Binningen

Während dem Fasnachtsumzug musste Feuerwehr ausrücken

Beim 24. Umzug gabs erstmals einen Feueralarm – ansonsten war's ein Highlight. Kinder, Jugendliche und Erwachsene waren gleichermassen auf den Strassen unterwegs.

Als sich die rund 600 aktiven Fasnächtler um 15 Uhr auf die Route vom Feuerwehrmagazin zum Kronenplatz und über die Weihermattstrasse zurück zum Ausgangspunkt begaben, war es bissig kalt geworden. Doch die Regengötter hatten entgegen den Prognosen ein Einsehen. Die Zahl der angemeldeten 48 Formationen hatte sich schliesslich auf 70 vergrössert, und so zog ein bunter, altersmässig durchmischter Tross von Wagen, Cliquen, Guggen, Schissdräckzygli und Einzelmasken durch die Zuschauermenge.

Die Fasnächtler ausserhalb von Binningen kamen meist aus den Gemeinden im Birsigtal, aus Allschwil, Basel, Aesch, Hofstetten, Reinach und Duggingen, aber ebenfalls aus Itingen, Hölstein und sogar aus dem jurassischen Undervelier. Das Spezielle an der seit 1991 bestehenden Strassenfasnacht in Binningen ist, dass am Umzug Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermassen vertreten sind und die vielen Schissdräckzygli einen Hauch Anarchie verströmen.

Margarethenstich und Sparwut

Von den Sujets, die es in Binningen zuhauf gäbe, wurden nur wenige ausgespielt. Die Pompier-Waggis hatten auf ihrem Wagen eine fahrende Gondelbahn installiert. Unter dem Motto «Mir gön in d Luft» offerierten sie eine Alternative zum umstrittenen Margarethenstich und entschieden sich bei den Gondeln für das BLT-Gelb. Oberfuuli Sieche 2.0 spielten auf die Rückweisung des Budgets und auf die Sparmassnahmen der – ach so armen – Gemeinde an: «Dr Iwohnerroot het beschlosse mit grossem Mehr, s’gitt in Binnige keini Bluemerabatte mee» und «Au wärde z’Binnige, isch das gschiggt? d’Löcher in de Schtroosse nümme gfliggt!»

Auch das fehlende Geld für den Neujahrsapéro war hier ein Thema, wie auch bei den Lasa-Waggis, die reimten: «D’Gmeind Binninge ladet i zume Alass, es wird e türe Gspass. Me derf dert gratis trinke und ässe, am Schluss die freii Kollekte nit vergässe. D Iname hei d’Chöschte ned deckt, der Himmel über dr Gemeindverwaltig isch bedeckt.» Die Basler Clochards aus Binningen erweiterten den Wahrnehmungshorizont in die Stadt und schrieben: «Alles uffrysse, Ampele uff rot, und kaine waiss, wie s wyter goot! Graabe uff und Graabe zue, Beton yyne, Beton uuse, es kaas Baudepp wyter pfuuse.»

Diszipliniertes Publikum

Auf den Wagen der Schnäggefrässer aus Biel-Benken war die Gemeindepolizei Oberwil das Sujet: «Oje, Oberwil het gli e Gmeindpolizei, immer an dr Fasnacht kriege die hoffentlig frei.» Auch die City-Schnägge Oberwil schlugen in dieselbe Kerbe: «Als Schnägge-City, das isch doch klar, müen mir au zwei Schugger ha!»

Wie jedes Jahr erhielt die Polizei in Binningen im Umzug die Nummer 99 zugewiesen: «nid ganz hundert». Kurz nach Beginn des Umzugs kam es zu einem Feueralarm. Alle Beteiligten reagierten vorbildlich. Bevor die drei Feuerwehrwagen losfahren konnten, waren die Fasnächtler bereits an den Rand gerückt und hatten sich die Zuschauenden diszipliniert zurückgezogen. Es gab keine Panik und die Polizei war des Lobes voll. Zum Glück war es ein Fehlalarm, sodass man zum Abschluss der Fasnacht ohne Skrupel noch einen letzten Schnitzelbank vom Stapel lassen kann.

«D Füürwehr darf - tatüü ta too -

dis Joor au an d Fasnacht khoo,

machet im Umzug e groossi Lugge,

dass si kha zum Fählalarm usrugge!»

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