Wenn es darum geht, gewaltbereite Fans zu identifizieren, sollen nicht nur Polizei, Sicherheitsdienst und FC-Aarau-Verantwortliche ihren Beitrag leisten. Angesichts der stetig steigenden Sicherheitskosten ruft der FCA in einer Mitteilung auch Spiel-besucher zur Mitarbeit auf. «Zuschauerinnen und Zuschauer werden ausdrücklich gebeten, Straftaten zu
dokumentieren und der Polizei oder dem FC Aarau zu melden, damit die fehlbaren Personen identifiziert und zur Rechenschaft gezogen werden können.» Im Klartext ruft der Club also die Zuschauer auf, fehlbare Fans zu filmen oder zu fotografieren und das Material danach der Polizei zur Verfügung zu stellen.

Fans sollen Fans verpfeifen

Dabei geht es dem Fussballclub nicht nur um Ausschreitungen und Schlägereien. Problematisch sei auch «das Abfeuern von pyrotechnischem Material, auch wenn dies von vielen Fans nach wie vor als Kavaliersdelikt betrachtet wird». Tatsächlich koste aber «das Abfeuern von zehn Fackeln im Heimsektor den FC Aarau zum jetzigen Zeitpunkt der Saison eine Busse in der Höhe von 8000 Franken», hält der FCA fest.

FC Aarau ruft Fans auf, Krawallmacher zu filmen – das sagt der eidgenössische Datenschützer Hanspeter Thür.

FC Aarau ruft Fans auf, Krawallmacher zu filmen – das sagt der eidgenössische Datenschützer Hanspeter Thür.

Wie reagieren die Fanclubs, der Fanbeauftragte des Vereins und der Sicherheitschef des FC Aarau auf den Aufruf, dass Matchbesucher sich als Hilfssheriffs engagieren sollen? Die entsprechenden Anfragen der az an die Fanorganisation Szene Aarau, den Fanbeauftragten Benji Zumstein und Sicherheitschef Thomas Gloor blieben allesamt unbeantwortet.

Fanclub-Präsident skeptisch

Auf der Website der Szene Aarau findet sich keine konkrete Stellungnahme zu diesem Thema. Die Trägerschaft der Szene Aarau, die Fangruppierungen Amigos und Ferox, distanzieren sich aber ausdrücklich von gewalttätigen Handlungen. Die Amigos kritisieren hingegen «übertriebene Videoaufnahmen und willkürliche Stadionverbote».

Thomas Studer, Präsident des Fanclubs FC Aarau 1981, begrüsst den Aufruf grundsätzlich. «Es ist sicher gut, wenn randalierende Fans und Hooligans, die Pyros zünden, identifiziert werden», sagt er. «Ich weiss auch nicht, ob ich persönlich den Mut hätte, einen Fan zu filmen, der Pyros abbrennt», räumt er ein. Dies könne zu heiklen Situationen führen, «wenn zum Beispiel ein Fan nicht gefilmt werden will und sich handgreiflich wehrt, kann es zu Gewaltakten kommen», sagt Studer.

«Chaoten aus dem Stadion»

«Ich erwarte von den Fans, dass sie bei der Identifikation jener helfen, die sich nicht an die Regeln halten», sagt FC-Aarau-Präsident Alfred Schmid. Nicht umsonst werde der FCA als eine grosse Familie bezeichnet. «Alle sollen dabei helfen, die Chaoten aus dem Stadion rauszubringen», fordert der Präsident.

Fahnen, Pyros und viel Rauch: So präsentiert sich die «Szene Aarau» mit ihren Choreos im Internet. Das Video zeigt die Choreo vom Spiel gegen den FC Luzern am 29.11.14.

Fahnen, Pyros und viel Rauch: So präsentiert sich die «Szene Aarau» mit ihren Choreos im Internet. Das Video zeigt die Choreo vom Spiel gegen den FC Luzern am 29.11.14.

Regierungsrat Urs Hofmann sagt, es gehe nicht darum, die Zuschauer zu Hilfspolizisten zu machen. Der Aufruf ziele nicht darauf ab, möglichst viele Videos und Bilder von Privatleuten zu erhalten. «Wir fordern die Fans vielmehr auf, sich von gewalttätigen Personen zu distanzieren und diese nicht in Schutz zu nehmen.» Wer Gewalttäter in den eigenen Reihen dulde, sei letztlich mitverantwortlich für die Eskalation bei Fussballspielen. «Die grosse Mehrheit der Fans verhält sich korrekt. Sie sollen den Chaoten klarmachen, dass sie nichts mit ihnen zu tun haben wollen, etwa indem sie ihre Beobachtungen den Klubverantwortlichen weitergeben», sagt Hofmann. 

Polizei macht eigene Videos

«Wir greifen primär auf professionelle Videoanlagen im Stadion oder am Bahnhof zurück, um Straftäter zu identifizieren», sagt Michael Leupold, Kommandant der Aargauer Kantonspolizei. Dazu käme das Filmmaterial, das Kapo-Mitarbeiter vor Ort machen. Deshalb würden Fotos und Videos von Privatpersonen bei den Ermittlungen der Kapo eher eine untergeordnete Rolle spielen.

So wollen der FC Aarau und die Kantonspolizei künftig gegen Chaoten vorgehen.

So wollen der FC Aarau und die Kantonspolizei künftig gegen Chaoten vorgehen.