Es war aus St. Galler Sicht alles angerichtet für den ersten Finaleinzug seit 1998, den fünften insgesamt: Ein ausverkauftes Stadion in prickelnder Flutlicht-Atmosphäre. Dazu der Mutmacher, keines der drei bisherigen Saisonspiele gegen den FCB verloren zu haben. Die unterirdische Form in der Meisterschaft mit zuletzt drei klaren Niederlagen in Folge – sie interessierte in der Ostschweiz in den Stunden vor dem Highlight der Saison niemanden.

«Wir müssen leidenschaftlich spielen», hatte Trainer Jeff Saibene vor der Partie gefordert. Doch irgendwie hatten seine Spieler das mit der Leidenschaft falsch verstanden: Statt die Energie in die Qualität des Passspiels zu investieren, greifen sie zu brutaler Härte. Das Motto: Wenn schon nicht der Ball zu erreichen ist, dann wenigstens der Gegenspieler.

Die Basler müssen ein ums andere Mal einstecken und werden von den St. Gallern regelrecht in den Final geprügelt. Mohamed Elneny hat grosses Glück, nach dem Tritt von Everton nicht im Spital übernachten zu müssen. Ein Witz, dass Schiedsrichter Klossner nach der Attacke des Brasilianers weiterspielen lässt. Die Gerechtigkeit siegt später doch noch, als Everton in der Nachspielzeit mit Gelb-Rot vom Platz fliegt.

Die Hoffnung, dass nach dem lahmen Gekicke am Dienstag zwischen dem FCZ und Sion der zweite Halbfinal rassigere Fussballkost bieten würde, ist schnell weg. Spannung kommt nie auf, weil die St. Galler ausser der Treterei nichts auf die Reihe bringen. Und weil Basel dieses Mal im Rückwärtsgang die Flanken zumacht: Anders als noch vor einem Monat an gleicher Stelle, als genau deswegen die Ostschweizer den FCB an den Rand der Niederlage brachten.

Erstmals zahlt sich die Basler Überlegenheit in der 14. Minute aus: St. Gallens Russo vertändelt den Ball, was Breel Embolo zu einem wunderbaren Solo und dem Zuspiel auf Gashi ausnützt. Der Albaner hat fünf Meter vor dem Tor völlig freistehend keine Mühe, das 1:0 zu erzielen.

Zur miserablen Leistung des Heimteams gesellt sich wenig überraschend dann auch Pech: Basels Schär begeht kurz vor der Pause im eigenen Strafraum ein Handspiel, das ohne Folgen bleibt. Ob ein allfälliges 1:1 die Spannung zurückgebracht hätte? Sehr unwahrscheinlich.

Im Gegenzug bedrängt Gashi St. Gallens Mutsch an der Grenze zur Illegalität und zwingt so den Luxemburger zum Eigentor. Der Sieg im vierten Aufeinandertreffen mit den Ostschweizern in dieser Saison, notabene im wichtigsten, ist somit bereits nach 45 Minuten unter Dach und Fach. Gashis 3:0, sein sechster Treffer in den letzten vier Spielen, und das 1:3 durch Cavusevic taugen nur noch als Zugabe.

Basels vierter Final in Folge

Basel gegen Sion – der Ligakrösus gegen die Cupmannschaft schlechthin. Fussballherz, was willst du mehr, wenn am 7. Juni im St.-Jakob-Park der Final angepfiffen wird? Für die Walliser geht es darum, die weisse Weste in Cupfinals zu wahren: 12 Teilnahmen, 12 Siege die wahnsinnige Bilanz. Auch der FCB taucht in der Liste der Opfer auf: 1982 erzielte Sions Alain Balet das Siegtor.

Basel hingegen brennt darauf, nach zuletzt zwei verlorenen Endspielen die Sandoz-Trophäe erstmals seit 2012 wieder ans Rheinknie zu holen. Kleiner Wermutstropfen: Breel Embolo ist am 7. Juni wegen seiner Gelben Karte gegen St. Gallen gesperrt.

Doch auch ohne sein Sturmjuwel geht der FCB leicht favorisiert in den Final: Ein Triumph würde das erste Jahr von Neo-Trainer Paulo Sousa krönen. Dass der Portugiese zuvor auch Meister wird, daran zweifelt schon länger niemand mehr.

Matchtracker: FCSG-FCB 8.4.15

ScribbleLive: FC St. Gallen - FC Basel 8.4.2015