Der Föhn bläst am Dienstagnachmittag mit voller Kraft übers Ländle. Vor der Saison noch hätte man gedacht, genauso würden die Vaduzer aus ihrem Rheinparkstadion gepustet, wenn am 9. November der Ligakrösus aus Basel dem Fürstentum Liechtenstein seine Aufwartung macht. Möglicherweise hatte sogar auch Oliver Klaus dies befürchtet. Doch jetzt, ein paar Tage vor dem Spiel, sagt er: «Wir sind nicht chancenlos.»

Klaus ist der Torhüter des FC Vaduz. Er hat am Sonntag beim 1:0 in Bern gegen YB dicht gehalten, wie schon zwei Wochen zuvor bei seinem torlosen Super-League-Debüt in Luzern. Und weil er dazwischen beim 1:1 gegen GC nur ein Tor kassiert hat, ist ihm der Einstand im Schweizer Spitzenfussball perfekt gelungen. «Ich gebe mir aber alle Mühe, nicht zu euphorisch zu sein und versuche, den Ball flach zu halten», sagt der 24-Jährige.

Genauso hatte er sich auch verhalten, als er am 9. Oktober spät abends erfuhr, dass sich Peter Jehle im Länderspiel gegen Montenegro einen Bizepssehnenriss zugezogen hatte und mehrere Monate ausfallen würde. «Hätte ich gesagt: So, Oli, das ist jetzt deine Chance, die musst du unbedingt packen! Dann hätte ich mich wohl verkrampft», sagt Klaus.

Das geglückte Debüt

Doch es ging alles gut in Luzern vor 15'000 Zuschauern und Klaus konnte hinterher sagen: «Von diesem Moment habe ich schon als Junior geträumt.» Damals, als er beim FC Gelterkinden mit dem Fussball begann und dann als 13-Jähriger in die Nachwuchsabteilung des FC Basel kam. Wo er mit Xherdan Shaqiri, Ivan Rakitic, Yann Sommer, Zdravko Kuzmanovic und Pascal Schürpf trainierte. Auf der Geschäftsstelle des FCB absolvierte er auch seine KV-Lehre.

«Es waren perfekte Bedingungen für meine Entwicklung», sagt Klaus, der auch regelmässig in die Schweizer Nachwuchsnatis aufgeboten wurde. 2009 durfte er unter Trainer Christian Gross mit der ersten Mannschaft ins Trainingslager, sicherte sich einen Platz im Kader und spielte mit der U21 in der 1. Liga. «Als dann Ende Saison Sommer von GC zurückkam, entschied ich mich jedoch, einen neuen Weg zu gehen und trennte mich friedlich vom FCB», sagt Klaus.

Liebe auf den ersten Blick

Nach einem Jahr bei Yverdon in der Challenge League wechselte er ins Ländle. «Ich wusste, dass dort Peter Jehle unantastbar war. Doch ich bekam einen guten Vertrag bei einem ambitionierten Verein. Es war wie Liebe auf den ersten Blick», sagt Klaus. Zum Einsatz kam er vorderhand nicht.

In der zweiten Spielzeit verletzte sich Jehle, Klaus spielte und blieb unter dem neuen Trainer Giorgio Contini auch im Tor, als die Nummer 1 wieder fit war. Jehle wechselte frustriert zum FC Luzern, kam im Sommer aber zurück, und fortan setzte Contini auf ihn. «Ich war zwar enttäuscht, verdaute als Frohnatur den Entscheid aber gut», sagt Klaus.

Wäre er weggelaufen, hätte er etwas Entscheidendes verpasst. «Ich lernte eine Frau kennen, die mir gefiel, aber nichts von mir wissen wollte, als sie erfuhr, dass ich Fussballer bin», sagt Klaus. «Ein Jahr lang habe ich gepickelt, bis ich sie endlich erobert hatte.» Inzwischen sind die beiden verheiratet. «Sie ist zwar noch immer nicht am Fussball interessiert, aber wenn ich spiele, kommt sie schon ins Stadion. In Luzern trug sie sogar mein Trikot mit der Aufschrift «Frau Klaus».» Zu Hause aber ist Fussball kein Thema, der Profi kann abschalten.

Plötzlich steht Klaus im Fokus

In der letzten Woche aber war abschalten schwierig. Der FC Basel in Vaduz und Klaus im Tor der Liechtensteiner – an Gesprächsbedarf mangelte es nicht. Plötzlich baten Journalisten um ein Interview, die sich zuvor einen Deut für ihn interessiert hatten. Vor allem aber sorgten seine im Baselbiet lebende Familie, Verwandte und Freunde für Resonanz. Sie werden zwei Dutzend hoch auf der Tribüne sitzen. «Sie wünschen mir eine gute Leistung, hoffen aber auf einen FCB-Sieg», sagt Klaus. «Dort, wo ich herkomme, wird man Rot-Blau geboren. Das war auch bei mir so.»

Aber gewinnen gegen Rot-Blau will er heute trotzdem. Wie auch sein Trauzeuge Schürpf und die anderen Mitspieler Kwang Ryong Pak, Simone Grippo, Ramon Cecchini, Franz Burgmeier und Matthias Baron, alle mit einer Vergangenheit in Basel. Eine Niederlage könnte Klaus’ Befindlichkeit indes höchstens ganz kurzfristig trüben. «Ich bin extrem glücklich im Ländle. So, wie noch nie in meinem Leben.»