Mümliswil

«Flower Power» erobert das Guldental

Die ehemaligen Mümliswiler Obernarren oder eben MON machen das, was sie am besten können: Miteinander über sich und andere singen

Die ehemaligen Mümliswiler Obernarren oder eben MON machen das, was sie am besten können: Miteinander über sich und andere singen

Wahrscheinlich hätte sich am Freitagabend niemand gewundert, wenn in der Aula des Schulhauses Brühl in Mümliswil der amerikanische Sänger Scott McKenzie die Stufen heruntergestiegen wäre, «San Francisco», die Hymne der Flower-Power-Bewegung, singend.

Auf der Bühne und im Saal gab es Blumenkinder zu Hauf, mit Blumen in den Haaren und an den Kleidern und auf den Stirnbändern. Männer und Frauen allen Alters trugen ihr Haar lang oder im «Afrolook» und die meisten Hippies schauten die Welt durch grosse rosarote Brillen an.

Ein einerseits fröhliches Bild, das andererseits eine eigentümliche, fast sehnsüchtige Atmosphäre herbeizauberte. Viele mussten zweimal hinschauen, bis sie Bekannte hinter der Maskerade erkannten. An den Seitenwänden hingen riesige Blumen und auf der Bühne prangte neben einer überdimensionalen Gitarre in riesigen Lettern das Wort «Flower Power».

Pünktlich um 19.58 Uhr eröffnete Monarchin Rita Walser den MON-Cliquen-Abend. Die «Guggemusik Rohrspatzen» im Raubtierkostüm legte los mit schrägen Tönen. Moderatorin Martina Jäggi schaute zurück in die 60-er-Jahre, erklärte, worum es ursprünglich in der Flower-Power-Bewegung ging, nämlich um die Revolte gegen den Vietnam-Krieg. Sie forderte auf, statt jeweils einfach zu klatschen, dreistufige Raketen zu starten, also in drei Malen und blockmässig auf verschiedene Weisen zu applaudieren. Nach dem Abgang der Rohrspatzen und einigen Raketen war die heitere Stimmung im Saal gezündet.

Die ehemaligen MON, gemeint sind die Mümliswiler Obernarren, sangen die letzten Töne auf der Bühne, da nahten bereits, ihre blumenübersäten Besen schwingend, neun barfüssige Hexen und ein Quotenmann als musikalischer Begleiter, die «Häxechessu». Ihre Schnitzelbänke sangen sie zur 1965-er-Melodie von Drafi Deutscher «Marmor, Stein und Eisen bricht».

Die Hexen sind überzeugt, dass auch die Guldenthaler Fasnacht nicht zerbricht, obwohl es dieses Jahr keinen Obernarr gibt. Sie klärten jene, die es noch nicht wussten, darüber auf, dass Madame B. jetzt nicht mehr im Bundeshaus sei, sondern morgens um 5 Uhr im Kuhstall. Heinz Halbeisen vom «Kreuz» baten sie, doch nächstes Jahr seine hübsche Weihnachtsdekoration ohne Plastikverpackung hinzustellen.

Zehn Mädchen und junge Frauen – die Zumbas– absolvierten darauf unter der Leitung von Ursula Gloor und Manuela Frei ihr Fitnessprogramm.

Die «Tambuure» präsentierten wie seit Jahren ein herrliches Zusammenspiel von hoher Trommelkunst und Theatervorstellung. Hier ging es um die Schule. Lehrer Bader und Schulleiterin Frau Kamer testeten die Jungen, ob sie aufsteigen können oder sitzen bleiben müssen. Eine Frage lautete: «Welche Farben haben wir im Kantonsparlament?» Antwort: «Schwarz, rot, blau, grün und den Stoll. Er hat die Farbe der Unschuld.»

Seit 20 Jahren machen die Teufelinnen und ihre Kinder «Lobiseitüüfle» mit. In immer neuen Abba-Liedern nahmen sie den inexistenten Obernarr, Paul Fluri, die Aulaküche, Kachelmann und Polanski sowie das Toi-Toi-WC auf die Schippe. Und sangen ein Lobeslied auf die Dancing Queen Marthe Jäggi.

Als Überraschung traten «s Annekäthy und s Gottliebli» auf, die soeben von einer Weltreise zurück waren. Sie weinten dem alten Gemeindelogo nach und hatten aus Afrika für den Gemeinderat eine Wahrsager-Kristallkugel mitgebracht, damit er in der Zukunft sehen könne, woher das Geld kommen könnte.

Bühnenmeister Marco kündete die «Tüpflischisser» an, die seit fünf Jahren dabei sind. Gesanglich und wörtlich anspruchsvoll präsentierten die Zwei viel Einheimisches, Schweizerisches und Europäisches. Zuletzt empfahlen sie: «Nämed chli Fasnacht mit hei!». Doch bevor es nach Hause ging, lud die Steelband Kanofetti die Guldentaler Blumenkinder in ihren faszinierenden Kostümen ein zur Polonaise und zum Träumen von der Karibik.

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