Als die Spieler und Betreuer des FC Aarau am späten Samstagnachmittag langsam am Flughafen Zürich eintreffen, steht einer etwas verloren da. «I am Richard», stellt er sich in mit dem typisch nordländischen Akzent gefärbten Englisch jedem vor, der ihn mit Handschlag begrüsst.

Gerade einmal 30 Minuten vorher hatte der zentrale Innenverteidiger Richard Magyar beim FCA einen Vertrag bis zum Sommer 2017 unterschrieben.

Ein paar wenige Stunden später bezieht der 23-Jährige zusammen mit dem zweiten Schweden in den Reihen des FCA, mit Dusan Djuric, sein Zimmer im Teamhotel. Dank Djuric ist es für den schwedisch-ungarischen Doppelbürger auch kein Kaltstart beim FCA.

Die beiden kommen nicht nur aus demselben Land, sondern haben in ihrer Heimat mit Halmstads BK auch beide für denselben Klub gespielt. Magyar trug in seinem fünften Jahr beim schwedischen Meister aus dem Jahr 2000 zuletzt die Captainbinde. Und wie Magyar hatte auch Djuric damals im Jahr 2008 nach fünf Jahren bei Halmstads BK in die Schweiz gewechselt – zum FC Zürich.

Wiedersehen mit alten Bekannten

«Natürlich spielte es in meinen Gedanken eine Rolle, dass Dusan in Aarau spielt», sagt Magyar, für den das Engagement beim FC Aarau die erste Auslandstation in seiner Profi-Karriere ist. Es helfe natürlich, bei der Eingewöhnung einen Landsmann um sich herum zu haben.

Während des Gesprächs in der Hotel-Lounge entschuldigt sich Magyar plötzlich und steht auf. Mit einem Lachen im Gesicht begrüsst er Alexander Milosevic. Der 22-jährige schwedisch-serbische Doppelbürger hat vor einer Woche von AIK Stockholm zu Besiktas Istanbul gewechselt.

Weil die Türken im selben Hotel logieren wie der FCA, kommt es zur unverhofften Begegnung. «Wir haben zusammen in der Nachwuchsnationalmannschaft gespielt», erklärt Magyar lachend. Es sei schon speziell, dass sie sich jetzt hier antreffen würden. «Wir sind schliesslich gerade in derselben Situation.»

Wobei das nicht ganz zutrifft: Die Sprache macht den Unterschied. Während sich Milosevic mit einer komplett neuen Sprache herumschlagen muss, ist Deutsch für Magyar nichts wirklich Neues. Während fünf Jahren hatte er in der Schule Deutschunterricht.

Zwar macht ihm das Schweizerdeutsche Mühe, aber mehrheitlich versteht er, was man von ihm will. «Nur mit dem Sprechen hapert es noch. Ich finde die richtigen Worte nicht.» So behilft er sich vorläufig noch mit Englisch oder Dolmetscher Djuric.

Der nächste Karriereschritt

«Die letzten Tage waren ziemlich hektisch», sagt Magyar, der vor einer Woche für einen Tag in Aarau weilte, um sich ein Bild des Klubs zu machen. Und was er sah, hat ihm gefallen. «Ich habe bereits im Vorfeld nur Gutes vom FC Aarau gehört. Das Gespräch mit dem Trainer war sehr positiv. Die Schweizer Liga hat einen guten Ruf, das familiäre Umfeld und der enge Zusammenhalt im Klub stimmen für mich», sagt er.

Nachdem er vor drei Jahren ein Angebot aus der Serie B noch ausgeschlagen hat, fühlt er sich nun bereit, den nächsten Karriereschritt zu machen. Dass er deshalb auf die Nähe zu seiner Freundin, seinen Eltern und seinen drei Schwestern verzichten muss, nimmt er in Kauf.

Dass er sich nun neu einordnen und beweisen muss, ist für Magyar kein Problem. «Ich habe mich als Captain nicht anders verhalten. Ich bin so, wie ich bin.» Er beschreibt sich selber als absoluten Teamplayer, der alles für die Mannschaft gibt – auf und neben dem Platz.

Deshalb sei er auch bereits in seinem jungen Alter Captain bei Halmstads BK gewesen. «Ich sehe mich auch in Aarau als Leaderfigur», erklärt Magyar seine Vision. Natürlich müsse er dafür erst einmal richtig ankommen, aber die Mannschaft habe ihn bereits gut aufgenommen.

Gefallen an der Art

Dass sich der FC Aarau für die Verpflichtung Magyars entschieden hat, mag auf den ersten Blick überraschen. Trainer Sven Christ hatte nach der Hinrunde in der Super League davon gesprochen, dass er in der Verteidigung Erfahrung hinzugewinnen wolle. Sportchef Urs Bachmann erklärt die Verpflichtung Magyars so: «Er bringt trotz seines Jahrgangs Erfahrung mit. Zudem hat uns seine Art sehr gut gefallen.»

Neben Erfahrung hat Magyar aber noch etwas anderes zu bieten, das dem FCA ab und an etwas abgeht: In Schweden hat er sich als kompromissloser Verteidiger hervorgetan. 21 Verwarnungen in 120 Pflichtspielen für Halmstads BK unterstreichen diesen Ruf. «Ich spiele hart, aber nicht unfair», sagt er.

Nach dem Ende des Gesprächs macht sich Magyar auf in Richtung Hotel-Terrasse, wo er sich mit Djuric in der türkischen Nachmittagssonne zum gemeinsamen Kaffee verabredet hat.