz schlechter Leistung zu gewinnen. Zudem weiss der FCB, wie man (Meister-)Titel gewinnt. Diese Erfahrung fehlt den meisten FCZ-Spielern. Daran ändert auch der Gewinn des Schweizer Cups nichts. Eine wichtige Voraussetzung für konstante Leistungen ist die Gesundheit der Schlüsselspieler. Die Stürmer Gavranovic und Sadiku fallen wegen Kreuzbandrissen lange aus. Viel mehr darf nicht passieren, vor allem in der Abwehr ist Meister Basel besser und breiter besetzt.

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