Haben wir da richtig gehört? Das «Läggerli», gespielt auf Sousaphon solo? Der Arabi in Moll auf einem Helikon, dem altertümlichen Horn, welches der ebenfalls altertümliche Soldat bläst? Und was geht ab auf dem Andreasplatz? Ja, hier groovt eine Gugge mit E-Bass, gefangen in einer Unendlich-Schlaufe einen Blues.

Zwischendurch gibt’s Solos, denen man anmerkt: Da ist ein Profi am Werk. Die Truppe heisst «The Grand Wazoo» und ist ein Tribut an Frank Zappa, den dadaistisch-genialen Komponisten der Rockszene der 70er- und 80erjahre. Ja, diese Band ist definitiv keine gewöhnliche «Gugge», und wenn schon, dann im Stile Zappas: unkonventionell.

Der Erfindungsreichtum in der Messingbranche scheint unerschöpflich. Jedes Jahr werden neue Dinge ausprobiert und tauchen neue Formationen auf. Vor ein paar Jahren war es das «Uffangbeggi für gschrandeti Muusigexischtänze», welche zum ersten Mal eine Gugge-Combo mit einem hervorragend gerappten Schnitzelbank kombinierte – super! Legendäre Auftritte gab es in der Hasenburg: Die Band schränzte von den Tischen. Es scheint aber bei einem kurzen Experiment geblieben zu sein.

Überlebt hat hingegen das Basler Fasnachtsorchester. So sind auf dem Rümelinsplatz oder im Restaurant Schlüssel plötzlich Fasnachtsmärsche, arrangiert für Piccolos, Holz- und Blechblasinstrumente sowie Akkordeons zu hören. In diesem Jahr spielten sie schön-schräg «Eine kleine Nachtmusik» von Mozart und einen Carmen-Ohrwurm. Die Komplexität der Arrangements ist freilich beschränkt strassentauglich, weil die Feinheiten und musikalischen Skurrilitäten im allgemeinen Tohuwabohu untergehen. Wer weiter als drei Meter entfernt steht, bekommt sie nicht mit. Diese Probleme hat die Band «Error 404» nicht. Die Funk-hip-Hopper spielen in einer Kleinbesetzung mit Sousaphon, drei Posaunen, zwei Trompeten und zwei Saxofone und Schlagzeug. Die Grösse machen sie mit der Tonhöhe wett: alles eine Oktave höher…

Trompeter Bodo Maier verrät: «Wir sind alle Profis.» Maier hat in Luzern studiert, arbeitet seit gut einem Jahr als freier Musiker in Basel und gibt Trompetenstunden in Stein-Säckingen. «Basel hat eine coole Musikszene, die hiesige ist lebendiger als die Zürcher.»

Ein internationaler Haufen: Der Sousaphonist (woher hat dieser schmale Wurf seine unglaubliche Kondition?) kommt aus Nîmes und studiert Tuba an der Musikakademie Basel. Zwei sind Ungaren. Die Band ist definitiv nicht mehr als Gugge einzuordnen. Ihre Verkleidung ist rudimentär, die Mäsklein minimal. Immerhin scheint ihnen jemand gesagt zu haben, dass auf der Strasse mit Larve gespielt wird. Zwei von ihnen haben an der Vorfasnachtsveranstaltung «Charivari» gespielt, ansonsten ist ihr Fasnachtsbezug sehr lose.

Die Basler Musikhochschule mit ihrer starken Bläsertradition bringt es mit sich, dass in verschiedensten Formationen Profis mittun.

Neu ist, dass man immer mehr Gruppen mit Musiknoten sieht. Die Stücke sind komplexer und die Musiker und Musikerinnen treffen sich oftmals nur wenige Wochen vor der Fasnacht zu Proben. Rein praktisch führt das zu abenteuerlichen Beleuchtungskonstruktionen, die aber dank Leuchtdioden heute kein grösseres Problem mehr darstellen. So werden leuchtende Augen zu kleinen Suchscheinwerfern.