Reden mag er nicht, lässt die Medienchefin mit schönem Gruss von Breel Embolo ausrichten. Muss er auch nicht. Nicht, wenn man wie Embolo zuvor auf dem Platz die Taten sprechen liess. Nachspielzeit der ersten Halbzeit: Embolo, mit dem Rücken zum Tor und gefangen in den Armen eines Vaduzers, streichelt den Ball mit der Hacke über die Linie. 49. Minute: Der Abschlag von Goalie Vaclik wird länger und länger, die Vaduzer Klaus und Stahel sind sich uneinig, Embolo sticht dazwischen und köpfelt ein zum 3:0.

Als ist es das Normalste der Welt
Fünf Tage nach seinem fabelhaften Auftritt in der Champions League gegen Ludogorez, als sei es das Normalste der Welt, avanciert Embolo auch beim ungefährdeten 4:0-Auswärtssieg in Liechtenstein zum Basler Matchwinner. Das 17-jährige Wunderkind wird immer unheimlicher. In 15 Einsätzen in der laufenden Saison hat Embolo neunmal getroffen und führt gemeinsam mit Shkelzen Gashi die interne Torjägerliste an. Gashi, der gestern ebenfalls traf, übernahm für den schweigenden Jüngling das Reden und sagte: «Von mir aus kann er so weitermachen mit dem Toreschiessen. Er ist genial.»

Gesprochen haben auch andere über Embolo. Im fernen Wolfsburg etwa Klaus Allofs, der Manager des dortigen Fussballvereins. Mit dem finanzstarken Werksklub des Autoherstellers VW wird Embolo seit Wochen in Verbindung gebracht, gestern sagte Allofs im deutschen Fernsehen: «Er steht auf unserer Liste, das ist klar. Aber auch andere Vereine wollen ihn.»

Auf den Spuren von Rodriguez?
Wolfsburg und Schweizer Talente? Da war doch was? 2010, ein halbes Jahr nach dem Gewinn der U17-WM, wechselte Nassim Ben Khalifa als 18-Jähriger in den Norden Deutschlands – und scheiterte. 2012 tat es ihm der damals 19-jährige Ricardo Rodriguez gleich – und ist heute einer der begehrtesten Linksverteidiger Europas. Der Unterschied: Ben Khalifa war vor seinem Wechsel zwar auffällig, aber kein Leistungsträger bei GC. Anders Rodriguez, der beim FCZ den legendären Ludovic Magnin verdrängt hatte.

Embolo, so grandios seine Leistungen, profitiert derzeit auch vom Ausfall von Marco Streller. Der FCB-Captain schlägt sich seit über einem Monat mit Rücken- und Muskelbeschwerden herum. Sein Comeback erfolgt nach der Länderspielpause, was auch die Einsatzzeiten von Embolo wieder verringern wird. Bei all den monetären Verlockungen und der Chance, in der attraktivsten Liga der Welt zu spielen – Embolo ist gut beraten, sich im familiären Umfeld des FCB weiterzuentwickeln. Verletzt er sich nicht schwer, wird er sich in zwei bis drei Jahren den Arbeitgeber aussuchen können. Embolos Vertrag in Basel läuft bis 2016, natürlich möchte der FCB gerne verlängern.
Auch Sousa hat dazugelernt

Die grosse Attraktion
Der Kameruner und Bald-Schweizer Embolo war die Attraktion. Mit ihm überzeugten auch seine Teamkollegen und gaben sich bei der Pflichtaufgabe gegen den Aufsteiger keine Blösse. Marcelo Diaz erzielte mit einem wunderbaren Freistosstor das 1:0 (27.). Nach Embolos Doublette besorgte Gashi das auch in dieser Höhe verdiente Endresultat (76.). Vier Siege in Serie, viermal zu null – der von Trainer Paulo Sousa eingeleitete Prozess scheint nach der zwischenzeitlichen Stagnation wieder zu greifen. Und auch Sousa selbst scheint dazugelernt zu haben: Er mischte das Team in der vergangenen Woche nicht mehr so arg durch wie früher, beliess es bei einem (Ludogorez) beziehungsweise zwei Wechseln (Vaduz). Geschadet hat es jedenfalls nicht.

Das Telegramm:

Vaduz - Basel 0:4 (0:2)

6733 Zuschauer (ausverkauft) - SR Erlachner. - Tore: 27. Diaz (Freistoss) 0:1. 45. Embolo (Gashi) 0:2. 49. Embolo (Vaclik) 0:3. 76. Gashi (Schär) 0:4.

Vaduz: Klaus; Grippo, Stahel, Kaufmann (77. Burgmeier); Muntwiler, Neumayr (58. Ciccone); Untersee, Hasler (67. Cecchini), Schürpf; Pak, Steven Lang.

Basel: Vaclik; Philipp Degen, Schär, Suchy, Safari (77. Xhaka); Diaz, Frei; Gonzalez, Zuffi (82. Sio), Gashi (77. Delgado); Embolo.

Bemerkungen: Vaduz ohne Abegglen, Baron, Jehle, Sara und Von Niederhäusern (alle verletzt) und Sutter (krank) und Polverino und Flatz (nicht im Aufgebot). Basel ohne Ivanov und Streller (beide verletzt) und Serey Die (krank), Kakitani, Samuel, Aliji, Arlind und Albian Ajeti (alle nicht im Aufgebot). Trauerminute für den verstorbenen Rainer Hasler (ex-Vaduz). Verwarnungen: 3. Stahel, 25. Muntwiler, 38. Schär (alle Foul).

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