FC Basel

Das Dilemma des Fabian Frei

Marco Streller übergibt Fabian Frei die Captain-Binde.

Marco Streller übergibt Fabian Frei die Captain-Binde.

Im Sommer ist der Fussball-Profi Marco Streller Geschichte – die Suche nach dem Nachfolger läuft auf Hochtouren.

Als vor drei Jahren Benjamin Huggel zurücktrat, blieben Marco Streller und Alex Frei. Als vor zwei Jahren Frei zurücktrat, blieb Streller. Als im vergangenen Sommer Yann Sommer und Valentin Stocker in die Bundesliga wechselten, blieb Streller. Doch was bleibt, wenn in drei Monaten Streller abtritt? Die Antwort von FCB-Sportdirektor Georg Heitz: «Dann ist ein Fabian Frei da, ein Fabian Schär, ein Tomas Vaclik, ein Philipp Degen, ein Behrang Safari oder ein Marek Suchy.» Spricht Heitz als FCB-Fan, tönt es so: «Marco hinterlässt eine Lücke, die so nicht zu füllen ist.»

Die eine Rolle, die Streller beim FCB spielt, ist jene der Identifikationsfigur. Er ist, wie es die «Tageswoche» treffend beschreibt, «der Anker, der seinen FCB fest mit Stadt und Region verbindet. Da zerreisst sich auf dem Platz einer für seinen Klub, dem er nicht nur über den Lohnausweis verbunden ist».

Den Blick in die Kabine gerichtet, ist Streller der unangefochtene Anführer einer erfolgreichen und mit zahlreichen Nationalitäten besetzten Mannschaft. Einer, der den Neuen klar macht, was es heisst, für den FCB zu spielen. Nicht, indem er sie durch den St. Jakob-Park und durch die Basler Innenstadt führt. Vielmehr durch sein Auftreten. Fabian Frei sagt es so: «Marco verkörpert in einer Person, was die Stadt ist. Wenn man das erste Mal vor ihm steht, ist er schon von der Postur her imposant. Dazu ist er ein so lieber Mensch, dass man sich in seiner Nähe einfach wohlfühlt.»

Auch als Captain wird Streller fehlen – keine Frage. «Als Persönlichkeit ist er unersetzbar, diesen Rucksack dürfen wir keinem anderen Spieler anhängen», sagt Heitz. Doch führungslos, wie es verschiedene Stimmen prognostizieren, wird die Mannschaft im Sommer nicht sein. Heitz: «Marco Streller hinterlässt im Sommer eine funktionierende Mannschaft, in der die Rollen verteilt sind. Das weiss er und das hat ihm die Entscheidung, aufzuhören, erleichtert.»

Seit Sommer trägt Fabian Frei die Captainbinde, ist Streller einmal unpässlich. Frei, im Thurgau geboren, stiess 2004 in die Juniorenabteilung des FC Basel, 2007 zu den Profis und ist nach Streller der dienstälteste Spieler im Kader. Da liegt es auf der Hand, zu glauben, Frei könne noch am ehesten in die freigewordene Rolle Strellers schlüpfen. Dieser sagt: «Fabian macht das hervorragend. Er kann die Jungs in der nächsten Saison führen. Frei: «Ich brauche nicht zu lügen: Klar male ich mir aus, wie es wäre, Captain des FC Basel zu sein.» Doch steckt er im Dilemma: Im Sommer Streller als Captain beerben und zum neuen, langjährigen Aushängeschild der Rot-Blauen werden? Oder den langersehnten Traum vom Ausland wahr werden lassen? «Sollte ich die Aussicht haben, Captain zu werden und gleichzeitig das richtige Angebot aus der Bundesliga auf dem Tisch liegen haben, wäre ich hin- und hergerissen.»

Wobei die Tendenz in Richtung Ausland zeigt. «Der Wunsch, in einer grossen Liga zu spielen, ist in den letzten Monaten noch stärker geworden. Ich bin jetzt kein Talent mehr, sondern ein gestandener Spieler.»

Frei hat im Dezember Ex-Teamkollege und Kumpel Valentin Stocker in Berlin besucht, dabei hat ihm die Atmosphäre im Olympiastadion imponiert: «Wir haben gewitzelt, Hertha bräuchte doch noch einen Sechser.» Als Marcelo Diaz Ende Januar ein letztes Mal vor seinem Wechsel nach Hamburg die FCB-Kabine betrat, sagte der Chilene: «Ich spiele in vier Tagen gegen Bayern München.» Das hat Frei für Diaz gefreut, aber ihn auch nachdenklich gestimmt. «Ich werde nicht jünger: Sollte ich in diesem Jahr nicht wechseln, bin ich 2016 schon 27.»

Ein kickender FCB-Fan wie Marco Streller, das sei er nicht. «Der Verein liegt mir sehr am Herzen. Aber Fan? Nein. Unsere Fans singen es ja: FCB-Fan kann man nicht werden, das ist man», sagt Frei. Und doch: Es sei eine verlockende Aussicht, Nachfolger von Streller zu werden. «Ich habe beim FCB alles, was ich brauche.»

Wenn nicht Frei, kommen andere Spieler wie Schär, Safari, Vaclik und Suchy als Captain infrage – sofern sie im Sommer bleiben. Klar ist: Eine Spieler-Persönlichkeit zu verpflichten und sie direkt zum Captain zu machen, steht nicht zur Debatte. Sportdirektor Heitz: «Unsere Spieler haben bereits zu viel erreicht, als dass man ihnen einen neuen Leader von aussen vor die Nase stellen könnte.» Hingegen läuft die Suche nach der sportlichen Nachfolge bereits auf Hochtouren: Noch am Donnerstagabend, als Streller seinen Rücktritt intern bekannt gab, richteten Heitz und sein Chefspäher Ruedi Zbinden das Scouting stärker auf treffsichere Stürmer aus.

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