Wahlen 2015

Christoph Buser lächelt die doppelte Schlappe weg

Christoph Buser (l.) und Rolf Richterich (M.) mussten gestern Claude Janiak (r.) vorbeilassen.

Christoph Buser (l.) und Rolf Richterich (M.) mussten gestern Claude Janiak (r.) vorbeilassen.

Abgestraft? Wirtschaftskammer-Chef Christoph Buser (FDP) ist der grosse Verlierer der eidgenössischen Wahlen im Kanton Baselland. Sowohl im Rennen um den Ständeratssitz als auch um einen der sieben Nationalratssitze geht er leer aus.

Etwas verliert Christoph Buser nur ganz selten: seine Fassung. Sei es in Momenten des Triumphes oder der Niederlage, kaum einmal fährt der Freisinnige so richtig aus der Haut. Gestern demonstrierte er diese Fähigkeit erneut in Perfektion. Dabei hätte Buser allen Grund dazu gehabt, enttäuscht zu sein und das auch zu zeigen.

Der 44-jährige Füllinsdörfer musste bei den Wahlen gleich eine doppelte Schlappe verkraften: Sowohl im Rennen um den Baselbieter Ständeratssitz als auch um einen der sieben Nationalratssitze musste er anderen den Vortritt lassen. Während das gegen den bestens vernetzten Ständerat Claude Janiak (SP) erwartet werden durfte, wurden Buser im parteiinternen Duell mit der bisherigen Nationalrätin Daniela Schneeberger gute Chancen eingeräumt. Doch die nackten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Am Ende fehlten Buser auf Janiak 11 133 Stimmen und auf Schneeberger deren 4493. Bei beiden Ausmarchungen konnte Buser keinen Bezirk für sich entscheiden.

Zuviel Macht wird abgestraft

Dies erstaunt, führt man sich vor Augen, dass Buser als Direktor der Wirtschaftskammer eine Macht im Rücken hatte, die in Baselland nicht nur über ein grosses Netzwerk, sondern auch über die wohl grösste finanzielle Potenz im Wahlkampf verfügte. «Es ist ein Irrglaube, dass man in der Schweiz Wahlen kaufen kann», sagt er dazu. Vielleicht könnte ihm genau dieses Machtbollwerk am Ende sogar geschadet haben. Schliesslich geriet die Wirtschaftskammer in den vergangenen Wochen negativ in die Schlagzeilen: Bei Unregelmässigkeiten der Schwarzarbeits-Kontrolle und der umstrittenen Wika-Mitgliedschaft des Kantonsspitals. Davon zeigten sich gestern im Foyer des Landratssaals in Liestal nicht nur diverse Politiker der SP und der Grünen überzeugt. «Das dürfte einen Einfluss gehabt haben», sagt FDP-Fraktionschef Rolf Richterich gegenüber der bz. Und: «Schweizer scheinen oft skeptisch zu werden, sobald jemand viel Macht auf sich vereint. Dann wird dieser bei Wahlen zurechtgestutzt.»

Buser selbst will das nicht überbewerten: «Die Bevölkerung kann es schon richtig einordnen, dass ich letztlich nur einen Verband führe.» Auf eine Medienschelte verzichtet Buser, auch wenn er anmerkt, dass «viele Stimmbürger wohl nicht mehr wussten, was nun stimmt und was nicht». Ganz nüchtern analysiert Buser seine Niederlagen. Dabei fällt zweimal das Wort Aussenseiter. «Bisherige sind immer sehr im Vorteil.» Mit seiner persönlichen Anzahl Stimmen sei er zufrieden. Was er bedaure, sei, dass die FDP es trotz des im Vergleich zu 2011 höheren Wähleranteils nicht geschafft habe, einen zweiten Nationalratssitz zu erobern – denn dieser wäre klar an ihn gegangen. Doch einerseits habe ihn die Stärke der Baselbieter Grünen überrascht und andererseits habe die SVP stark vom Flüchtlingsthema profitiert. War es das nun mit Busers politischen Ambitionen? «Ich bin immer noch Landrat», sagt er. Ausserdem sei in der Politik alles so kurzlebig, dass niemand sagen könne, was in vier Jahren sei.

Schneebergers Erleichterung

Dass die Niederlage Busers bei den Nationalratswahlen nicht so klar erwartet worden war, zeigt kaum etwas besser als die Freude von Daniela Schneeberger. Die Thürnerin bemühte sich zwar auch um eine zurückhaltende Analyse, doch ein Poker Face wie Buser hat sie eben nicht: «Ich war durchaus angespannt, deshalb bin ich nun sehr erleichtert», sagt sie. Sie habe Respekt gehabt vor der Aufgabe, die Wiederwahl trotz starker Parteiliste zu schaffen. Auch Schneeberger nimmt an, dass die Schlagzeilen zur Wirtschaftskammer einen Einfluss gehabt haben. Doch: «Ich höre es nicht gerne, dass vor allem das mir geholfen haben soll.»

Die 48-Jährige betont lieber etwas anderes, das den Unterschied zu Buser aber deutlich macht: «Ich bin eine Vertreterin des Volkes, gab den Baselbietern in den letzten vier Jahren eine Stimme in Bern. Das wurde geschätzt.» Schneeberger betont, dass sie und ihr Team sich im Wahlkampf mächtig ins Zeug gelegt hätten und dass sie auch im Unterbaselbiet viele Stimmen erhielt. «Ich bin eben nicht nur eine vom Oberbaselbiet, wie oft gesagt wird.»

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