1:3 gegen GC! Schlecht gespielt, erneut verloren! Zum 9. Mal im 14. Anlauf! Nie gewonnen seit dem 5. Oktober 2014! Seit diesem 3:2 gegen YB sind fünfeinhalb Monate verstrichen. Was nun? Während der Medienkonferenz nach dem GC-Spiel gibt sich Sven Christ zwar kämpferisch, beinahe trotzig, aber der Trainer des FC Aarau gleicht einem Häuflein Elend. «Einmal mehr», sagt der 41-Jährige mit einem Anflug von Resignation, «muss ich dem Gegner zum Sieg gratulieren».

Einmal mehr? Es klingt zynisch. Aber vielleicht ist es für Christ ein klitzekleiner Trost, dass er dem Gegner wohl zum letzten Mal zu einem Erfolg gratulieren muss. Nicht etwa, weil er ab sofort immer gewinnen wird, nein, die Zeit von Christ als Trainer des FC Aarau ist abgelaufen. Er hat versagt. Die Resultate sprechen gegen ihn.

Und wenn er in den vergangenen Wochen immer und immer wieder erklärt hat, dass es nicht um seinen Job, sondern um das Wohl des FC Aarau geht, dann sollte er jetzt zurücktreten. Christ hat vor jedem Spiel, so erklärt er zumindest, einen Plan. Mag sein. Pech nur, das die Pläne meistens in die Hosen gehen.

GC Zürich - FC Aarau 3:1 – Stimmen zum Spiel

GC Zürich - FC Aarau 3:1 – Stimmen zum Spiel

Das Team ist völlig verunsichert

An Willensstärke und Einsatz fehlte es dem FC Aarau gegen GC nicht. Aber die Mannschaft ist völlig verunsichert. Sie wirkt hilflos, ratlos und ist harmlos. Sie stolpert von einem Fehler in den andern. Von Spielkultur ist nichts zu sehen. Von taktischem Kalkül auch nicht. Wer in einem Auswärtsspiel bei zwei von drei Gegentreffern in einen Konter läuft, schlägt sich selbst.

Und wenn Christ hin und wieder vom fehlenden Glück spricht, sei auch das noch erwähnt: Der einzige Treffer des Dauerverlierers zum zwischenzeitlichen 1:1 gegen GC hätte nicht zählen dürfen. Erst stand Vorbereiter Luca Radice im Abseits, dann Torschütze Petar Sliskovic.

Die Zeit scheint abgelaufen

Die Zeit von Christ scheint also abgelaufen. Er wird als Übergangstrainer in die Geschichte des FC Aarau eingehen. Christ hat den Fehler gemacht, den viele Trainer vor dem Einstieg in den Profifussball machen. Er wollte den Job beim FC Aarau so sehr, dass er sich vor der Saison viel zu schnell mit dem vorhandenen Spielermaterial zufrieden gegeben hat.

Er hätte bei der FCA-Führungscrew auf Verstärkungsspieler drängen müssen. Zwei Beispiele: Der zentrale Mittelfeldspieler Artur Ionita – der Moldawier war das Rückgrat des Teams, ja so etwas wie der Fels in der Brandung – wurde nicht gleichwertig ersetzt. Und Stürmer hat man früher oder später zwar reihenweise verpflichtet, aber es waren lauter Auslaufmodelle.

Jetzt muss der FCA handeln

Blicken wir in die Zukunft: Will der FC Aarau eine Chance haben, den Platz in der Super League zu verteidigen, sollte er handeln. Jetzt! Elf Spiele vor Saisonende und knapp zwei Wochen vor der Auswärtspartie in Basel braucht es einen neuen Mann an der sportlichen Front. Einen Trainer, der den Turnaround schaffen kann.

Routinier Raimondo Ponte steht bereit. Mag sein, dass er schon etwas in die Jahre gekommen ist. Mag sein, dass er bei den FCA-Fans nicht erste Wahl ist. Das ist egal: Ponte hat in der vergangenen Saison bewiesen, dass er im Abstiegskampf bestehen kann. Ponte hat den FC Sion dank einem fulminanten Schlussspurt gerettet. Daran sollten sich Präsident Alfred Schmid, Sportchef Urs Bachmann und alle andern Verwaltungsratsmitglieder erinnern, wenn sie in dieser Woche über den Nachfolger von Christ diskutieren.