Vorsichtshalber haben sie sich alle mit einer Blaggedde ausgestattet. Denn sie wurden vorgewarnt und wollen nicht mit Räppli gestopft werden. Den grinsenden Waggis gut sichtbar auf der Brust tragend, sitzen die österreichischen Journalisten im Restaurant. Bevor es wieder nach draussen geht, brauchen sie eine Stärkung.

Für ihr Medium sollen sie von der Basler Fasnacht berichten. Die sieben Journalisten aus Österreich sind ein Teil der vielen Berichterstatter aus dem Ausland, die während den «drey scheenschte Dääg» zu verstehen versuchen, was jährlich tausende Basler und Zuschauer auf die Strassen treibt. «Wann geht’s denn wieder los?», fragt Gerhard Oberzill von den «Salzburger Nachrichten» und schiebt sich eine Gabel Hörnli mit Gehacktem in den Mund. Das Essen sei gar nicht so schlecht, sagt er. Nur das Apfelmus auf den Nudeln findet er ungewöhnlich.

Ihm gegenüber sitzt die Kollegin von den «Oberösterreichischen Nachrichten», Vera Achleitner. Mutig hat sie eine Ziibelewaije bestellt. «Nicht schlecht», findet sie. Vor dem Restaurant gehen ein paar Waggis vorbei, ein bisschen weiter weg ertönen wieder die Klänge einer Gugge. «Bald geht’s weiter», sagt Achleitner und leert schnell ihren Teller.

Sie sei eigentlich keine Fasnächtlerin oder Anhängerin des Faschings, wie das bei ihr in im nordösterreichischen Linz heisst. Bis auf den Faschingskrapfen, den sie liebe, ignoriere sie alles, was mit diesem Brauch zu tun habe. Trotzdem: Die Basler Fasnacht wollte sie sich nicht entgehen lassen – «da ich die Schweiz liebe», wie sie sagt –, meldete sich darum für die Pressereise an und hatte prompt Glück: Sie bekam den Platz.

Der Moorgestraich sei einmalig gewesen. Die aussergewöhnliche Stimmung habe ihr die Müdigkeit genommen. Das findet auch Gabriele Gutmann. Sie schreibt für das österreichische Magazin «Reise-aktuell». «Es ist ein ganz spezieller Moment, wenn um vier Uhr alle Lichter gleichzeitig ausgehen und nur noch die Laternen leuchten. Es ist, als ob man in eine andere Welt taucht.»

Stolz sagt Gutmann, sie habe nach dem Morgenstreich sogar eine Mehlsuppe probiert. «Sie war ganz in Ordnung – aber die von meiner Grossmutter ist besser.»

Gut vorbereitet

Die österreichischen Journalisten bekamen vor dem Morgestraich, am Sonntagabend, eine Power-Point-Präsentation vorgesetzt mit allem Wichtigen, das sie zur Basler Fasnacht wissen müssen: Historisches, der Ablauf, die Bedeutung und während der Präsentation versuchten sie, sich noch schnell all die Basler Ausdrücke zu merken – erfolglos.

Das mit dem Räppli-Stopfen ist ihnen aber geblieben. Darum richten jetzt alle nochmals ihre Blaggedde, bevor sie das Restaurant verlassen und auf den Cortège zusteuern. Angelockt von den Waggis, die von ihren Wagen herab Orangen verteilen, treten sie näher an das Geschehen heran.

Gutmann ist mit ihrer Kamera ganz vorne, versucht das perfekte Bild zu schiessen. Achleitner hat sich für eine bessere Übersicht auf eine Mauer gestellt. Der Kollege von den «Salzburger Nachrichten» ist schon irgendwo im Getümmel verloren gegangen. Und bevor sich die Österreicher versehen, bekommen sie von einem frechen Waggis eine gute Ladung Räppli ab und lernen: Auch eine Blaggedde schützt an der Basler Fasnacht nicht vor den Räppli. Denn die Waggis stopfen, wen sie stopfen wollen.