FC Aarau

Präsident Alfred Schmid: «Ich kann kein Bauernopfer gebrauchen»

Alfred Schmid: «Ich stehe hinter Urs Bachmann und seiner Arbeit.»

Alfred Schmid: «Ich stehe hinter Urs Bachmann und seiner Arbeit.»

Aaraus Präsident Alfred Schmid äussert sich nach dem Abstieg über die Trainersuche, den kritisierten Sportchef Urs Bachmann und Trainer Raimondo Ponte. Er kritisiert mehrere Spieler. Negativ ausgewirkt hätte sich auch die Stadion-Diskussion.

Alfred Schmid, wie fühlen Sie sich nach dem zweiten Abstieg als Aarau-Präsident?

Alfred Schmid: Es ging mir sicherlich schon besser. Es ist eine bittere Pille, die wir schlucken müssen. Auch wenn der Abstieg seit Wochen absehbar war.

Wie fällt Ihre Fehleranalyse aus?

Es ist nicht ein einzelnes Puzzleteil, welches zum Abstieg geführt hat. Es ist eine Verkettung von unglücklichen Umständen.

Werden Sie konkreter?

Wir hatten zu Beginn der Saison eine intakte Mannschaft. Der Start mit elf Spielen und vierzehn Punkten ist geglückt. Dann mussten wir einige Rückschläge verkraften.

FC Aarau: Die Stimmung ist am Boden

FC Aarau: Am Tag nachdem der Abstieg feststeht, ist die Stimmung am Boden

Welche Rückschläge?

Da sind vor allem die dauernden Diskussionen um die Sicherheit im Stadion Brügglifeld. Sie nerven gewaltig. Einerseits belasten und beeinflussen sie das ganze Umfeld des FC Aarau. Anderseits haben die Kosten für die Sicherheit unglaubliche Ausmasse angenommen. Zu Beginn meiner Zeit als Präsident gaben wir in einer Saison für die Sicherheit 40 000 Franken aus. In dieser Saison sind es zirka 500 000 Franken. Kommt hinzu, dass wir in drei Heimspielen gegen Basel, St. Gallen und den FC Zürich keine Einnahmen aus dem Gästesektor hatten. Das kann der FC Aarau nicht einfach so verkraften.

Was hat sonst noch zum Abstieg geführt?

Mir haben bei vielen Spielern Leidenschaft, Kampfeswille und Herzblut gefehlt.

Nennen Sie Namen?

Nein.

Aber es ist richtig, dass Sie vor allem an Spieler denken, die vor oder während dieser Saison zum FC Aarau gekommen sind?

Ja, das ist richtig.

Hat man bei der Verpflichtung von Spielern zu wenig auf Charakter und Mentalität geachtet?

Das kann sein. Es ist richtig, dass wir in Zukunft bei Transfers vermehrt auf die Charakterstärke von Spielern achten müssen. Für mich ist der Hauptgrund für den Abstieg die Tatsache, dass wir keinen Goalgetter hatten. Nehmen wir Daniel Gygax. Von ihm haben wir Tore erwartet. Vergeblich. Gygax ist kein Einzelfall. Was die Stürmer betrifft, konnte keiner die Erwartungen erfüllen.

Hat der FC Aarau unter den aktuellen Voraussetzungen mit dem alten Stadion Brügglifeld und einem bescheidenen Budget von rund 5,5 Millionen Franken in der Super League überhaupt etwas verloren?

Der grosse Hammerschlag für den FC Aarau kam im Juli des vergangenen Jahres. Nachdem die Stadt Aarau die Baubewilligung für das Stadion im Torfeld Süd erteilt hatte, war die folgende Beschwerde ein Schlag ins Gesicht. Der Frust war riesig. Bei uns schrillten die Alarmglocken. Mit der aktuellen Infrastruktur im Brügglifeld können wir mit den andern neun Teams in der Super League nicht mithalten.

Während Ihrer Ausführung wird man das Gefühl nicht los, dass die elende Geschichte rund ums Stadion der Auslöser für den Abstieg ist.

Es ist nicht nur, aber vor allem der Auslöser. Es geht schliesslich um Geld. Momentan sind wir auf der Suche nach einem Hauptsponsor. Ohne Stadionprojekt gibt es aber keinen Anreiz für einen neuen Sponsor. Die Zehnder Group übernahm das Mandat als Hauptsponsor vor fünfeinhalb Jahren in der Annahme, dass das neue Stadion 2015 in Betrieb genommen werden kann. Nun müssen wir im besten Fall davon ausgehen, dass wir im Herbst 2016 grünes Licht für den Baubeginn bekommen. Die Verzögerung des Stadionbaus ist ein Tiefschlag, den wir kaum verkraften können.

Ist der Abstieg ein Zeichen?

Das kann man so sehen. Weil die Infrastruktur im Brügglifeld immer mehr Geld verschlingt, steht uns weniger für den Sport zur Verfügung. Ein Beispiel: Wären wir in der Super League geblieben, hätten wir eine Million Franken für die Sanierung des Rasens aufwenden müssen. Wäre die Baubewilligung rechtskräftig geworden, hätten wir uns im Winter mit einem finanziellen Kraftakt mit Spielern verstärkt, die den Klassenerhalt garantieren.

Überspitzt formuliert heisst das: Der FC Aarau ist freiwillig abgestiegen.

Nein, wir hatten die finanziellen Mittel nicht. Ein finanzieller Effort wäre nur möglich gewesen, wenn Bewegung in den Stadionbau gekommen wäre.

Kehren wir zurück zum sportlichen Aspekt: Geben Sie Fehler in der Transferpolitik zu?

Einerseits muss man sagen, dass uns die finanziellen Mittel fehlen, um spektakuläre Transfers zu tätigen. Während der Winterpause haben wir versucht, die Mannschaft zu verstärken. Wir haben mit Moreno Costanzo, Richard Magyar und Petar Sliskovic drei Spieler verpflichtet, die unsere Erwartungen leider nicht erfüllen konnten. Kam erschwerend hinzu, dass mit Edgars Gauracs unser hoffnungsvollster Stürmer nach seinem Kreuzbandriss Ende Juli in dieser Saison nicht mehr zum Einsatz kam.

Der FC Aarau steigt ab: "Das ist ein trauriger Moment", sagt Raimondo Ponte.

«Ein trauriger Moment» und «Die Trainersituation werden wir in den nächsten Tagen entscheiden» – so reagierten Ponte und Bachmann kurz nach dem Super-League-Aus.

Hätte man Trainer Sven Christ nicht schon in der Winterpause entlassen müssen?

Unter der Führung von Christ war die Mannschaft willig. Wir hatten nicht den Eindruck, dass die Spieler gegen Christ sind. Im Gegenteil.

Braucht es beim FC Aarau bezüglich Transfers ein Umdenken. Sollten in Zukunft nicht vermehrt Spieler aus der Challenge League verpflichtet werden?

Das werden wir auf die nächste Saison sicherlich machen. Mit Daniele Romano, Bruno Martignoni und Christopher Teichmann werden drei junge Leihspieler zurückkehren. Mit Denis Markaj von Lugano haben wir einen 24-jährigen Spieler für zwei Jahre verpflichtet. Die Talente Marco Thaler und Olivier Jäckle haben langfristige Verträge und sich sehr gut in Szene gesetzt. Jetzt müssen wir schauen, dass wir den einen oder andern Spieler holen können, der den Unterschied ausmachen kann.

Und wie will man das realisieren? Wer holt diese Spieler?

Unser Sportchef.

Dann bleibt Urs Bachmann also im Amt?

Das entscheidet letztlich der Verwaltungsrat. Ich stehe hinter Bachmann und seiner Arbeit. Über die gesamten sechs Jahre hat er auch vieles richtig gemacht. Kein Sportchef kann von sich behaupten, keine Fehler gemacht zu haben. Darum kann ich mir gut vorstellen, dass er Sportchef bleiben wird. Was ich jetzt nicht gebrauchen kann, ist ein Bauernopfer.

Aber Bachmann ist es nicht gelungen, auch nur einen Transfercoup zu landen.

Mag sein. Aber dafür ist nicht Sportchef Urs Bachmann alleine, sondern der ganze Sportausschuss verantwortlich. Beim FC Aarau entscheidet nie ein Einzelner, sondern immer das Kollektiv. Und diese Gruppe mit mir als Präsident muss immer auch darauf achten, dass der Finanzhaushalt ausgeglichen ist.

Kommen wir zur Trainerfrage: Es gibt klare Tendenzen, dass Raimondo Ponte nicht Trainer bleibt.

Wir wägen erst mal die verschiedenen Faktoren ab. Ausserdem ist es immer auch eine finanzielle Frage.

Welchen Typ Trainer braucht der FC Aarau in der kommenden Saison?

Es braucht einen mit hoher Fachkompetenz, der uns auch bei der Auswahl der Spieler weiterhelfen kann. Und er muss bereits eine gewisse Erfahrung mitbringen.

Ironie der Geschichte: Jetzt wäre es für Sven Christ der idealere Zeitpunkt, um als Trainer beim FC Aarau einzusteigen.

Vielleicht. Aber eine Rückkehr zum jetzigen Zeitpunkt ist nicht opportun. Ihr würdet als Erste auf uns einprügeln, wenn die Resultate ausblieben. Aber es ist denkbar, dass Christ irgendwann wieder Trainer in Aarau wird.

Der Wunschkandidat heisst aber Livio Bordoli.

Das ist eine Erfindung von Ihnen.

Nein. Bordoli hat uns gegenüber bestätigt, von Aarau kontaktiert worden zu sein.

Wir haben eine Kandidatenliste. Gut möglich, dass der Name Bordoli dort drauf steht.

Aber wenn es nach Ihrem Willen geht, wird der Trainer in der nächsten Saison nicht Ponte heissen.

Das will ich jetzt so nicht sagen. Wir werden diese Woche ein Gespräch mit Ponte führen und uns seine Vorstellungen und Ideen anhören. Spätestens bis zur Generalversammlung vom 8. Juni wollen wir punkto Trainer Klarheit haben.

Torhüter Joël Mall hat sich in dieser Saison zu einem Leader entwickelt. Doch verknüpft er einen Verbleib mit Bedingungen. Kann und will der FC Aarau diese Bedingungen erfüllen?

Jeder gute Spieler stellt Bedingungen. Und wenn Spieler in Verhandlungen sagen, das Geld stehe nicht im Vordergrund, dreht sich am Ende doch alles ums Geld. Mall will aber auch eine Mannschaft sehen, mit der man sofort aufsteigen kann.

Wenn Stephan Andrist und Daniel Gygax im ersten Training weiterhin dabei sind, haben Sie Malls Bedingungen nicht erfüllt?

Dazu kann ich jetzt nichts sagen. Die Verträge laufen allerdings aus.

Aber wer ist auf die Idee gekommen, mit Andrist den Vertrag zu verlängern?

Sein Vertrag hat nur in der Super League Gültigkeit. Und wären wir oben geblieben, hätte auch Andrist bessere Leistungen zeigen müssen. Wir haben immer damit gerechnet, dass er noch aufblüht. Schliesslich ist sein Karriereende noch weit entfernt.

Kann man davon ausgehen, dass das Budget für die erste Mannschaft um zwei Millionen auf 3 bis 3,5 Millionen Franken reduziert wird?

Ja. Das Projekt sofortiger Wiederaufstieg bedingt aber zwingend, dass wir per 1. Januar einen neuen Hauptsponsor finden. Aber auch, dass uns die 191 Mitglieder des «Club 100», die Sponsorenvereinigung und die «White Socks» weiterhin unterstützen. Und wir brauchen die Fans. Wenn irgendetwas davon wegbricht, ist der sofortige Wiederaufstieg gefährdet. Ich bin diesbezüglich aber überzeugt, dass uns auch in der Challenge League die breite Unterstützung in der Fangemeinde und den Sponsorengefässen erhalten bleibt. Treue zum FCA kennt keine Liga!

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