Die Schreie dringen tief ins Mark. Es sind Schreie, die Schlimmes befürchten lassen. Weil Breel Embolo sonst nie schreit. Weil er keiner ist, der sich auch nur eine einzige Sekunde zu lange auf dem Rasen wälzt. Der St. Jakob-Park ist in diesem Moment von Angst durchtränkt. Jeder schaut auf Embolo. Auf sein schmerzverzerrtes Gesicht. Jeder bangt. Und es schwirren Fragen durch die kalte Nacht.

Was, wenn sich Embolo das Kreuzband gerissen hat? Wie die nächsten sechs Monate aushalten ohne ihn? Reicht es doch noch für die EM? In diesen Momenten ist es ziemlich zweitrangig, dass Basel in der Europa League gerade gegen einen portugiesischen Verein von überschaubarer Qualität verliert.

Die Diagnose beruhigt

Am Freitagmittag atmet die Fussballschweiz auf. Die Untersuchungen ergeben: Embolo hat nur eine starke Quetschung der Knie-Weichteile erlitten. Eine Verletzung, die sehr schmerzhaft ist, aber keinen grösseren Schaden anrichtet. Embolo hat Glück im Unglück. Es droht kein nächstes «Knie der Nation» wie einst bei Pirmin Zurbriggen.

Embolo absolviert bereits ein leichtes Training. «Er ist leicht Velo gefahren», erzählt FCB-Trainer Urs Fischer, «und laufen geht auch schon wieder besser.» Ob es sogar reicht für das Duell vom Sonntag gegen YB? Eigentlich undenkbar, trotz der raschen Besserung. Was schade ist. Weil das Spitzenspiel einer seiner grössten Attraktionen beraubt wird. Und doch ist die Erleichterung über die Nichtverletzung grösser als die Enttäuschung über die Kurzabsenz.

Die Ähnlichkeit mit Xherdan Shaqiri

In der fast greifbaren Angst des Publikums vor einer Verletzung Embolos wurde offensichtlich, dass dieser längst mehr als nur ein aussergewöhnlich talentierter Spieler ist. Manchmal muss man sich in Erinnerung rufen, dass er immer noch 18 Jahre jung ist. Vielleicht war noch nie ein so junger Spieler so dominant in der Super League. Nicht einmal Xherdan Shaqiri.

Der Aufstieg von Embolo ähnelt jenem des jungen Shaqiri immer mehr. Das sieht auch FCB-Sportdirektor Georg Heitz so. Er sagt: «Es gab eine Zeit, da konnten wir mit dem FCB in Lausanne ein Spiel haben, kamen mit dem Bus an – und wurden von einer Horde junger Lausanne-Fans empfangen, die alle nur ein Ziel hatten: Ein Foto mit Xherdan.» Jetzt ist Embolo auf dem Weg dazu.

Teurer als je zuvor

Bleibt ihm das Verletzungspech fern, wird Embolo der teuerste Spieler, der die Schweiz je hatte. Vielleicht bleibt er bis im Sommer in Basel. Vielleicht auch nicht. Beim FCB erkundigen sich die Top-Klubs Europas fast permanent nach Embolo.

Embolo wird im Februar 19, Shaqiri war bei seinem Wechsel vom FCB zu Bayern München fast 21. Das sind nur Zahlen. Aber sie untermauern, warum sich die Schweiz schon heute so viel erhofft von Embolo.

Wer heute Xherdan Shaqiri auf dem Platz zusieht, will Embolo wünschen, dass er seine Unbekümmertheit und Demut ewig behält. Es ist einfacher in einer Zeit, in der er der junge, wilde Emporkömmling ist, der alles darf, aber noch nichts muss. Noch erwartet niemand, dass Embolo Spiele alleine entscheidet. Aber Embolo kreiert Träume. Geniessen wir sie.