Ultima Ratio entscheidet der FC Aarau, seinen Trainer Sven Christ zu entlassen. Man hätte sich diesen Entscheid auch früher vorstellen können. Beispielsweise nach dem 0:4 in Luzern. Doch Christ hat nach jener desaströsen Vorstellung nochmals vier Spiele erhalten. Vier Spiele notabene, in denen mehr drin gelegen wäre als zwei Unentschieden.

Christ bleibt als arbeitsamer, ehrlicher, nahbarer und teamorientierter Trainer in Erinnerung. Aber in gewisser Weise auch als Sozialromantiker. Er wollte dem Publikum auch dann noch gepflegten Offensiv-Fussball bieten, als es weder die Platzverhältnisse noch die mentale Verfassung seiner Spieler zugelassen haben. Die Folge war: Der FC Aarau sah selten richtig schlecht aus. Aber er hinterliess insbesondere in den letzten Wochen auch nur selten den Eindruck, mit letzter Konsequenz um den Klassenerhalt zu kämpfen.

Knall beim FC Aarau Sven Christ muss gehen Raimondo Ponte kommt

Knall beim FC Aarau Sven Christ muss gehen Raimondo Ponte kommt – das sagt Sportchef Urs Bachmann.

Der FC Aarau, der sich noch immer auf dem Weg zur Professionalisierung befindet, braucht eben deshalb einen unbequemen Trainer. Christ indes war gegenüber seinen Vorgesetzten wohl zu brav, wenn es um die Kaderzusammenstellung ging. Oder er ist einem grossen Irrtum unterlegen. Nämlich, dass diese Mannschaft vollumfänglich tauglich ist für den Abstiegskampf.

Mit Raimondo Ponte kommt nun quasi der Gegenentwurf zu Christ. Ein Pragmatiker durch und durch. Ein Trainer aus der analogen Welt. Ein Trainer italienischer Prägung, dem die defensive Organisation so heilig ist wie das Kruzifix. Einer, der von Spieltag zu Spieltag lebt. Einer, der dem nackten Resultat alles unterordnet. Das ist in der jetzigen Situation, wo sich nur noch der FC Luzern als Spielkamerad im Abstiegskampf anbietet, der richtige Ansatz.

Aber der schlaue Ponte ist nicht nur der grummlige Typ, als der er nach aussen häufig wirkt. Nein, er ist ein sensibler Mensch, der ein grosses Herz für seine Spieler hat. Legendär bleibt, wie er als FCZ-Trainer den jungen Burundier Shabani Nonda bei sich zu Hause einquartiert hat. Legendär bleiben aber auch die emotionalen Ausbrüche des Süditalieners.

Ponte ist die richtige Wahl, wenn es darum geht, Blockaden zu lösen und dem Team einen resultatorientierten Fussball einzutrichtern. Aber ob Ponte die richtige Wahl ist, um beim FC Aarau nachhaltig etwas aufzubauen, ist fraglich. Doch darum geht es jetzt auch nicht. Ponte soll den Klassenerhalt schaffen. Nicht mehr und nicht weniger. Und das Wie ist auch nicht relevant. Aber wenn es Ponte nicht schafft, muss sich die Führung mit der Frage konfrontieren: Warum nur hat man Christ so lange gewähren lassen?

GC Zürich - FC Aarau 3:1 – Stimmen zum Spiel

Nach dem Spiel GC-FCA: Interview mit Daniel Gygax sowie die Pressekonferenz mit den beiden Cheftrainern Sven Christ und Pierluigi Tami.