Was würden Sie anders machen, wenn Sie die Saison nochmals planen könnten?

Urs Bachmann: Nicht viel. Wir wussten erst knapp zwei Wochen vor Meisterschaftsende, in welcher Liga wir spielen werden. Die Zeit für die Mannschaftszusammenstellung war sehr knapp. Ich würde einen erfahrenen Spieler für das Zentrum im offensiven Mittelfeld holen.

Das tönt nicht, als wären Sie Sportchef beim Tabellenletzten der Challenge League.

Mit der Tabellensituation kann niemand zufrieden sein. Trotzdem bin ich überzeugt von der Qualität der Mannschaft.

Wie stufen Sie die Leistung Bordolis ein?

Hören Sie auf. Diskussionen um den Trainer kommentiere ich nicht. Das besprechen wir intern. Fakt ist: Wir sind der Absteiger mit einem angeknacksten Selbstvertrauen. Wir hatten auf acht Positionen Wechsel und haben einen neuen Trainer. Es kann nicht sein, dass gleich von Beginn weg die Automatismen stimmen.

Ihre Erklärung mit dem angeknacksten Selbstvertrauen und den vielen Wechseln steht im Widerspruch. Schliesslich haben die neuen Spieler den Abstieg nicht miterlebt.

Nach drei Punkten aus sechs Spielen kann man auch von neuen Spielern nicht erwarten, dass sie mit breiter Brust auftreten.

Letzte Saison wurde beim FC Aarau zu lange mit dem Trainerwechsel gewartet. Jetzt laufen Sie Gefahr, in die gleiche Situation zu kommen.

Das Szenario ist ähnlich, das ist so.

Dabei nehmen Sie die Gefahr in Kauf, dass der Zug nach vorne schon bald abgefahren ist.

Wir sind in einer ähnlichen Situation wie nach dem letzten Abstieg. (Damals, in der Saison 2010/11, hatte der FC Aarau nach sechs Spielen elf Punkte auf dem Konto, nicht drei wie jetzt; die Red.)

Ist die Partie am Montag gegen Xamax ein Schicksalsspiel für Trainer Bordoli?

Kein Kommentar.

Nach dem 0:1 in Schaffhausen wirkte Bordoli ratlos.

Hatten Sie den Eindruck?

Bordoli sagte, er hätte keine Erklärung für den schwachen Auftritt in Schaffhausen.

Er brauchte eine Nacht, um zu einer Erklärung zu kommen. Das brauchen viele andere Trainer auch und das drückt nicht Ratlosigkeit aus, sondern die Absicht, die Lage seriös zu analysieren.

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Sie sprachen von fehlenden Automatismen. Gleichzeitig gibt Bordoli seinen Spielern nach dem miserablen Spiel in Schaffhausen zweieinhalb Tage frei.

Wie viele Trainings haben Sie gesehen?

Darum geht es nicht.

Doch. Wenn Sie die Trainings regelmässig besuchen würden, kämen Sie zu einem anderen Schluss. Am Montagmorgen wurde trainiert. Die Trainingsplangestaltung ist Sache des Trainers.

Es gibt Stammspieler, die es nicht verstehen, dass ihnen Bordoli nach dem Schaffhausen-Spiel zweieinhalb Tage frei gegeben hat.

Dies ist eine Behauptung. Trotzdem: Bordoli macht keine Straftrainings. Und ich kenne nicht viele Trainer, die heute noch Straftrainings machen. Wir setzen die Zeichen intern. Zudem liegt es an den Spielern, eine Reaktion zu zeigen.

Lesen Sie die Kommentare von Fans im Internet?

Nein.

Aus Selbstschutz?

Zum Teil, ja. Ich hatte nach dem letzten Heimspiel eine Aussprache mit 40 bis 50 Fans und weiss, wie die momentane Stimmung ist.

Zurück zum Sportlichen. Stürmer Mart Lieder war ein Panik-Transfer.

Das ist eine Unterstellung. Wer wie Lieder viele Jahre in der holländischen Eredivisie gespielt hat, kann Fussball spielen.

Er hat in vier Saisons in der Ehrendivision 56 Spiele gemacht und dabei sieben Tore erzielt – bescheiden für einen Stürmer.

Aber er hatte auch zwei schwere Verletzungen, und letzte Saison hat er beim Absteiger gespielt. Da ist es für einen Stürmer immer schwierig zu treffen. Ich bin von Lieders Qualitäten nach wie vor überzeugt.