Larven

Aus Beyelers heiligen Hallen uff d’Gass an der Basler Fasnacht

Nach der Ausstellung in der Fondation Beyeler sorgt der Künstler Thomas Schütte mit seinen Larven für die «Alti Richtig» für Aufregung. Am ersten Fasnachtstag signierte er alle Larven der Clique.

Er scheint an Basel den Narren gefressen zu haben. Kaum ist seine Ausstellung in Riehen vorbei, findet man Thomas Schüttes unheimlich-surreale Gesichter an der Fasnacht. Von Beyelers heiligen Hallen uff d’Gass, das passt zu diesem Künstler, der gerne brisante Themen aufgreift und durch seine Kunst auf soziale Missstände aufmerksam macht.

Die Idee kam dem «Braintrust» recht spät, fast zu spät. Mitte Dezember wurde der Kontakt zu Thomas Schütte hergestellt. In der Post, die nach Düsseldorf ging, lag auch ein Buch über die Fasnacht, ein Wink mit dem Zaunpfahl, dass die Fasnacht nichts mit dem deutschen Karneval zu tun hat. Dennoch fragte Thomas Schütte zunächst etwas irritiert nach, ob er denn nun für sämtliche der über 10'000 aktiven Fasnächtler eine Larve fabrizieren müsse. Die Sujetkommission gab Entwarnung und merkte noch an, Joseph Beuys habe 1978 die «Alti Richtig» auch mit Filzkostümen unterstützt und diese später zu seiner Arbeit «Feuerstätte II» verwurstet.

Roman Peter vom Larvenatelier Charivari schickte ihm ergänzend eine Anleitung, auf was er bei Larven achten müsse und nach drei Tagen Atelierklausur und einem knappen Ok nach Basel, machte sich Thomas Schütte sofort an die Arbeit. Er habe seinen Fundus durchsucht und kleine Modelle von Masken entdeckt, die ihm passend erschienen. Diese habe er rasch bearbeitet, in Silikon gegossen und sie mit dem Computer vergrössert. Eines davon hat er für Basel ausgewählt, die anderen 28 Stück habe er in Keramik herstellen lassen und kurz vor dem Cortège am Montag habe er erfahren, dass alle gut geworden seien.

Die Basler Fasnacht habe ihm also auch privaten Nutzen gebracht. Anfragen seien ihm immer willkommen, da sei es viel einfacher, zu reagieren. Folklore und Kunst seien grundsätzlich verschieden. Im Atelier auf Ideen zu warten, sei nicht das Gelbe vom Ei. Nicht nur die verzerrten Gesichter von Thomas Schütte passen zum Sujet der «Alti Richtig» «Ych lyyd vor Nyyd», sondern auch die skurrile Bemalung, die etwas Gespenstisches hat.

Katerfrühstück?

Damit man das Neid-Sujet richtig zelebrieren kann, braucht es natürlich auch eine Larve eines Künstler-Super-Stars, die auffällt und einmalig ist. Rund 35 Jahre nach Beuys’ Filzanzügen hat es die Alti Richtig, Nomen est omen – gold-richtig gemacht. Montag Nachmittag, pünktlich um 13.30 Uhr standen die richtig Alten bei der Kunsthalle bereit für den Cortège und Thomas Schütte, anachronistisch mit Wintermütze kostümiert, mischte sich unter die rund neunzig gelb gekleideten Fasnächtler. Es machte ihm offensichtlich Spass, denn er ging eine ganze Weile mit und genoss nicht nur das warme Frühlingswetter.

Ob die Clique durch diesen besonderen Effort nach dem Ändstraich bei einem Espresso einen Kassensturz machen muss, wollte das Mitglied des «Braintrust» nicht verraten. Zwar berichtete die «Tageswoche» im Februar vor einem Jahr von einem Beuys-Kostüm des Fasnachtsumzuges von 1978, das im Katalog des Auktionshauses Kornfeld in Bern mit 20'000 Franken geschätzt sei. Doch Recherchen der bz haben ergeben, dass dieses Kostüm an der Auktion nicht versteigert wurde und wieder an den Besitzer zurück gegangen ist. Ob eine Schütte Larve tatsächlich reich macht, werden wir in einigen Jahren sehen. Signiert hat er sie übrigens allen, die das wollten. Eine Wertsteigerung haben sie also schon am Montagnachmittag erfahren.

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