Schafft Raimondo Ponte das fast Unmögliche? Rettet der Nachfolger des erfolglosen Sven Christ den FC Aarau vor dem Abstieg in die Challenge League? «Es ist eine schwierige, aber machbare Aufgabe», erklärt Ponte, der möglichst schnell den Puls der Mannschaft fühlen will. «Für mich geht es zu Beginn vor allem darum, die Spieler kennen zu lernen» fügt der bald 60-Jährige hinzu. «Das Ganze ist nämlich in erster Linie eine Kopfsache.»

Für Ponte ist es eine Rückkehr ins Brügglifeld. Der frühere Junior und aktuelle Präsident des FC Windisch zählte von 1972 bis 1974 zum Kader des FC Aarau, der damals in der Nationalliga B spielte. Nun erhält der Trainer vom FC Aarau einen Vertrag bis Saisonende und soll die Rolle des Retters in der Not spielen. Ponte wird am Dienstag zum ersten Mal mit der Mannschaft arbeiten.

Unmittelbar nach der Entlassung nimmt Sportkoordinator Urs Bachmann Stellung:

Knall beim FC Aarau Sven Christ muss gehen Raimondo Ponte kommt

Sven Christ muss gehen – Raimondo Ponte kommt

Ponte lancierte seine Trainerkarriere 1988 beim FC Baden. Nach sechs Jahren wechselte er zum FC Zürich. Im Letzigrund erlebte er ein Wechselbad der Gefühle und wurde 2000 entlassen. Nach einjähriger Tätigkeit beim FC Luzern musste er mehr und mehr unten durch. Nach einem Abenteuer beim italienischen Provinzklub Carrarese trainierte Ponte der Reihe nach den FC Wohlen, YF/Juventus, Chiasso, Bellinzona und Lugano.

Elf Runden vor Saisonende und knapp zwei Wochen vor dem Auswärtsspiel in Basel versucht Ponte nun also sein Glück beim FC Aarau. Mag sein, dass der frühere Spitzenfussballer von GC, Nottingham Forest und Bastia schon etwas in die Jahre gekommen ist.

Mag sein, dass der 34-fache Internationale bei den FCA-Fans nicht sonderlich beliebt ist. Egal: Ponte hat gegen Ende der vergangenen Saison bewiesen, dass er im Abstiegskampf bestehen kann. Er rettete den FC Sion dank einem fulminanten Schlussspurt vor dem Fall in die zweithöchste Spielklasse und wird das nun auch in Aarau versuchen.

Christs ernüchternde Bilanz

Und was ist mit Christ? Seine Zeit als Cheftrainer des FC Aarau ist nach acht Monaten abgelaufen. Der Hauptgrund liegt auf der Hand. Die Bilanz ist ernüchternd: Aus 25 Spielen resultierten lediglich drei Siege, zehn Unentschieden und zwölf Niederlagen. Christ hat den Fehler gemacht, den viele Trainer beim Einstieg in den Profifussball machen.

GC Zürich - FC Aarau 3:1 – Stimmen zum Spiel

Nach dem Spiel GC Zürich - FC Aarau: Interview mit Daniel Gygax sowie die Pressekonferenz mit den beiden Cheftrainern Sven Christ und Pierluigi Tami.

Er wollte den Job beim FC Aarau so sehr, dass er sich vor der Saison viel zu schnell mit dem vorhandenen Spielermaterial zufriedengegeben hat. Er hätte bei der FCA-Führungscrew auf Verstärkungsspieler drängen müssen. Zwei Beispiele: Der zentrale Mittelfeldspieler Artur Ionita – der Moldawier war das Rückgrat des Teams, ja so etwas wie der Fels in der Brandung – wurde nicht gleichwertig ersetzt. Und Stürmer hat man früher oder später zwar reihenweise verpflichtet, aber es waren lauter Auslaufmodelle.

An Willensstärke und Einsatz fehlte es dem FC Aarau in den vergangenen Wochen nicht. Aber die Resultate waren miserabel. Die Mannschaft war verunsichert. Sie wirkte hilflos, ratlos und war harmlos. Von Spielkultur war kaum etwas zu sehen. Von taktischem Kalkül und von Disziplin ebenfalls nicht. Wer in einem Auswärtsspiel wie gegen GC (1:3) zwei Tore nach Kontern kassiert, schlägt sich quasi selbst. Eines steht jetzt schon fest: Das wird unter Defensivpapst Ponte nicht passieren.