Hängende Köpfe und enttäuschte Gesichter prägten die Katakomben des Stadions Brügglifeld am frühen Samstagabend. Soeben hatte Schiedsrichter Pascal Erlachner die Partie des FC Aarau gegen den FC Chiasso abgepfiffen. 1:1 lautete das Endergebnis nach einem Spiel, das die Aarauer durchaus hätten gewinnen können.

«Das ist extrem bitter. Wir haben uns so viel vorgenommen», sagte Innenverteidiger Marco Thaler. Sein Gesichtsausdruck sprach Bände, seine Enttäuschung war förmlich greifbar.

FC Aarau - FC Chiasso 1:1 (07.11.2015, Runde 15) Stimmen zum Spiel

FC Aarau - FC Chiasso 1:1: Interviews mit Marco Thaler sowie Cheftrainer Marco Schällibaum

Dabei hatte gerade die Defensive gegen Chiasso über weite Strecken überzeugt und einen guten Job gemacht. Im speziellen die beiden Innenverteidiger Juan Pablo Garat und Thaler.

Und das, nachdem der FCA in den beiden Partien gegen Lausanne (0:3) und Biel (1:3) den Status der besten Verteidigung der Challenge League verloren hatte. Trotzdem war Thalers Frust problemlos nachvollziehbar: «Schlussendlich ist das eine Gegentor eben doch eines zu viel», sagte der 21-Jährige.

Kommt hinzu, dass der Ausgleich der Tessiner in seiner Entstehung überhaupt nicht zwingend war. Zuerst hob Aussenverteidiger Bruno Martignoni völlig unnötig ein Offside auf. Hätte er das Aufrücken seiner Teamkollegen nicht verschlafen, wäre Chiasso-Flügel Alessandro Ciarrocchi vom Schiedsrichter zurückgepfiffen worden. So aber resultierte aus dieser Aktion der folgenschwere Eckball, den Simon Laner mit dem Ausgleichstreffer abschloss. «Bei diesem Eckball waren wir einfach zu weit weg von den Gegenspielern. Das darf uns nicht passieren», ärgerte sich auch Captain Sandro Burki.

Vom Torjubel ins Spital: Nach dem Kopfball-Treffer gegen Chiasso im November 2015 bleibt Petar Sliskovic im Goal liegen.

Vom Torjubel ins Spital: Nach dem Kopfball-Treffer für Aarau bleibt Petar Sliskovic im Goal liegen.

Die Handschrift Schällibaums

Aber allem Ärger und aller Enttäuschung zum Trotz, gab es am Samstag auch viele positive Anzeichen zu beobachten. Der FC Aarau dominierte die Partie, kombinierte phasenweise sehr sehenswert und kam auch zu mehreren guten Torchancen. «Natürlich läuft es nun besser als im bisherigen Saisonverlauf. Von der Art und Weise unseres Auftritts war das ein gutes Spiel. Aber dann will man eben auch die drei Punkte holen», sagte Burki.

Die Handschrift des neuen Trainers ist auf dem Rasen immer deutlicher ersichtlich. Das sieht auch Marco Schällibaum selber so: «So stelle ich mir das vor. Das dominante Auftreten, das Zweikampfverhalten, das Spiel nach vorne mit ein, zwei Ballkontakten. Das hat meine Mannschaft sehr gut gemacht.» Dass seine Spieler nach der Partie enttäuscht waren, wertet der 53-Jährige als gutes Zeichen: «Das ist gut so. Wir haben mehr gewollt und das äussert sich dann eben so. Für den Aufwand, den wir betrieben haben, ist das Unentschieden sicher zu wenig. Aber: Ein Punkt ist ein Punkt», sagte er. Dass sein Team nicht gewann – und stattdessen das insgesamt achte Unentschieden der laufenden Saison verbuchte – ist für Schällibaum nicht mehr als ein Wermutstropfen.

Auch Michael Perrier versuchte sofort, die Enttäuschung abzulegen und blickte optimistisch auf die noch anstehenden Partien bis zur Winterpause (siehe Box): «Wir müssen diese kleinen Fehler abstellen. Daran müssen wir arbeiten. Aber wir haben gut gespielt und deshalb bin ich sicher, dass wir in den kommenden Spielen auch wieder siegen werden», sagte der 26-Jährige, der auf der Doppelsechs neben Burki keinem Zweikampf aus dem Weg gegangen war.

Sliskovic übernachtete im Spital

Leichte Entwarnung gibt es bei Petar Sliskovic. Der kroatische Stürmer hatte nur wenige Minuten nach seinem ersten Saisontreffer benommen ausgewechselt werden müssen und verbrachte die Nacht auf Sonntag zur Kontrolle im Spital. Glücklicherweise erhärteten sich die schlimmsten Befürchtungen nicht. Der 24-Jährige erlitt beim Zusammenprall während seines Kopfballs zum zwischenzeitlichen 1:0 eine leichte Gehirnerschütterung und sollte nach ein paar Tagen Erholung wieder voll ins Mannschaftstraining einsteigen können.

Dieses Foto hat FCA-Stürmer Petar Sliskovic am Samstagabend auf Instagram gepostet.

Dieses Foto hat FCA-Stürmer Petar Sliskovic am Samstagabend auf Instagram gepostet.

Während der nun anstehenden knapp zweiwöchigen Nationalmannschaftspause kann sich Sliskovic die nötige Zeit zur vollständigen Genesung sicherlich ohne Druck lassen. Ganz ohne Ernstkampf wird der FCA in diesen zwei Wochen allerdings nicht bleiben: Am kommenden Donnerstag steht ein Testspiel gegen den Super-League-Klub FC Vaduz auf dem Programm. Die Partie im Rheinparkstadion wird um 15 Uhr angepfiffen.