Paulo Manuel Carvalho Sousa gibt alles. Auch noch in der Nachspielzeit tigert er wie wild durch die Coachingzone, schreit, gestikuliert, verwirft die Hände, spricht energisch auf Fabian Schär ein – bis Schiedsrichter Sascha Amhof endlich abpfeift. 0:0 – Sousa jubelt kurz, rennt aber nicht wie viele andere auf den Platz, sondern wendet sich seinen Kollegen vom Trainerstaff zu und umarmt jeden einzeln innig.

Stolz auf viele Dinge

Ein Jahr, nachdem er Maccabi Tel Aviv in Israel zur Titelverteidigung geführt hatte, ist ihm dies auch beim FC Basel gelungen. «Ich bin auf viele Dinge stolz», sagte der 45-jährige Portugiese hinterher. «Aber nachdem der Klub fünf Titel in Folge gewonnen hatte, war es eine besondere Herausforderung, auch noch den sechsten zu holen.»
Mit einem 0:0 gegen die Young Boys vor 34 231 Zuschauern im St. Jakob-Park hatte Rotblau zuvor den Elfpunktevorsprung auf die Berner verteidigt, das halbe Dutzend voll gemacht und den Schweizer Rekord ausgebaut.

«Es war kein wunderschönes Spiel», sagte Captain Marco Streller, «aber wunderschön ist, dass wir nun hier im eigenen Stadion und nachher auf dem Barfi feiern können.» Präsident Bernhard Heusler umschrieb den Nachmittag so: «Wir haben gelitten, aber wir haben schliesslich den Deckel draufgemacht.» Heusler räumte ein, dass es ein riskanter Schnitt gewesen sei, den der FCB mit der Verpflichtung von Cheftrainer Sousa im vergangenen Sommer gemacht habe. «Wäre es schiefgelaufen, hätten wir einiges zu hören bekommen.»


Akribische Arbeit

Doch schiefgelaufen ist nichts. Die Titelverteidigung erfolgte souverän, auch wenn die Vorstellungen auf dem Rasen kaum spektakulärer waren, als in der letzten Saison unter Murat Yakin. In der Champions League reichte es bis in die Achtelfinals, und am 7. Juni kann der FCB gegen Sion auch noch Cupsieger werden. «Sousa ist ein akribischer Arbeiter. Er hat uns aus der Komfortzone geholt und neue Reize gesetzt. Er hat dafür gesorgt, dass wir nicht versuchten, im Schlafwagen zum nächsten Titel zu kommen», sagte Heusler.

Dass der Trainer, wie es seinem bisherigen Werdegang mit kurzer Verweildauer bei den jeweiligen Klubs entsprechen würde, den FCB nun schon wieder verlässt, glaubt Heusler nicht. «Wer ihn in den vergangenen Wochen beobachtet hat, wie er jede Sekunde nur an den FCB gedacht hat, kann sich nicht vorstellen, dass er anderswo hin will.» Sousa selber sagte, bevor er wieder in der biergetränkten Kabine verschwand: «Ich habe einen Vertrag, der noch zwei Jahre dauert.»

Die Partie im Joggeli war hart umkämpft gewesen, doch viele Torszenen waren dem erwartungsfrohen Publikum nicht geboten worden. Streller hatte nach einem Corner eine Kopfballchance (39.), nachdem er sich im Zweikampf gegen Milan Vilotic durchsetzt hatte. Und auf der anderen Seite war es Guillaume Hoarau gewesen, der nach einem Eckball mit seinem Kopfball das Basler Tor nur knapp verfehlt hatte (64.).

Giftige Berner in der Startphase

Hochklassig war die Partie indes nur in der ersten halben Stunde gewesen, als beide Mannschaften ein in der Super League nur selten zu beobachtendes horrendes Tempo anschlugen und auch im physischen Bereich internationales Niveau erreichten. Die Berner, angereist mit dem Ziel, die Meisterfeier des FC Basel zumindest um einen weiteren Spieltag hinauszuschieben, waren giftig, ohne dass sie wild darauf losgestürmt wären.

Die Basler ihrerseits waren bemüht, den Gästen zu zeigen, wer Herr im Hause ist. Je länger die Partie indes dauerte, umso mehr freundete sich der FCB mit dem Spielstand an, im Wissen, dass dieses Ergebnis zum 18. Titelgewinn reichen würde. Und YB schien auch zufrieden, dem Ligakrösus in dessen Stadion einen Punkt abzuringen. «Wir wollten dem Gegner nicht ins Messer laufen», sagte YB-Trainer Uli Forte. Und gratulierte dem FCB: «Wer bereits drei Runden vor Schluss Meister wird, der hat den Titel mehr als verdient.»

Basel - Young Boys 0:0

34 231 Zuschauer. - SR Amhof.

Basel: Vaclik; Xhaka, Schär, Suchy, Traoré; Elneny, Frei; Embolo, Gonzalez, Gashi (85. Callà); Streller (79. Delgado).

Young Boys: Mvogo; Hadergjonaj, Vilotic, Von Bergen, Lecjaks; Gajic, Sanogo; Steffen (73. Kubo), Gerndt (78. Vitkieviez), Zarate (68. Nuzzolo); Hoarau.

Bemerkungen: FCB ohne Zuffi (verletzt), Ivanov (rekonvaleszent), YB ohne Seferi (verletzt). 7. Tor von Streller annulliert (Foul). Verwarnungen: 15. Lecjaks, 25. Xhaka, 37. Von Bergen, 45. Suchy, 71. Traoré, 91. Vitkieviez (alle Foul).

Matchtracker: FC Basel - BSCYB 17.5.15

Das Spiel zum Nachlesen im Ticker:

Scribble-Live: Basel-YB 17.5