Zugegeben, den idealen Zeitpunkt für einen Wadenbeinbruch gibt es nicht. Aber als Neuankömmling kurz vor dem Saisonstart der Super League von dieser Verletzung gebremst zu werden, ist wirklich dümmstes Timing.

Frank Feltscher haderte aber nicht: «Ich habe die Diagnose ziemlich normal aufgenommen. Verletzungen gehören im Fussball dazu und ich wollte einfach so schnell wie möglich wieder auf den Fussballplatz zurück.» Angesprochen auf den suboptimalen Zeitpunkt, meint der 26-Jährige nur lächelnd: «Jetzt wurde mein Ernstkampfdebüt beim FCA halt um zwei Monate nach hinten verschoben.»

Feltschers Integration in seine neue Mannschaft wurde durch den Dämpfer nicht gebremst – im Gegenteil. «Auch während der Verletzungspause war ich immer sehr nah bei der Mannschaft. Ausserdem siehst du das Spiel auf der Tribüne anders als auf dem Feld – so konnte ich den Jungs auf meine Art helfen und Tipps geben», erklärt der 13-fache venezolanische Internationale.

Um sich aber so schnell wie möglich wieder mehr als Fussballer denn als Analyst zu fühlen, quälte sich Feltscher durch Schwimmbecken, Velos und Krafträume. «Beintraining stand natürlich im Vordergrund. Da habe ich enorm viel Muskulatur verloren», sagt der Modellathlet.

Das Debüt vor Augen

Am Samstag gab Feltscher beim Team Aargau U21 in der 2. Liga interregional sein Debüt. Beim 10:3-Heimsieg gegen den Baselbieter Abstiegskandidaten Dardania spielte der Zürcher 64 Minuten und erzielte ein Tor. «Es hat Spass gemacht, endlich einmal wieder das Matchfeeling zu spüren», so Feltscher und ergänzt: «Bei den Zweikämpfen habe ich mich schon noch etwas zurückgehalten – nach so einer Verletzung ist das wohl normal.»

Im Training ist von dieser Zurückhaltung wenig zu spüren. Feltscher nimmt die Zweikämpfe an und bejubelt jedes der Tore seiner Mannschaft frenetisch – sein Hunger ist greifbar. «Ich freue mich, meinen Kollegen endlich auch auf dem Platz helfen zu können», so der Flügelflitzer.

Das Feuer in seinen Augen entflammt endgültig bei der Frage, wann Feltscher wieder hundertprozentig fit sein würde. «Gegen Thun (nach der Länderspielpause, d. Red.) bin ich sicher wieder voll einsatzfähig», sagt Feltscher und ergänzt: «Natürlich wäre es schön, von Anfang an spielen zu dürfen. Aber das entscheidet der Trainer. Ich freue mich auch, der Mannschaft mit einem Teileinsatz helfen zu dürfen.»

Der Traum von der Copa America

Mit dem Saisonstart seiner Kollegen ist Feltscher indes zufrieden: «Die Jungs haben das richtig gut gemacht – mit etwas Glück hätten wir sogar noch ein paar Punkte mehr auf dem Konto.» Zu verbessern sei einzig «die Effizienz». «Wir müssen die Chancen verwerten – ich hoffe, dass auch ich bald ein paar Dinger reinhauen kann», blickt Feltscher grinsend nach vorne.

Persönlich will der schweizerisch-venezolanische Doppelbürger beim FC Aarau «ein gutes Jahr absolvieren», dann soll der nächste grosse Traum erfüllt werden: «Mein grosses Ziel ist es, nächsten Sommer mit Venezuela die Copa America in Chile zu bestreiten.» Sollte ihm das gelingen, ist davon auszugehen, dass die FCA-Fans viel Freude an Frank Feltscher gehabt haben.