Zwei Tage vor Start der Super-League-Rückrunde muss sich Urs Fischer für einmal zu einem eher ungewohnten Thema äussern. Denn der Cheftrainer des FC Basel hat ein Luxusproblem, das er bislang beim FCB noch nie hatte. Er hat nur einen einzigen Spieler, der am Sonntag gegen den FC Luzern nicht spielen kann: Andraz Sporar. Der slowenische Neuzugang hat eine Entzündung im Fuss, die ihn wohl um sein Debüt im Joggeli am Sonntag bringt. 

Zwar konnte er am Dienstag gegen Xamax eine Halbzeit spielen, doch nach dem letzten Testspiel sei entschieden worden, dass man wieder aufpassen muss. «Die Entzündung ist am Abklingen, aber noch nicht so, wie wir uns das vorstellen. Für Sonntag könnte es also sehr knapp werden», so Fischer. Nach dieser Aussage ist es also fast undenkbar, dass man im Hinblick auf eine lange Rückrunde Sporars Gesundheit riskiert. Vor allem auch, weil Fischer mit Breel Embolo und Marc Janko zwei Stürmer hat, die hundert Prozent fit sind. 

Hundert Prozent gesund ist auch Tomas Vaclik wieder, der Ende der Hinrunde verletzt ausfiel. Und auch der verletzungsanfällige Walter Samuel ist fit: «Der Mann ist richtig parat. Er konnte die ganze Vorbereitung mitmachen und hat einen sehr guten Eindruck hinterlassen.» So stehen Fischer auf der – was Verletzungen angeht – Problemposition Innenverteidigung plötzlich fünf Spieler zur Verfügung: Marek Suchy, Samuel, Manuel Akanji, Jugendspieler Pedro Pacheco und Daniel Hoegh. Deshalb dürfte es gerade für Letzteren erstmal schwierig werden, sich wieder in die Stammelf zu spielen. Auch der Däne war Ende der Hinrunde verletzt und hat noch Trainingsrückstand, genauso wie Philipp Degen, der sich an der Schulter operieren lassen musste und fast vier Monate ausgefallen ist. 

Ansonsten kann Fischer tatsächlich auf einen komplett fitten Kader zurückgreifen. Aber auch auf einen, der sich in den letzten zwei Monaten stark verändert hat. Sieben Abgängen (Shkelzen Gashi, Zdravko Kuzmanovic, Yoichiro Kakitani, Albian Ajeti, Mohamed Elneny, Mirko Salvi, Veljko Simic) stehen drei Neuzugänge (Alexander Fransson, Renato Steffen und Sporar) gegenüber. Auch deshalb hätte Fischer in der Vorbereitung sehr gerne noch ein bis zwei Wochen mehr Zeit gehabt. «Natürlich, das wäre gut gewesen. Die neuen Spieler müssen sich ja auch noch auf dem Platz integrieren. Aber die Spieler brennen darauf, dass endlich wieder los geht.»  

Neue Positionen für alte Spieler?

Fischer hätte vor allem an den Automatismen im Defensivverhalten und jenen in der Vorwärtsbewegung gerne noch gearbeitet. «Zum Teil hat das schon sehr gut geklappt, die vier Tore gegen Xamax haben sicher auch gut getan. Aber dass wir nach zwanzig Sekunden schon hinten lagen, damit kann man nicht zufrieden sein.»

Alles in allem blickt Fischer aber sehr positiv auf die Veränderungen im Kader zurück. «Ich schätze uns ganz sicher nicht schwächer ein. Aber das erste Spiel wird unsere erste Standortbestimmung.» Nichtsdestotrotz werden ihm auch alle wegtransferierten Spieler fehlen. «Shkeli (Shkelzen Gashi, Anm. d. Red.) war beispielsweise gerade in der Kabine um sich zu verabschieden. Es ist sehr schade, sie haben alle einen sehr wichtigen Teil zu der guten Hinrunde beigetragen.»

Die Hinrunde in der Liga als gut zu beschreiben, ist noch etwas untertrieben. Zehn Punkte Vorsprung hat der FCB auf den ersten Verfolger, die Grasshoppers, und gleich 15 auf die drittplatzierten Young Boys. 

Am Sonntag geht es nun gegen den FC Luzern, der auf Platz vier liegt. Die Luzerner haben ebenfalls viele Transfers hinter sich. Mit Remo Freuler und Dario Lezcano verliessen zwei wichtige Spieler die Luzerner, mit Marco Schneuwly, Michael Frey und Markus Neumayr konnte aber auch starker Ersatz verpflichtet werden. «Sie haben gute Spieler geholt, ja, mehr kann ich auch nicht sagen», so Fischer, der die Luzern-Neulinge auf Videos von Testspielen beobachtet hat. «Ich denke aber auch trotz den Neuzugängen nicht, dass sie mit einem komplett neuen System daher kommen werden.»

Ein neues System kann man beim FCB auch nicht erwarten. Dass jedoch der eine oder andere Spieler eine neue Position einnehmen wird, ist durchaus möglich. Verraten will Fischer nichts, streitet aber nicht ab, dass beispielsweise der polyvalente Birkir Bjarnason durchaus auch auf anderen Positionen spielen könnte als auf dem Flügel. Und auch Naser Aliji, der am Dienstag auf der Sechser-Position eingesetzt wurde. könnte einer jener Spieler sein, die ihre Stammposition zumindest zeitweise verlassen könnte. 

Aufschluss wird erst das Spiel am Sonntag geben. Möglich ist aber sehr vieles – vor allem, weil Fischer dieses in seiner Amtszeit beim FCB noch nie dagewesene Luxusproblem hat.