Liestal

Abschluss der Fasnacht: Ein letztes Mal Konfetti in den Unterhosen

Letztes Konfetti, letztes Geschränze: Die Liestaler Fasnacht ging mit dem Cheruus laut und fröhlich zu Ende. Am Samstag feierten alle Fasnachtsbegeisterten ein letztes Mal, bevor die schönste Zeit des Jahres vorüber war.

Zählt man die diversen Einstimmungs-Veranstaltungen dazu, gingen diesen Samstag in Liestal über drei Wochen Fasnacht lautstark und mit einer heiteren Sause zu Ende. Der Cheruus Liestal war der unüberhörbare Schlussakkord einer Fasnacht, die vor allem als ein von wunderbarem Frühlingswetter begünstigtes Narrenfest in die Geschichte eingehen wird.

Wer also noch nicht genug hatte von markerschütternden Guggenklängen und schiefen Posaunen, fiesen Masken, träfen Sprüchen, Konfetti in der Unterhose und betrunken Lallenden, der hätte sich keinen besseren Ort aussuchen können. Und weil eine Schwadron Hexen tatsächlich noch den Besen schwang, bekam der «Kehraus» etwas unerwartet Glaubhaftes.

Die letzten Glockenschläge hallten noch durchs Stedtli, als die Guggenparade begann. Eine Handvoll flinker Waggisse bildete die Konfetti schleudernde Vorhut. Gleich sackweise verpulverten sie die nun wirklich allerletzten Reste und brachten sie unters Volk und dessen Kleidungsstücke. Die Rathausstrasse war dicht gesäumt von hunderten von Zuschauern, als die erste von 18 Guggen, die Wasserfalleschränzer aus Reigoldswil, als Sternenkrieger und einem grünen Yoda als Major durchs Törli ruggten.

Auch ein bisschen Wehmut

Zwischen all dem Geschränze, den rhythmischen Paukenschlägen und den leuchtenden Augen, die in Reih und Glied das verdunkelte Stedtli hinabmarschierten, kam für einen Moment etwas Wehmut auf. Da stimmten die Au-Rugger aus Oberdorf die Titelmelodie des Filmklassikers «Braveheart» an, ein sentimentales Stück, das in Töne fasste, worum es eigentlich geht am Cheruus: den Abschied von der Fasnacht.

Die zahlreichen Zuschauer genossen das letzte Aufbäumen der Fasnecht Lieschtel sichtlich, auch wenn beim einen oder anderen fortgeschrittene Ermüdungserscheinungen nicht zu übersehen waren. Ränder unter den Augen, Cola anstatt Bier in der Hand, weiches Schuhwerk anstatt Zoggeli. Und die Posaunen der Gastgugge aus dem Luzernischen, der CH-Guugger Ämmebrogg, klangen auch nicht mehr ganz so geradlinig wie wahrschlich vor zwei Wochen noch. Zwei Rentner tanzen allerdings ausgelassen hinter den Elbisruggern her, als hätten sie Kraft für die ganze Nacht. Und die Jugend feierte, trank und vergnügte sich ohnehin mit Ausdauer.

Parade in Licht und Schatten

Während die rund einstündige Parade zwischen Törli und Regierungsgebäude ein letztes Mal vor grossem Publikum spielte, so war die Route zwischen Allee und «Farnsburg» wie ausgestorben. Die Sause setzte sich anschliessend aber auf dem Zeughausplatz, in den Gassen, den Beizen und den Fasnachtskellern fort. Auf dem Zeughausplatz gaben die Guggen noch ein konzertantes Stelldichein für ein letztes Mal «Rivers of Babylon», «Proud Mary» oder «Hey Jude» mit Sousaphon, Hörnli und Trompete.

Der Platz füllte sich aber erst nach und nach, weil sich Parade und Konzertbeginn überschnitten. Höchste Zeit für die Beizer, deren Würste auf den diversen Grillrosten teils eine schon bedenklich dunkle Färbung angenommen hatten. Für viele war die Fasnacht aber bereits nach der Parade zu Ende - trotz der Freinacht.

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