Liestal

Beim Rotstab-Cabaret werden die Lachmuskeln im Minutentakt gekitzelt

Heiter, lustig, kurzweilig und musikalisch hochstehend – so kommt das Rotstab-Cabaret 2014 daher. Serviert wird fast alles, was eine Palette an vorfasnächtlichem Tingeltangel zu bieten hat.

Nach dem letztjährigen Spektakel zum 80-Jahr-Jubiläum mit Filmspots und Videoeinlagen haben die Macher Thomas von Arx, Dieter Epple und Mike van Epple zwar nicht das Rad der Zeit, aber doch die künstlerische Freiheit der Protagonisten wieder etwas zurückgedreht.

Und so haben vor den fantasievollen Bühnenbildern des KV-Saals die bewährten Auftritte der Rotstab-Pfeifer und Trommler, die Kabarettisten, der Schnitzelbänkler Muser Schang und die Stedtli-Singers als Erfolgsgaranten einmal mehr für gute Fasnachtsunterhaltung gesorgt.

Weniger, dafür bequeme Sitzplätze

Apropos KV-Saal: Die seit Jahren kritisierten Kunststoffstühle sind weg und durch eine bequemere Holzbestuhlung ersetzt, allerdings auf Kosten der Platzzahl. «Durch die Reduktion von 110 Plätzen verlieren wir 24 000 Franken an Eintrittsgeldern», sagt Präsident Dieter Epple.

Durchsage am Lautsprecher: «Der Zug nach Olten hat zirka zehn Minuten Verspätung». Päng – der erste Volltreffer bereits im Prolog, abgefeuert von den Kabarettisten. Das Chaos am Bahnhof Liestal, die Schienenführung, Stellwerkstörungen und überfüllte Züge waren eine wahre Fundgrube, um von den Hauptdarstellern des Abends auf die Schippe genommen zu werden. Die wild gestikulierende Reisegruppe hatte an allem, was mit Bahnverkehr zusammenhängt, etwas zu nörgeln.

Ein Coiffeur-Sturm aufs Zwerchfell

Dies, nachdem die Trommler und Pfeifer des Stamms als Reisende und SBB-Angestellte mit dem «Liberty Bell» die Stimmung am Bahnhof «Lieschtel» zünftig anheizten. Denen stand die junge Garde im prächtigen Charivari-Look mit dem flott gespielten Potpourri «z’Basel» in nichts nach. Schräg und mit allerlei Klamauk gings dann in einem Coiffeursalon zu und her. Zwar ohne wirkliche Pointen, aber mit viel träfen Sprüchen setzte Nöggi Vogt als schwuler Coiffeurmeister zum Sturm aufs Zwerchfell an – einer der grossen Lacher des Programms.

Ein akustischer und optischer Genuss war anschliessend der Auftritt der Tambouren. Sie «ruessten» mit dem «Boogie-Woogie» das Publikum beinahe schwindlig. Ort der Handlung: Ein geheimer Bunker im Baselbiet – als Bühnenbild perfekt aufgebaut. Darin die GBoS die als «Gruppe fürs Baselbiet ohni Stadt» elektronisch alles abhörte und überwachte, was nur im Entferntesten nach Fusion mit Basel roch. Da geriet Regierungsrätin Sabine Pegoraro in Verdacht, hatte sie doch per SMS ihren Mann beauftragt, Basler Läckerli zu posten. Eine grandiose Einlage der Kabarettisten! Genau wie die Liestaler Milchgugge, die in Barockkleidung die Bühne eroberte.

Nach der Pause sorgte der Stamm mit seinen erstmaligen Evolutionen zwischen den Trommlern und Pfeifern für viel Bewegung. Dann vor dem Vorhang die Gedanken von Foxi, einem alternden Waggis, der von einer Handorgel begleitet nach der Melodie der Niederdorfoper melancholisch fragt: «Wo isch mini Fasnacht nur ane?» Emotionen, die im ganzen Saal unter die Haut gingen!

Geniales Finale mit Stedtli-Singers

Der letzte Sketch der Kabarettisten «Jede Lappe zellt» hatte nur geringen Unterhaltungswert und sei deshalb nicht im Detail erwähnt. Im Gegensatz dazu die mit Piano, Tuba und Waschbrett kombinierten Piccolos des Stamms, die mit dem «Brantgass Rag» als Südstaaten Ragtime-Band gute Figur machten. Für das ultimative Finale sorgten traditionell die Stedtli-Singers, allesamt gute Sänger und Schauspieler mit viel Sinn für Clownereien. Da wurde in witzigen Gesängen alles durch den Kakao gezogen, was die Volksseele im vergangenen Jahr irgendwie bewegt hat.

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