Swen König treibt seine Torhüter immer wieder an. Gibt Anweisungen, lobt sie und übt auch die nötige Kritik an ihnen. Zeigt ihnen auch immer wieder selber vor, was er genau meint. Stammtorhüter Joël Mall und Ersatztorhüter Ulisse Pelloni versuchen, es bestmöglich umzusetzen. Das Torhüter-Duo des FC Aarau wird seit dem Sommer von König trainiert. Bei der Arbeit auf dem Fussballplatz hinterlässt er einen konzentrierten und sehr engagierten Eindruck.

«Der Prozess ist während 6 Monaten gereift und meine klare Idee vom Goalietraining stand. Dann ging es schnell und ich war schon mitten in der neuen Arbeit. Die Umstellung ist mir ziemlich gut gelungen.» Dass er mit einem Grossteil des aktuellen FCA-Kaders bereits als Spieler zusammengespielt hat, ist für ihn kein Problem. «Weil ich schon während meiner Aktivzeit weder der Pausenclown noch der Polizist war, muss ich mich auch in meiner neuen Funktion nicht speziell vom Team abgrenzen. Der gegenseitige Respekt ist da», sagt er. «Natürlich gibt es noch Dinge, die mir fehlen. Hauptsächlich ist es das Kabinenleben mit der Mannschaft.»

Nicht viel Raum für anderes

Zwei Gegentore hat König bei seinem letzten Einsatz als Torhüter kassiert. Es war am 7. Mai des vergangenen Jahres, als er zum letzten Mal in seiner Karriere zwischen den Pfosten stand. 2:2 endete die Auswärtspartie gegen die Young Boys damals. Weil sein Spielervertrag noch bis zum Ende der laufenden Saison läuft, hat man beim FCA entschieden, seine Lizenz für den Fall der Fälle zu behalten. Und tatsächlich sass er im Cup-Achtelfinal gegen den FC Luzern (2:1) Ende Oktober auf der Ersatzbank, weil Mall krankheitshalber fehlte. «Das ist eine gute Lösung, so konnten wir uns eine allfällige Verpflichtung eines dritten Torhüters ersparen. Es hat nichts damit zu tun, dass ich nicht loslassen könnte. Das Ziel ist, einen Nachwuchstorhüter dahin zu bringen.»

König investiert sehr viel Zeit in den Job. «Das ist für mich aber kein Müssen, ich liebe meine Arbeit», sagt er. Neben dem Goalie-Duo der ersten Mannschaft ist er auch für diejenigen im Nachwuchs zuständig. Im kommenden April stehen die Abschlussprüfungen für das dritte und höchste Goalie-Trainer-Diplom an. Es warten also noch mehr Stunden an Arbeitsaufwand auf ihn. Dass deswegen aber weder seine Ehefrau Nathalie noch sein dreieinhalb Monate alter Sohn Jordi zu kurz kommen ist ihm wichtig. «Spätestens seit der Geburt von Jordi gibt es in meinem Leben zwei Prioritäten: Job und Familie. Daneben bleibt nicht viel Raum für anderes.»

Alles hat gestimmt

In seiner letzten Saison als aktiver Goalie hatte König einen schweren Stand. Zuerst musste er Mall den Vortritt als Nummer 1 lassen und als sich dieser während der Winterpause eine Verletzung zuzog, wurde ihm Lars Unnerstall vor die Nase gesetzt. Dass er im vergangenen Sommer das Job-Angebot des FC Aarau als Goalietrainer angenommen hat, habe damit aber nichts zu tun. «Als sich mir diese Gelegenheit geboten hat, wusste ich, dass ich zupacken muss. Es hat einfach alles gestimmt», sagt er rückblickend.

König bereut den Entscheid nicht. «Ich habe auch schon als Aktiver im Training sehr viel hinterfragt. Deshalb habe ich meine Zukunft schon in diesem Bereich gesehen.» Er profitiert in seinem neuen Amt sehr stark von seiner Karriere, die ihn zu verschiedensten Klubs und in verschiedenste Situationen geführt hat. Das kommt ihm heute zu Gute. «Ich kann sehr gut auf meine Goalies eingehen, weil ich die Situationen, in denen sie sich befinden aus eigener Erfahrung kenne.»

Noch immer Luft nach oben

Auch beim FCA dürfte man den Entscheid nicht bereuen. Der 23-jährige Stammtorhüter Mall hat auf die laufende Saison hin merklich Fortschritte gemacht. Dasselbe gilt auch für den 20-jährigen Ersatz- und Cup-Torhüter Pelloni. Vieles deutet darauf hin, dass das zu einem grossen Anteil Königs Verdienst ist. «Natürlich arbeiten wir jeden Tag zusammen, aber schlussendlich sind sie es, die dank ihres Willens und ihres Einsatzes besser werden.» Bei beiden sieht König aber auch noch Luft nach oben. «Wir haben die erste Etappe geschafft. Das ist ein guter Anfang, mehr nicht – und das gilt nicht nur für die beiden, sondern auch für mich.»

König hat noch viel vor und strebt mit viel Enthusiasmus auch bei sich selbst Fortschritte an. Nun steht die zweite Etappe an, sowohl bei ihm, als auch bei seinen beiden Schützlingen.