Muttenz

Ein letztes Mal grosszügig Konfetti an die Zuschauer verteilen

Der Fasnachtsumzug in Muttenz war die letzte Möglichkeit für alle Fasnächtler, ihre Larven nochmals zu tragen und Orangen, Konfetti und Süssigkeiten zu verteilen. Sogar aus dem Berner Oberland kam eine Gugge angereist.

Es war die letzte Möglichkeit der Cliquen, Gugger, Kindergruppen und Schyssdrägg-Zügli, sich dieses Jahr an einem Fasnachtsanlass zu zeigen. Und so fanden sich über 60 Formationen im Dorfkern von Muttenz ein, um am Umzug teilzunehmen. «Rund die Hälfte davon stammen aus Muttenz selber», sagte Christian Braun vom Fasnachtskomitee mit Genugtuung. Tausende fasnachtsbegeisterte Zuschauer verfolgten den Korso mit den vielfältigen Sujets.

Von sehr weit angereist waren etwa die Seehüler aus Thun und die Altstadt Mutze aus Bern. Etwas irritiert reagiert ein Mitglied auf die Frage, ob es denn in Bern überhaupt eine Fasnacht gebe: «Mir hey die drittgrööschti Fasnacht ir Schwyz», verkündet er. Aber natürlich marschierten auch Gruppen aus der Nachbarschaft mit, aus Pratteln etwa die Dorfplatzrueche oder die Soggeschlysser, aus Basel die Gugge Pumperniggel.

Letztere führten den Umzug an, der sich kurz nach 16 Uhr vom Dorfplatz die Hauptstrasse entlang in Bewegung setzte. Die Fasnächtler auf den Wagen verteilten noch grosszügig, was von den tollen Tagen übrig geblieben war, Konfetti natürlich besonders reichlich. Ihren Namen besonders wörtlich nahmen dabei die Muttenzer Räpplispeutzer. Aber auch Süssigkeiten, Orangen oder sogar Kosmetika-Müsterli wurden unter die Leute gebracht. Manche Zuschauer füllten sich ihre Manteltaschen prallvoll. Und die Kinder suchten zwischen Konfettihaufen eifrig nach Täfis und Schleckstängeln.

Die echte alte Vogel-Gryff-Rheinfähre auf einen Tieflader aufgebockt hatte die einheimische Heuwänder-Gugge. Ihr Sujet lautete «S’got bachab» und spielte auf eine führungslos gewordene Fähre an, die für Aufsehen gesorgt hatte.

In ihrem Sujet «Costa Neptun» verbanden die Füürwaggis aus Birsfelden die Havarie der «Costa Concordia» mit dem alten Feuerrettungsboot am Birsfelder Hafen:

Doch liebe Kanton, due nid ewig spare,

so dass mir zytnoch mit eme neue Boot
düen fahre.

Aber auch andere Formationen hatten aufwendige Wagen gestaltet. Los Lausos aus Lausen etwa hatten ihren Wagen als Gartenhäuschen verkleidet und mit Rechen, Giesskannen und andern Gerätschaften drapiert. Mit Dany-Wattewyl-Larven auf einem Tele-Basel-Wagen machten die Büchel-Spränger (Sissach) auf sich aufmerksam:

Ich bi dr Dany Wattewyl, i dr ganze Stadt bekannt;

und wills mi do nid reizt, chumi nid ufs Land.

Eine Kindergruppe Robinson-Spielplatz aus Muttenz hat die Arbogast-Kirche nachgebildet und mit einer fasnächtlich-bunten Fassade versehen. Die Schnuuderbeeri-Clique – ebenfalls Einheimische – haben die Handtäschli-Affäre in Zürich thematisiert und kommentiert:

Mir säg es churz und gnapp,

d’Ziircher hän en Eggen ab.

Thematisiert waren auch die zahlreichen Baustellen in und um Muttenz. Die Spesenaffäre in den Regierungsräten in beiden Basel, die Vorgänge bei der BVB fanden sich als Sujets auf den Wagen wieder, aber auch die Lauschangriffe der NSA. So machen die Rauracher Rueche aus Münchenstein aus den USA kurzerhand die NSA.

Der Umzug in Muttenz war ein fulminanter Abschluss der diesjährigen Fasnacht. Und bis zur nächsten Fasnacht sind es deutlich weniger als 365 Tage.

Meistgesehen

Artboard 1