Aargauer Derby

Raimondo Ponte fürchtet die Derby-Pleite bei seinem Ex-Klub

Raimondo Ponte und der FC Wohlen befinden sich nicht im Reinen. 2004, als der heutige Aarau-Sportchef im Freiamt als Coach entlassen wurde, floss böses Blut.

Raimondo Ponte und der FC Wohlen befinden sich nicht im Reinen. 2004, als der heutige Aarau-Sportchef im Freiamt als Coach entlassen wurde, floss böses Blut.

Der Sportchef des FC Aarau möchte lieber nicht wissen, was nach einer neuerlichen Pleite gegen den Kantonsrivalen FC Wohlen los ist. Für die Aarauer wäre es die erste Pleite gegen Wohlen im zehnten Derby.

Das zehnte Derby in der Challenge League zwischen dem FC Wohlen und Aarau am Sonntag, 15 Uhr, im Stadion Niedermatten steht unter besonderen Vorzeichen: Nach sechs Siegen des FC Aarau und drei Unentschieden sind die Chancen der Freiämter auf den ersten Sieg grösser denn je. Einerseits haben sie Heimvorteil, anderseits liegt der Druck auf den Aarauern. Ein Blick auf die Tabelle zeigt dies in aller Deutlichkeit: Der FC Wohlen ist nach 16 Spielen mit 20 Punkten auf Rang sieben klassiert, der FC Aarau ist mit 14 Zählern Letzter.
 

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«Der Kanton braucht einen starken FC Aarau»

Auf dem Spielfeld wird das Derby zum ganz heissen Tanz. Und neben dem Spielfeld? Beim FC Wohlen blicken Trainer Martin Rueda, Captain Alain Schultz, Vize-Captain Joël Geissmann und der langzeitverletzte Verteidiger Davide Giampà mit besonderen Emotionen der Partie entgegen. Rueda übernahm im Januar 2004 das Traineramt beim FC Aarau, wurde aber acht Monate später bereits wieder entlassen. In 22 Spielen als Aarau-Trainer resultierten fünf Siege, vier Unentschieden und 13 Niederlagen. «Es war eine bittere Erfahrung», blickt Rueda zurück.

«Aber es ist auch schon lange her. Es wäre schön, wenn Wohlen endlich ein Derby gegen Aarau gewinnen könnte. Langfristig betrachtet braucht der Kanton aber einen starken FC Aarau», fügt Rueda hinzu. «Für die Nachwuchsarbeit im Aargau wäre es ideal, wenn Aarau in der Super League, Wohlen in der Challenge League und Baden in der Promotion League spielen würde. Leider sieht das momentan etwas anders aus.»

Schultz spielte bis Januar 2015 beim FC Aarau. Nachdem er unter der Führung von Trainer Sven Christ in der Vorrunde der Saison 2014/15 kaum zu Einsätzen gekommen war, wurde Schultz immer unzufriedener und wechselte trotz laufenden Vertrags zum Kantonsrivalen. «Ich hatte eine wunderschöne Zeit in Aarau und habe jetzt noch Kontakt mit Sandro Burki und Sven Lüscher», erklärt er rückblickend.

Wechsel zum richtigen Zeitpunkt

«Es war das Beste, was ich tun konnte.» Und Geissmann? Was sagt er zum FC Aarau? Zu jenem Verein, bei dem er gross geworden ist und vor mehr als fünf Jahren sein Debüt in der ersten Mannschaft gegeben hat? Am liebsten nichts. Eines aber steht fest: Dass ihn die Führungscrew 2012 trotz Vertrags und nach nur zwei Wochen Training mit der ersten Mannschaft an den FC Baden ausgeliehen hat, wird er den Verantwortlichen des FC Aarau nie vergessen. In diesem Leben wird Geissmann jedenfalls kein Freund des Vereins vom Brügglifeld mehr.

Beim FC Aarau ist das Derby vor allem für Sportchef Raimondo Ponte eine emotionale Geschichte. Der 60-Jährige trainierte die Freiämter 2004, machte dabei aber keine glückliche Figur. Sein Abgang neun Monate nach der Einstellung war von Nebengeräuschen begleitet. Der Grund für seine Entlassung waren einerseits die ernüchternden Resultate. Andererseits soll sich der Süditaliener mit den Spielern und der Klubführung überworfen haben. Ponte zog nach seiner Entlassung selbst vor laufender Tele-M1-Kamera über die Vereinsleitung her. So warf er den Verantwortlichen vor, dass sie über zu wenig Sachverstand im Bereich Fussball verfügen.

Ponte unter Druck

Wer heute mit Ponte über seine Zeit in Wohlen spricht, der spürt, wie sehr er unter Druck steht. «Die Vergangenheit und meine Gefühle spielen in diesem Derby keine Rolle», sagt er. «Einfach deshalb, weil es einzig und allein um das sportliche Wohl des FC Aarau geht. Wir müssen gewinnen. Um jeden Preis! Ich will mir nicht vorstellen, was los ist, wenn wir dieses Derby verlieren.»

Für FCA-Mittelfeldspieler Daniele Romano ist das Duell der Kantonsrivalen ebenfalls brisant. Er spielte mehrmals bei beiden Aargauer Klubs. Bleiben FCA-Innenverteidiger Marco Thaler, ein gebürtiger Wohler, und FCW-Abwehrspieler Davide Giampà. Sie verbrachten bis im Juni dieses Jahres die Schulzeit miteinander und schlossen gleichzeitig die Maturaprüfungen ab. Geblieben ist eine Freundschaft. Aber nur neben dem Spielfeld.

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