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Vaduz holt Punkt in Zürich – Das grosse Leiden des Raimondo Ponte

Der FC Zürich macht dem FC-Aarau-Trainer Raimondo Ponte (rechts) und az-Sportredaktor Ruedi Kuhn keine Freude.

Der FC Zürich macht dem FC-Aarau-Trainer Raimondo Ponte (rechts) und az-Sportredaktor Ruedi Kuhn keine Freude.

Der Trainer des FC Aarau sieht im Letzigrund mit az-Sportredaktor Ruedi Kuhn mit an, wie Vaduz dem FCZ ein 2:2 abtrotzt. Ponte ist enttäuscht: «Jetzt brauchen wir noch zwei Siege, um den Ligaerhalt zu schaffen.»

Riskieren Sie einen Tipp, Raimondo Ponte? «Einen Tipp bekommen Sie von mir nicht», sagt der Trainer des FC Aarau. «Die Hauptsache ist, dass der FC Zürich als Sieger vom Platz gehen wird.»

Und wie ist die Gefühlslage? «Ich habe keine speziellen Gefühle», fügt der 60-Jährige hinzu. «Ich nehme das Ganze von der lockeren Seite. Einfach deshalb, weil ich das Resultat eh nicht beeinflussen kann. Ich muss es so nehmen, wie es kommt.»

Ponte sitzt auf der Haupttribüne im Stadion Letzigrund. Er wartet auf den Anpfiff vom Aargauer Schiedsrichter Sascha Amhof. Die Anspannung ist spürbar.

Wird der FCZ seiner Favoritenrolle gegen Vaduz gerecht? Oder schafft der Aufsteiger im zähen Ringen um den Ligaerhalt den entscheidenden Befreiungsschlag?

Nach dem überraschenden 2:1-Sieg gegen Basel machen sich die Aarauer im Abstiegskampf wieder Hoffnungen. Das Fernduell mit Vaduz ist neu lanciert.

az-Sportredaktor Ruedi Kuhn und FCA-Trainer Raimondo Ponte habens lustig – bis der Schlusspfiff ertönt und Vaduz einen Punkt holt.

az-Sportredaktor Ruedi Kuhn und FCA-Trainer Raimondo Ponte habens lustig – bis der Schlusspfiff ertönt und Vaduz einen Punkt holt.

Logisch, dass Ponte dem FCZ die Daumen drückt. Dem Verein also, bei dem er von 1991 bis 2000 als Sportchef und Trainer tätig war. Dem Verein also, der noch um den vierten Platz kämpft.

Dieser würde für die Teilnahme an der Europa League berechtigen. Genützt hat’s nichts! Der FCZ, der seit dem 5. Oktober 2014 kein Heimspiel mehr gewonnen hatte, bleibt auch im elften Anlauf sieglos und schafft gegen den Aufsteiger nur ein 2:2.

Zwei bittere Pillen – Zwei Vaduz Tore

Das Spiel zehrt an den Nerven: Ponte muss gleich zu Beginn eine bittere Pille schlucken. Manuel Sutter schiesst in der 3. Minute das 1:0 für die Liechtensteiner. «War es Abseits?», fragt Ponte. Das Tor zählt. Es ist, wie es ist. Vaduz führt. Aber nicht lange. Christian Schneuwly gelingt nach gut einer Viertelstunde das 1:1. Der Ausgleichstreffer der Zürcher zaubert ein Lächeln auf das Gesicht von Ponte. Die Erleichterung ist ihm ins Gesicht geschrieben. Dann folgt die nächste bittere Pille. Pascal Schürpf bringt Vaduz erneut in Führung.

Zur Pause liegen die Liechtensteiner 2:1 vorne. Ponte leidet. Aufseiten des FCZ machen sich die Ersatzspieler Amine Chermiti, Franck Etoundi und Davide Chiumiento bereit für einen eventuellen Einsatz. Vaduz verpasst das 3:1 nur knapp.

Im Gegenzug gelingt den Zürchern das 2:2. Berat Djimsiti trifft. Ponte schöpft neue Hoffnung. Umso mehr, als FCZ-Trainer Urs Meier Chermiti einwechselt. Der Tunesier soll es richten. Ponte zeigt Emotionen. «Macht endlich ein Tor, ihr Zürcher», sagt er. Und klopft mit der Faust auf den Tisch.

Es nützt nichts. Der FCZ tut sich schwer. Sehr schwer sogar. Vaduz spielt mit mehr Leidenschaft, mit mehr Herzblut als der Gegner. Dann kommt aufseiten der Zürcher auch noch Chiumiento. Es bringt nichts.

Nach 94 Minuten ist Schluss. Es bleibt beim 2:2. Ponte ist enttäuscht. Und zieht ein ernüchterndes Fazit. «Nun brauchen wir höchstwahrscheinlich noch zwei Siege, um den Ligaerhalt zu schaffen», sagt er. «Und sind zudem darauf angewiesen, dass Vaduz keines der beiden Spiele gewinnen wird.»

Aarau braucht zwei Siege

Zwei Runden vor Schluss steht der FC Aarau im Abstiegskampf mit dem Rücken zur Wand: Vaduz hat vier Punkte Vorsprung, spielt am Pfingstmontag vor eigenem Publikum gegen GC und muss zum Abschluss im Stade de Suisse zu den Berner Young Boys.

Ein Sieg reicht dem Team von Trainer Giorgio Contini zum Ligaerhalt. Der FC Aarau gastiert in St. Gallen und empfängt im letzten Spiel den FC Thun.

Wer den fussball-angefressenen Ponte kennt, der weiss, dass er bis zum bitteren Ende voll und ganz auf den Abstiegskampf fokussiert ist.

Keine einfache Sache: Momentan macht er nämlich gleich in doppelter Hinsicht schwierige Zeiten durch. Anfang dieser Woche ist der Vater seiner Frau Maria in Italien gestorben. Die Trauer ist gross. Der Stachel des Schmerzes sitzt tief. Vielleicht lenkt Ponte die Arbeit mit dem FC Aarau in den nächsten Tagen ab. Wenigstens ein bisschen.

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