Wer unterstützt wen im National- und Ständeratswahlkampf? Für bürgerliche Kandidaten ist es sehr bedeutsam, ob die mächtigen Wirtschaftsverbände hinter ihnen stehen oder nicht.

Die Rede ist hier primär von der Aargauischen Industrie- und Handelskammer (AIHK) und vom Aargauischen Gewerbeverband (AGV). Die AIHK hat eine Liste von 16 Personen zusammengestellt.

So viele Nationalräte kann der Aargau im Herbst nach Bern schicken. Auf der Liste figurieren wie bisher SVP, FDP und CVP – und mit Nationalrat Bernhard Guhl erstmals auch die BDP. Sieben Empfehlungen sind der SVP zuzuordnen, fünf der FDP, drei der CVP und eben einer der BDP.

Auf der Liste sind alle wieder antretenden Bisherigen dieser Parteien, also für die SVP Sylvia Flückiger, Ulrich Giezendanner, Hansjörg Knecht, Maximilian Reimann und Luzi Stamm. Zusätzlich setzt die AIHK auf SVP-Präsident Thomas Burgherr und Grossrat Martin Keller.

Bei der FDP empfiehlt sie die Bisherigen Corina Eichenberger und Philipp Müller, zusätzlich den früheren Grossratspräsidenten Thierry Burkart, FDP-Präsident Matthias Jauslin, Fraktionschef Bernhard Scholl. Bei der CVP werden zusätzlich zu Ruth Humbel Grossrätin Marianne Binder und Patrick Burgherr empfohlen, ebenso der Jungfreisinnige Adrian Schoop.

Wie kam die Handelskammer auf diese Namen? AIHK-Geschäftsleiter Peter Lüscher: «Wir haben beurteilt, wer aus unserer Sicht besonders wirtschaftsfreundlich ist. Die meisten Kandidierenden kennen wir ja schon länger. AIHK-Mitglied zu sein half, nicht Mitglied zu sein war aber kein Ausschlusskriterium.» Die 16 Namen wurden vom Präsidium vorgeschlagen, entschieden hat der Vorstand.

SVP-Kandidaten füllen fast die Hälfte der Liste. War es bei der AIHK kein Thema, dass die Bankiervereinigung kürzlich den Stab über der SVP gebrochen hat?

Lüscher: «Die SVP ist für uns in vielen Dossiers ein guter Partner. Denken wir nur etwa an Finanz-, Steuer- und Sozialpolitik. Im Verhältnis zu Europa haben wir leider eine gewichtige Differenz. Die wiegt die anderen Punkte aber nicht auf. Zudem brauchen wir Mehrheiten für wirtschaftliche Anliegen.»

Warum empfiehlt die AIHK Nationalrat Beat Flach (GLP) nicht, der in einem neuen Ranking der Zeitschrift «Bilanz» bezüglich Wirtschaftsfreundlichkeit den vierten Platz einnimmt?

Lüscher: «Die BDP ist für uns im Aargau berechenbarer. Die GLP war beispielsweise als Partei gegen die Erbschaftssteuerinitiative, bekannte GLP-Namen haben dann aber trotzdem ein Pro-Komitee gegründet.»

Zwei oder drei für Ständerat?

Für den Ständeratswahlkampf empfiehlt die Handelskammer Ruth Humbel (CVP), Hansjörg Knecht (SVP) und Philipp Müller (FDP). Warum drei, es gibt ja nur zwei Sitze? Man betrachte diese drei als wirtschaftsfreundlich und somit wählbar, sagt Lüscher. Man empfehle, unter ihnen zwei auszuwählen. Im Fall eines zweiten Wahlgangs macht die AIHK eine neue Lagebeurteilung.

Im Ständeratswahlkampf agiert der Aargauische Gewerbeverband (AGV) anders. Er empfiehlt nur Knecht und Müller. Der Grund sei einfach, sagt AGV-Präsident Kurt Schmid: «Für uns zählt nur das Kriterium der AGV-Mitgliedschaft über einen Gewerbeverein oder über einen Branchen- und Berufsverband.»

Deshalb fiel Nicht-Mitglied Ruth Humbel wie vor vier Jahren schon Christine Egerszegi (FDP) durch die Maschen des Gewerbeverbandes. Eine Besonderheit gilt aber etwa im Regierungsratswahlkampf. Regierungsräte, die früher im Gewerbeverband waren, werden weiterhin unterstützt.

Sechs wollten Dreiervorschlag

Ganz so klar wie vor vier Jahren war der Entscheid aber nicht. Vor vier Jahren gab es nämlich – anders als jetzt – keine Listenverbindung von SVP, FDP und CVP. Im AGV-Vorstand wollte eine Gruppe das gelungene Zusammengehen der Bürgerlichen mit der Unterstützung auch für Ruth Humbel honorieren.

Schmid: «Ich habe mich schon vor einem Jahr für eine bürgerliche Allianz ausgesprochen. Am liebsten wäre mir sogar, wenn sie nicht nur jetzt, sondern auch in Zukunft gälte.» Im Vorstand obsiegten aber mit 9:6 Stimmen die Vertreter der bisherigen Linie, nur Mitglieder zu empfehlen.

Unter den Kandidierenden in den bürgerlichen Parteien finden sich viele Gewerbemitglieder. Dementsprechend empfiehlt der AGV bei der SVP 13 Kandidaten (darunter alle Bisherigen), bei der FDP 11, bei CVP und BDP je 4 , bei der GLP 3 und auch Roland Haldimann von der kleinen EDU.

Als Nicht-Mitglieder nicht auf der Liste sind die Bisherigen Corina Eichenberger (FDP), eben Ruth Humbel, Bernhard Guhl (BDP) und auch hier Beat Flach (GLP) – Wirtschaftsfreundlichkeit hin oder her.