Am späten Abend gab es doch noch ein Quantum Trost für die gebeutelte Aarauer Seele. Denn der FC Vaduz verlor in Sion mit 0:4. Womit vier Runden vor Schluss der Rückstand des FC Aarau weiter sechs Punkte beträgt. Doch Trainer Raimondo Ponte sagt: «Solange wir nicht gewinnen, müssen wir nicht auf die anderen schauen. Solange wir nicht gewinnen, kann Vaduz alle seine Spiele verlieren, um den Klassenerhalt zu schaffen.»

Eine andere Frage als jene nach den Resultaten des FC Vaduz ist indes dringlicher: Was haben ein Chihuahua und der FC Aarau gemeinsam? Beide bellen, aber beide wollen nur spielen. Wobei nach dem 0:1 gegen die Grasshoppers das Bellen beim FC Aarau nur noch einem wehklagenden Jaulen ähnelt. Auf die Frage, was nach dem Spiel innerhalb der Mannschaft in der Kabine besprochen wurde, sagt Aaraus Torhüter Joël Mall: «Was wollen wir noch besprechen?» Oder Ponte sagte: «Ihr könnt von mir jetzt nicht erwarten, dass ich sage, es sei gelaufen.»

Klar, mathematisch ist der Klassenerhalt noch möglich. Aber nach den letzten Auftritten zu urteilen, scheint er sehr unwahrscheinlich. Womit wir wieder beim Chihuahua wären. Denn dessen eklatanteste Gemeinsamkeit mit dem FC Aarau ist die Harmlosigkeit. Punkto Wille und Leidenschaft kann man den Aarauern wie so häufig in dieser Saison nichts vorwerfen. Aber sie belohnen sich wiederholt nicht für ihren grossen Aufwand. Was hauptsächlich eine Frage der Qualität ist.

Der Siegtreffer von Dabbur zum 1:0-Sieg von GC in Aarau

Der Siegtreffer von Dabbur zum 1:0-Sieg von GC in Aarau

Zu vielen Chancen ist der FC Aarau in dieser eher unappetitlichen Partie nicht gekommen. Captain Sandro Burki (19.) hatte eine. Aber sein Kopfball war eher eine Rückgabe. Später kam Stephan Andrist (35.) zu einer Möglichkeit. Aber ihm fehlte der Mut, weshalb sein Volley eher den Charakter einer Vorlage statt eines Torschusses hatte. In der zweiten Halbzeit, als sich die Grasshoppers auf die Verteidigung ihres Vorsprungs konzentrierten, erarbeitete sich der FC Aarau gar keine Chance mehr.

Mit dem Vorwurf der Harmlosigkeit konfrontiert, sagt Ponte: «Ja, im Abschluss waren wir zu harmlos. Uns fehlen Effizienz, Kaltblütigkeit und wir spielen nicht schnell genug. Natürlich hat das alles mit der Qualität zu tun.»

Sandro Burki über das 0:1

Sandro Burki über das 0:1

Auch wenn Ponte festhält, dass GC in der Defensive gut gestanden ist: Unantastbar war der Rekordmeister selbst für den FC Aarau nicht. Eigentlich konnten sich die Zürcher darauf beschränken, auf Fehler des Gegners zu warten. Das waren zwar nicht viele, aber einer zu viel. Es war ausgerechnet der langjährige Hopper Frank Feltscher, der in der Startphase den Gegentreffer einleitete. Und das von der gegnerischen Grundlinie aus. Sein Rückpass in den Rücken aller offensiv ausgerichteten Aarauer wurde zum Rohrkrepierer. Juan Pablo Garat gelang es erst 18 Meter vor dem Tor, den GC-Konter mittels Foul an Yoric Ravet zu stoppen. Caios Freistoss wurde von Nganga zwar mit der Hand abgewehrt, doch das kümmert Munas Dabbur nicht. Der Israeli erzielte seinen 12. Meisterschaftstreffer.

Trotzdem: GC war bieder, phasenweise sogar selbstgefällig. Weshalb nach dem 1:0 der komische Eindruck entstand, als würden eher die Zürcher als die harm- und hilflosen Aarauer auf 1:1 spielen. Doch der Sieger hat immer recht. Erst recht, wenn sich der Sieger wie in diesem Fall den definitiven Klassenerhalt sichert.

Raimondo Ponte blieb indes nichts anderes übrig, als das zu sagen, was er nach den letzten Partien immer wieder gesagt hat: «Ich bin enttäuscht, aber ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen, weil sie alles versucht hat.» Selbst Pontes Dreifachwechsel in der 67. Minute verpuffte am Samstagabend ohne Wirkung.

Telegramm:

Aarau - Grasshoppers 0:1 (0:1)

5104 Zuschauer. - SR Studer. - Tor: 5. Dabbur 0:1.

Aarau: Mall; Nganga, Jäckle, Garat, Jaggy; Burki, Lüscher (67. Costanzo); Andrist (67. Gygax), Radice (67. Senger), Feltscher; Sliskovic.

Grasshoppers: Vasic; Lang, Wüthrich, Grichting, Lüthi; Vadocz, Dingsdag; Ravet (80. Ben Khalifa), Fedele, Caio (73. Ngamukol); Dabbur (60. Tarashaj).

Bemerkungen: Aarau ohne Djuric, Gauracs (beide verletzt) und Thaler (gesperrt), Grasshoppers ohne Abrashi, Pavlovic (beide verletzt) und Gülen (gesperrt). Verwarnungen: 27. Wüthrich. 52. Grichting. 73. Costanzo (im nächsten Spiel gesperrt). 81. Garat (alle wegen Fouls).

Matchtracker: FC Aarau - FC Luzern 03.05.15

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