FC Aarau

Hardcore-Fans kehren ins Stadion zurück – St. Galler bleiben bei Boykott

Fans des FC Aarau feuern ihre Mannschaft an – das werden auch jene der Szene Aarau heute gegen St. Gallen wieder tun.

Fans des FC Aarau feuern ihre Mannschaft an – das werden auch jene der Szene Aarau heute gegen St. Gallen wieder tun.

Beim Heimspiel des FC Aarau gegen den FC St. Gallen werden die Fussballfans der Szene Aarau heute Sonntag ihrem Team wieder im Brügglifeld dem Rücken stärken. Das kommt nicht von ungefähr. Die St. Galler Fans wollen dem Match dagegen fernbleiben.

Wer kommt, wer kommt nicht? Das ist die Frage vor dem heutigen Meisterschaftsspiel zwischen dem FC Aarau und dem FC St. Gallen (16 Uhr, Stadion Brügglifeld). Denn: Die Ausgangslage bei den Fans ist speziell. Im Grunde geht es um zwei Boykotte: Einer, der endet, und einer, der erst richtig beginnen soll.

Die Anhänger der Szene Aarau waren vor drei Wochen nicht zum Heimspiel gegen Vaduz erschienen. Das war eine Reaktion: Zuvor hatten Klub, Polizei und Kanton gemeinsam darüber informiert, die Sicherheitsvorkehrungen zu verschärfen.

So wollen der FC Aarau und die Kantonspolizei künftig gegen Chaoten vorgehen.

So wollen der FC Aarau und die Kantonspolizei künftig gegen Chaoten vorgehen.

Diese Mitteilung kam in der Szene Aarau nicht gut an. Sie fühlten sich pauschal verurteilt und von der Vereinsführung «unter Generalverdacht» gestellt. Mit dem Boykott wollte sie «ein Zeichen setzen».

Die Auswärtsspiele in Luzern, Zürich und Sion fanden wie gewohnt mit den eingefleischten Fans statt. Und jetzt ist klar: Heute werden sie ihren FCA auch zu Hause wieder unterstützen. Das schreibt die Szene Aarau in einer online publizierten Mitteilung.

Vertreter der Vereinsführung und der Szene Aarau hätten sich «vergangene Woche zu einer Aussprache getroffen», heisst es darin. Der Klub habe dabei betont, dass er hinter der «Szene» stehe und ihre Unterstützung schätze.

Er habe zudem festgehalten, dass seine Aussagen «nicht gegen die Fanszene gerichtet waren, sondern gegen gewaltbereite Zuschauer, unabhängig deren Herkunft».

Beide Parteien «distanzieren sich gemeinsam von Gewalt an Fussballspielen». Dank einer «verbesserten Kommunikation und gegenseitigem Respekt» soll in Aarau künftig eine «gewaltfreie, farbenfrohe und lautstarke Fanszene gefördert» werden.

Fahnen, Pyros und viel Rauch: So präsentiert sich die «Szene Aarau» mit ihren Choreos im Internet. Das Video zeigt die Choreo vom Spiel gegen den FC Luzern am 29.11.14.

Fahnen, Pyros und viel Rauch: So präsentiert sich die «Szene Aarau» mit ihren Choreos im Internet. Das Video zeigt die Choreo vom Spiel gegen den FC Luzern am 29.11.14.

Zu Hause bleiben wollen heute dagegen die Gästefans aus St. Gallen. Auch sie richten sich mit ihrem Boykott gegen den FCA – jedoch aus anderen Gründen.

Ihnen kostet einerseits das Ticket von 27 Franken mindestens zwei Franken zu viel, anderseits sei «über die Vorkommnisse am letzten Spiel vermutlich noch nicht genügend Gras gewachsen», wie der Dachverband der St. Galler Fans schreibt.

Gemeint ist die Partie in Aarau vom vergangenen Oktober. Schon damals wollten die St. Galler das Spiel wegen der Ticketpreise boykottieren. Trotzdem reiste eine grosse Gruppe an, blieb vor dem Stadion, zog in die Innenstadt und lieferte sich Scharmützel vor dem Stammpub der FCA-Fans.

18. Oktober 2014: Scharmützel zwischen St. Galler Fans und der Polizei

Scharmützel zwischen St. Galler Fans und der Polizei in Aarau (Oktober 2014)

Zwei St. Galler wurden verhaftet. Aktuell liefen vier Verfahren, zudem seien elf Stadion- und Rayonverbote ausgesprochen worden, schreibt das «St. Galler Tagblatt». Laut den FCSG-Fans «zu Unrecht» und «mittels willkürlich ausgelegter Paragrafen». Der Dachverband will diesmal einen friedlichen Boykott – und lädt seine Anhänger ins eigene Lokal in St. Gallen.

Spielen der St. Galler Boykott und die Rückkehr der Aarauer Fans eine Rolle in der Vorbereitung des FCA-Sicherheitschefs Thomas Gloor? «Jein», sagt er. «Ich glaube erst, dass die St. Galler Fans nicht kommen, wenn sie dann nicht da sind.»

Einzelne reisten im Normalfall doch an. Wenn «die Hauptmasse» ausbleibe, werde die Arbeit eine andere sein. «Aber grundsätzlich fahren wir mit dem Standardprozedere.» Gloor freut sich vor allem, dass man sich mit der Szene Aarau aussprechen konnte: «Es ist gut, dass unsere Fans wieder kommen.»

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