Der letzte Sieg des FC Aarau? 3:2 am 5. Oktober. Gegen wen? Gegen YB. Den heutigen Gegner. Ein gutes Omen? Vielleicht. Allein, dass man sich schon an Omen klammert, zeigt auf, in welch kritischer Situation sich der FC Aarau im zweiten Jahr nach dem Aufstieg befindet.

Der Trainer: Sven Christ hat mit dem Wechsel von Baden zum FC Aarau drei Schritte auf einmal genommen. Das allein disqualifiziert ihn indes nicht. Nein, Christ hat die Fähigkeit, den Willen und das Arbeitsethos, um mal ein grosser Trainer zu werden. Häufig, wenn ein Trainer seine erste Chance auf Profiniveau erhält, ist die Angst vor einer Entlassung ein latenter Begleiter. Das kann dazu führen, dass der Trainer einmal zu viel den Wünschen seiner Bosse entspricht und dabei die eigenen Ansprüche hinten anstellt.

Christ ist ein echter Sportsmann. Nie hat er den Schiedsrichter oder äussere Umstände für eine Niederlage verantwortlich gemacht. Das verdient Respekt. Trotzdem ist seine Kommunikation, seine Aussendarstellung, verbesserungswürdig. Noch geniesst der 41-Jährige das Vertrauen der Vereinsführung. Aber klar ist: Sollte der FC Aarau gegen YB und am Samstag darauf gegen GC verlieren, wird während der Länderspiel-Pause der Trainer gewechselt.

Enttäuschende Neuzugänge

Der verhinderte Spielmacher: Königstransfer. Retter in der Not. Selten wurde ein Transfer in Aarau so euphorisch bejubelt wie jener von Moreno Costanzo während der Winterpause. Schliesslich prophezeite man ihm einst eine grosse Karriere im Ausland und in der Nationalmannschaft. Doch nun, mit 27 Jahren, ist Costanzo ein gewöhnlicher Super-League-Spieler geworden. Zwar noch immer einer mit viel Gefühl im Fuss und einer herausragenden Schusstechnik. Aber selten einer mit grossem Einfluss aufs Spiel.

Ein Stürmertrainer für den FC Aarau: Das sagt Sportchef Urs Bachmann dazu.

Ein Stürmertrainer für den FC Aarau: Das sagt Sportchef Urs Bachmann dazu.

Es gibt einige Indizien, welche die These vom Königstransfer widerlegen. Allein schon, dass Costanzo in den beiden Partien gegen seinen Ex-Klub YB nicht auflaufen darf, weil die Berner dem Leihgeschäft sonst nicht zugestimmt hätten, wirkt befremdend. Kommt dazu, dass Costanzos Leistungen für den FC Aarau alles andere als berauschend waren. Was irgendwie verständlich ist.

Erstens: Es ist riskant, von einem Spieler, der nicht mit breiter Brust nach Aarau kommt, eine tragende Rolle zu erwarten (siehe auch Petar Sliskovic). Zweitens: Wer von YB zu Aarau wechselt, muss erst den Kulturschock verarbeiten. Schliesslich ist die Welt, in der sich der Fussballer bewegt, plötzlich nicht mehr so glamourös. Auch das kann am Selbstwertgefühl nagen. Drittens: Costanzo ist nur ein Mehrwert, wenn die Mannschaft konstruktiven Fussball spielt. Nur war das auf dem Brügglifeld-Rasen bis dato kaum möglich.

Falsche Transferpolitik?

Die Transfers: Dusan Djuric, Frank Feltscher, Moreno Costanzo, Daniel Gygax, Stephan Andrist, Kim Jaggy, Sandro Wieser, Frano Mlinar, Petar Sliskovic, Edgars Gauracs. Sie alle waren schon in Klubs engagiert, die mehr Sexappeal verströmen als der FC Aarau. Sie alle haben einen Namen. In Aarau sind sie gestrandet, weil irgendwo, irgendwann etwas falsch gelaufen ist in ihrer Karriere.

Der FC Aarau hatte mit den Verpflichtungen von Davide Callà und Shkelzen Gashi Volltreffer gelandet. Beide standen auf dem Abstellgleis. Beide sind in Aarau nochmals durchgestartet. Deshalb das Gedankenspiel: Was bei Callà und Gashi funktionierte, sollte doch auch bei einem Gygax oder Feltscher klappen. Nur ist da ein Unterschied: Als Gashi und Callà kamen, spielte der FC Aarau noch in der Challenge League.

Aaraus Transferpolitik erweckt den Eindruck, als würde man sich vornehmlich aus der immer gleichen Schublade bedienen. Doch Transfers funktionieren nicht auf festgefahrenen Pfaden. Es sollten beispielsweise mehr Spieler aus der Challenge League verpflichtet werden, für die der FC Aarau ein Karrieresprung bedeutet. Aber auch Spieler, deren jüngste Vergangenheit nicht von Rückschlägen geprägt ist.

Löst Regtop die Blockaden?

Der Stürmertrainer: Da ist er nun, der neue Hoffnungsträger: Erik Regtop, 27, Holländer, von Beruf Logistiker, wohnhaft in Vorarlberg. Allein, dass der FC Aarau zu diesem Zeitpunkt einen Stürmertrainer verpflichtet, deutet auf eine Verzweiflungstat. Umso mehr, als Regtop nur an zwei Halbtagen die Woche mit den Stürmern arbeitet.

Auf den zweiten Blick könnte Erik Regtops Engagement indes Sinn machen. Auch wenn er bei den Offensivkräften Sliskovic (0 Tore), Mudrinski (0 Tore), Senger (2 Tore), Mickels (0 Tore), Gauracs (1 Tor), Feltscher (0 Tore) und Gygax (0 Tore) den Schalter nicht gleich umlegen kann. Aber allein schon ein neues Gesicht kann Blockaden lösen. Ausserdem ist Regtop noch immer der offene und lebenslustige Optimist, der er schon als Spieler des FC St. Gallen war. Ein Typ, der dem FC Aarau gefehlt hat.

Die Klubleitung war clever genug, Regtops Engagement mit dem Schicksal von Christ zu verknüpfen. Sprich: Kommt ein neuer Trainer, kann er entscheiden, ob Regtop mit an Bord bleibt.