Der Sportclub Brühl darf sich freuen. Spätestens in zwölf Jahren sind seine Probleme in der Offensive gelöst. Dann nämlich wird Dion Bunjaku für den St. Galler Quartierverein stürmen. Sein Vater Albert jedenfalls hat erkannt, was für ein vielversprechender Torjäger bei den Brühler F-Junioren heranwächst: «Er hat einen enorm starken linken Fuss.»

Noch aber hat Dion ein paar Jahre Zeit, um seinem Papa gut auf die Füsse zu schauen. Und zu lernen, wie das so geht mit dem Toreschiessen. 13 Treffer hat Albert Bunjaku in 48 Bundesligaspielen erzielt und einmal, gegen Hannover, ist ihm sogar ein Hattrick gelungen.

Welch brandgefährlicher Goalgetter er ist, hat aber auch der FC Basel erfahren. Bunjakus Torquote gegen Rot-Blau ist sensationell: Sechs Spiele, fünf Tore. Fünf seiner acht Treffer in 60 Super-League-Einsätzen hat er gegen Pascal Zuberbühler und Tomas Vaclik erzielt. Seine jüngsten Streiche sind in bester Erinnerung. In der Vorrunde schoss Bunjaku beim 2:0 im St. Jakob-Park beide Tore, beim 2:1 in der AFG Arena den Siegtreffer.

WM-Einsatz als Höhepunkt

«Dass ich ausgerechnet gegen Basel so oft treffe, ist natürlich Zufall», sagt Bunjaku. Schon seinen allerersten Treffer in der Super League hatte er – im Trikot des FC Schaffhausen – im August 2004 beim 1:1 gegen Basel erzielt. Und drei Monate, bevor er sich im Januar 2006 ins nördliche Nachbarland verabschiedete, hatte er gegen «Zubi» ein zweites Tor nachgelegt.

Achteinhalb Jahre sollte seine Deutschland-Tour mit Stationen in Paderborn, Erfurt, Nürnberg und Kaiserslautern dauern. Dass er dabei in 185 Pflichtspielen 68 Tore schiessen und einen Marktwert von vier Millionen Euro erreichen würde, hätte ihm kaum jemand zugetraut. Die Krönung: Bei der WM 2010 in Südafrika kam Bunjaku gegen Chile sogar zu einem Kurzeinsatz.

Dann aber setzte ihn ein Knorpelschaden am Knie ausser Gefecht. Er fiel für den 1. FC Nürnberg beinahe eine ganze Saison aus. Einzig Kaiserslautern glaubte noch an ihn und gab ihm eine Chance. Trainer Franco Foda ernannte ihn gleich zum Captain, und Bunjaku spielte gut. Doch nach einem Jahr machte das Knie erneut nicht mehr mit: Sechs Monate Pause.

Grosses Vertrauen in St. Gallen

Aufgeben kam für Bunjaku nicht infrage; der Schweizer schuftete wie besessen und meldete sich im Januar 2014 zum Rückrundenstart wieder fit. Aber Trainer Kosta Runjaic gewährte ihm lediglich drei Kurzeinsätze. «Ich war fit und offiziell weiterhin der Captain. Es ist mir noch immer ein Rätsel, weshalb ich nicht mehr spielen durfte», sagt Bunjaku.

Er löste nach dem Ende der Saison seinen weiterlaufenden Vertrag auf und unterschrieb beim FC St. Gallen. «Sie gaben einem 30-Jährigen einen Dreijahresvertrag, obschon sie wussten, dass dessen Knie nicht mehr jungfräulich war», staunt Bunjaku noch heute über das grosse Vertrauen, das die Verantwortlichen der Ostschweizer ihm schenkten.

Der Stürmer zahlte dieses zurück und belehrte all jene eines Besseren, die in ihm einen Sportinvaliden sahen, der in der AFG Arena das Gnadenbrot essen würde. Nach 22 Meisterschaftsspielen hat einzig Captain Stéphane Besle (1667) ein paar Spielminuten mehr in den Beinen als Bunjaku (1658). «St. Gallen ist ein Glücksfall. Ich fühle mich unbeschreiblich wohl hier», sagt der Kosovo-Schweizer, der mit seiner Familie in Wittenbach lebt. Der einzige Makel: «Ich hätte gerne mehr als nur fünf Tore auf dem Konto. Ich hatte ziemlich viel Abschlusspech.»

«Ein echter Teamplayer»

Nach neun Partien ohne Tor hat Bunjaku am letzten Sonntag beim 2:0 in Aarau seine Flaute überwunden. «Klar bin ich erleichtert», sagt er, «aber wirklich beunruhigt war ich nie. Dafür bin ich schon viel zu lange Stürmer, um nicht zu wissen, dass es solche Durststrecken immer mal wieder gibt.»

Unterstützung erhielt er zu jeder Zeit von Trainer Jeff Saibene und Stürmertrainer Petar Alexandrov. «Ich schätze Albert sehr», sagt Saibene. «Er hat noch kein Training verpasst, seit er bei uns ist. Er läuft viel und ist ein echter Teamplayer.» Der Trainer ist sich sicher, dass Bunjaku noch zulegen und sein volles Leistungspotenzial erst jetzt abrufen wird. «Man darf nicht vergessen, dass er fast ein Jahr lang nicht gespielt hat, bevor er zu uns kam», sagt Saibene.

Alexandrov lobt: «In jedem Training zeigt Albert seine Qualitäten. Er kann hervorragend antizipieren und blitzschnell auf gewisse Situationen reagieren.» Exakt diese Erfahrung haben auch die Basler gemacht. «Ich hätte am Sonntag nichts gegen einen Ausbau meiner FCB-Serie», sagt Bunjaku. «Ich habe noch nie im Europacup gespielt. Auf diese Bühne will ich mit dem FC St. Gallen. Unbedingt.»