Da es die ultimative Gelegenheit ist, nochmals an der Aura von Frau Fasnacht zu schnuppern, säumten entsprechend viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene die Hauptstrasse in Muttenz und genossen es, wie die Waggis auf den Wagen nochmals ihr Bestes gaben und die Guggen wie die Berserker schränzten.

Von den rund 55 angemeldeten Formationen, zu denen sich «wilde» hinzugesellten, waren viele Schyssdräggzygli. Die Muttenzer Bevölkerung legt offenbar grossen Wert darauf, schon den ganz Kleinen die Möglichkeit zu geben, sich an der Fasnacht zu profilieren – ganz nach dem Motto: «Muttenz sucht den Super-Waggis.»

Optisch wenig präsent waren lokale Sujets. Laut Christian Braun, dem Obmann des Fasnachtskomitees, der mit dem Schlussstraich sehr zufrieden war, werden in diesem Jahr in den Schnitzelbänggen der Knatsch um das Jägerstübli und der neue Flüsterbelag thematisiert. Die Heuwänder-Gugge spielte in Sträflingsanzügen das neue Gefängnis beim Bahnhof aus, die Burggasswaggis machten sich auf ihrem Zedel über die Dauerbaustellen lustig und reimten:

Schuelhüser duet me renoviere

d’Schtroose risst me uff,

in Muttenz chasch nümm sicher schpaziere,

es herscht e schaurigs Puff.

Das Schyssdräggzygli Die z’Spoote machte Pressekritik und kommentierte Schlagzeilen der Basler Zeitung mit dem Vers:

So dramatisierend brichtet d’BaZ,

es isch kai Witz –

wend mi frogsch übertriibe die e bitz!

Auf den Alarmverbund zwischen den Feuerwehren Birsfelden und Muttenz spielten die Füürwaggis aus Birsfelden mit dem Sujet «Just married» an und brillierten mit folgendem Wortspiel auf ihrem Zedel:

Spiegel ohni Ei, Conchita ohni Wurscht

isch genau wie Fasnacht: truurig ohni Durscht! (…)

Und ’s Finanzloch, mir müens leider mälde,

ghört wie Hafe und Rhy zu Birsfälde.

Viele Waggiswagen und Schyssdräggzygli spielten die Fusion aus. So dichteten die Ufgweckte aus Pratteln:

Es sind emol zwei halbi Kantönli gsi…

Die beide liege zämme am schöne Rhy.

Dr einti chli, grau und komplett stur,

dr anderi grosss, grüen und voller Natur.

Die Gülle-Waggis reimten zum selben Sujet:

Selle mr oder selle mir nid?

Waimer oder waimer nid!

S Ergäbnis isch rächt aifach z dytte:

D Landschaft will nid, die doofy Grytte!

Gleichsam als Variation dieses Verses hatten die Joker-Waggis ihren Wagen mit folgendem Sujet überschrieben: «Sell(f)y oder sell(f)y nid.» Auf dem Zedel, dem Joker-Päd, war zu lesen:

Selfie kunnt vo sälber mache,

wenn s piinlig wird, dien anderi lache.

Neben den Muttenzer Gruppen und den Gästen aus der Region waren auch Formationen aus dem Elsass, aus Weil am Rhein und die Thuner Seehüüler vertreten.

Nach dem Umzug folgte auf der Bühne vor der Kirche das grosse Guggenkonzert. Am Abend zogen die Schnitzelbänggler durch die Lokale von Muttenz, um nochmals ihre treffsicheren Pointen zu singen.