«80. Minute. Dritter und letzter Wechsel beim FC Aarau.» So tönte es am 19. Juli 2014 beim Saisonauftakt gegen den FC Basel aus den Stadionlautsprechern des Brügglifelds. Es war der Moment, als für Marco Thaler ein Traum in Erfüllung ging: Der 20-jährige Freiämter ersetzte zehn Minuten vor Ende des Spiels den verletzten Nauris Bulvitis.

Der Name Marco Thaler war in der breiten Öffentlichkeit bis zu jenem Einsatz kaum bekannt. Doch das hat sich seither geändert. Thaler machte seine Sache gut, kam bis zum Ende der Vorrunde auf insgesamt 15 Super-League-Einsätze und gehörte meistens zur Stammformation von Trainer Sven Christ.

Begünstigt wurde er dabei vom Umstand, dass seine Konkurrenten Juan Pablo Garat und Nauris Bulvitis vorerst nicht als Alternativen zur Verfügung standen. So stellte Thaler zusammen mit Olivier Jäckle die Innenverteidigung des FC Aarau. «Am Anfang ging das alles fast etwas überfordernd schnell», sagt Thaler rückblickend. Er brauchte seine Zeit und führt viele Gespräche mit Bezugspersonen, «um das auch richtig einzuordnen».

Die eigene Leistungsfähigkeit einschätzen

Weil die kräftezehrende Saison mit dem FC Baden, wo er zuvor während zweier Jahre spielte, lange gedauert hatte, musste Thaler auf Anraten seiner Trainer unmittelbar vor seinem ersten Trainingslager mit dem FC Aarau im vergangenen Sommer acht Tage komplett pausieren. «Deshalb bin ich die ersten zwei, drei Wochen beim FCA am Limit gelaufen», sagt er.

Es sei hart gewesen, von null auf hundert zu gehen. Noch dazu bei einem Super-League-Klub. Ganz offensichtlich ist ihm die Umstellung gelungen und er ist innert kürzester Zeit zum Stammspieler gereift. «Damit habe ich sicher nicht gerechnet, aber davon geträumt auf jeden Fall.»

Mit gezielten Trainings hat Thaler diesen Rückstand aber aufarbeiten können. Nicht selbstverständlich, dass ein 20-Jähriger die Signale seine Körpers derart gut zu deuten weiss. «Für mein Alter kenne ich meinen Körper ziemlich gut», sagt Thaler. Vor allem kennt er auch seine Schwachstellen, weil er unter einer sogenannten Haglund-Ferse leidet.

Dabei handelt es sich um eine verstärkte Verknöcherung des hinteren Sehnenansatzes der Ferse. Das sorgt durch den Druck des Schuhs dafür, dass es zu Reizungen des Schleimbeutels und der Achillessehne kommt. Thaler weiss Bescheid über das Syndrom. Er hat sich in seiner Maturarbeit an der Alten Kantonsschule Aarau eingehend mit diesem Thema befasst.

Eine alternative Zwischenlösung

Und obwohl er im 52-seitigen Werk zum Schluss gekommen ist, dass die operative Behandlung gemäss eines von ihm selber entwickelten Index für Laufsportler erfolgreicher ist, hat er sich für die sehr konservative Variante entschieden. Sprich: Die Verknöcherung bleibt bestehen, stattdessen versucht er die Folgen zu lindern – sprich den Druck auf die Ferse zu vermindern.

Dazu schneidet er jeweils ein Loch in die Ferse seines linken Schuhs. Das gibt dem Fuss den benötigten Raum. Obwohl Thaler die Verknöcherung an beiden Füssen hat, ist es nur am Linken ein Problem, das man aber mit dem Loch im Schuh lösen kann. «Das beeinträchtigt mich auf dem Feld nicht.»

Damit er nicht für alle Ewigkeit mit einem Loch im linken Schuh spielen muss, tüftelt Thaler in Zusammenarbeit mit dem Sportartikelhersteller Adidas an einem auf seine Haglund-Ferse abgestimmen Modell. Bisher ist das aber noch nicht gelungen. Dass er überhaupt an der Haglund-Ferse leidet, hat seinen Grund wohl in den Genen. Sowohl seine Mutter als auch sein Zwillingsbruder haben dieselbe Verknöcherung.

Neue Konkurrenz belebt

Einen Nachteil erwächst Thaler daraus nicht. So sieht er auch die durch die Verpflichtung von Richard Magyar neue Konkurrenz für die Innenverteidigung positiv. «Das belebt das Team. So pushen wir uns gegenseitig.» Wie von seinen bisherigen Mitspielern könne er nun auch von Magyar lernen.

«Das Ziel ist, dass wir eine stabile Verteidigung haben, egal wer spielt», sagt Thaler. «Und schliesslich entscheidet der Trainer.» Reif ist Thaler auf jeden Fall, nun will er unbedingt an Erfahrung zulegen.