Gut versteckt unter sieben Kostümschichten - oder im Fasnachtsfrühling nur zwei - binden sie sich ein Täschli um den Bauch, schieben den Beutel ins Kreuz oder präsentieren wie die Ratsherren einen Lederbeutel als Teil des Ritterkostüms. Natürlich gibt es auch Puristen, kai Täschli, sondern alles in den Säcken, so wie der Bänggler: Schlüssel, Geld und ein Bündel Papier: «D Zeedel sin s Wichtigschte.»

Doch der Beutel, was hat es mit dem Beutel auf sich und in sich? Werbegeschenke, sportlich-wasserdichte Nike-Taschen, extra für die Fasnacht erworben und markenlose Riesendinger mit Dreifach-Reisverschlüssen - die Bauchtäschli an der Fasnacht sind so verschieden wie die Kostüme ihrer Träger. Und von denen gibt es zwei Fraktionen: Die, die im Alltag NIE so ein Unding tragen würden - und die anderen. Das hat aber keinen Einfluss auf den Täschli-Inhalt.

Und den wiederum geben nicht alle gerne Preis. «Nai, du frogsch e Frau au nit, was in ihrem Handtäschli hett», sagt der Mann zickig. Seine Kollegin von den «Waiche» ist da einiges Freizügiger: Sonnencreme, Nastücher, Handschuhe. Statt einem Regenschutz hat sie - wie noch so viele Fasnächtler - die Medis gegen Heuschnupfen eingepackt, damit beim Piccolospielen nicht plötzlich die Luft weg bleibt und die Sicht unter der Larve nicht noch schlechter wird, weil die pollengeplagten Augen tränen. Das Geld für Wysse, Waggis und Würscht aber hängt im Portemonnaie um den Hals. Das scheint Standard.

Nun traut sich auch der Mann seinen Beutelinhalt zu entblössen, zumindest teilweise: Ein Sackmesser ist drin, «nit wäg dr Klinge, wägem Korkezieher.» Sowieso steckt in den Männerbeuteln seriöses Werkzeug: Tabak, Pfeife und Stopfer - oder der silberne Flachmann.

Alles, was es zum Überleben in freier Fasnachtswildbahn halt so braucht. Und wie sieht in den Beuteln dreier Piccolospielerinnen mittleren Alters aus? Leerer als in anderen Jahren, weil es weder Handschuhe noch Mütze braucht: Sicherheitsnadeln, Schmerztabletten, Halbtax, Nastüechli, Lippenpommade, Handy und Geld. Und ein Kamm - Larven sind Frisurfeindlich. Egal ist das einer Ratsherrin: «My Täschli isch leer. Und dr Lippeschtift hani nit drbi, schön simmr denn ab em Donnschtig wiedr.» (hpa)