Fasnachts-Tribüne

Auf den Logenplätzen wird man reich beschenkt

An der Riehentorstrasse wird während der Fasnacht eine Tribüne für Menschen mit Beeinträchtigung aufgebaut.

An der Riehentorstrasse wird während der Fasnacht eine Tribüne für Menschen mit Beeinträchtigung aufgebaut.

Jedes Jahr geht die Beschäftigungsstätte der ESB Reinach mit ihrer Gruppe an die Basler Fasnacht. Die Menschen mit Beeinträchtigung dürfen den Cortège auf der Tribüne geniessen und gehen mit Taschen voller Süssigkeiten nach Hause.

Mit grossen Plastiksäcken ausgerüstet sitzen sie erwartungsvoll auf der Tribüne und freuen sich auf den Start des Cortège. Die Gruppe der Eingliederungsstätte Baselland ESB kann es kaum erwarten, bis die Guggen, Cliquen und Wagen an ihr vorbeiziehen.

«Mir göhn an d'Fasnacht», rufen sie laut und teilen den Passanten ihre Vorfreude mit.

Die ESB beschäftigt Menschen mit Beeinträchtigung. In der Beschäftigungsstätte (BS), zu der die Gruppe gehört, werden die beeinträchtigten Menschen betreut, die nicht in den Arbeitsalltag eingebunden werden können und kreativ beschäftigt werden. Der Ausflug an die Fasnacht gehört dabei zu einem ihrer Höhepunkte im Jahr.

Keiner darf verloren gehen

Mit einer Blaggedde ausgerüstet, sitzen sie auf den besten Plätzen auf der Tribüne in der Riehenstrasse. Diese ist für Menschen mit Beeinträchtigung reserviert und die Gruppe der BS besucht seit drei Jahren dort die Basler Fasnacht.

Die Organisation des Nachmittags ist keine leichte für die Betreuer. Nur schon der Weg von Reinach, wo der Sitz der ESB ist, bis in die Stadt muss gut geplant sein. Die Betreuten reisen mit einem Kleinbus an, den sie im Messeparking abstellen. «Wir mussten lange einen Parkplatz suchen, bis einer gross genug war», erklären sie die erste Aufregung des Tages.

Eine Betreuerin sagt schmunzelnd: «So lange es am Schluss wieder gleich viel sind wie zu Beginn, ist alles gut.» So zählt sie auch immer wieder die ganze Gruppe durch, dass keiner verloren geht.

Pizza und Lasagne für alle

Vollzählig gönnt sich die Gruppe vor dem Cortège ein gutes Essen im Restaurant Roma. Der Ablauf ist derselbe wie jedes Jahr – die Besitzer kennen ihre jährlichen Fasnachts-Gäste und deren Vorlieben. «Wir müssen nichts bestellen. Der Inhaber der Pizzeria fragt beim Anruf sofort ‹Pizza und Lasagne für alle?›», lacht die Betreuerin.

Nichts verpassen

Beim Essen steigt die Aufregung, was nicht nur sichtbar, sondern auch hörbar ist. Aufgeregt wird auf dem Stuhl hin und her gerutscht und alles, was draussen vor dem Fenster geschieht, lautstark kommentiert. Es darf ja nichts verpasst werden. So brechen sie dann auch bald nach dem Essen auf und sichern sich ihre Tribünen-Plätze mit guter Sicht auf den Cortège.

Als endlich die Cliquen und Wagen an der Tribüne vorbeiziehen, sind die Betreuten mit Begeisterung dabei. Sie singen die Lieder der Guggen mit, bewundern die tollen Kostüme der Waggis und die schönen Larven der Cliquen. Diese wiederum beschenken die Gruppe mit Orangen, Blumen und zahlreichen Dääfeli. Nur wenige bescheren ihr ein Räppli-Regen.

Als sich am Schluss die Reihen beim Cortège wieder lichten, packt die Gruppe stolz ihre prall mit Süssigkeiten gefüllten Taschen. Noch einmal zählt die Betreuerin die Gruppe durch: «Es sind alle da. Wir können nach Hause.»

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