Noch sechs Basler Galerien sind an der Art Basel zu sehen, Nicolas Krupp ist mit Abstand die jüngste. Alle anderen sind wie Fossile und einige sind vermutlich nur dabei, damit keine zweite Basler Reformation ausbricht. Wie das in Zukunft aussehen wird, ist ungewiss. Junge Galerien sind auf jeden Fall keine in Sicht. Insofern ist die Beteiligung an der Art ein guter Spiegel für die Basler Galerienszene.

Kuddelmuddel und Ästhetik

Die Edition Fanal und auch Gisèle Linder, sie fahren ihr gesamtes Sortiment auf. Von fast jedem Künstler ist eine Arbeit zu sehen. Man fühlt sich an einen Spezereiladen erinnert, in dem man schnell den Überblick verliert und sich wie der Zauberlehrling ratlos vorkommt. Kunst zu kaufen, macht so nur wenig Spass. Erwähnenswert sind bei Linder dennoch zwei grosse Lackarbeiten von Andrea Wolfensberger und eine dynamische Geometrie von Werner von Mutzenbecher.

In der Galerie von Bartha herrscht aufgeräumte Stimmung, hier ist ein Gesamtkonzept sichtbar, an ihr dürften sich die Obengenannten orientieren. Von Bartha gelingt es immer wieder, Klassiker und neue Kunst zu einem Gesamtensemble zu verknüpfen: Ein ästhetisches Vergnügen ist garantiert. Petersburger Hängung wie bei Linder ist dort ausgeschlossen. Eine grosse Holzplastik von Bernhard Luginbühl empfängt die Besucher; die gedrechselte Stange erinnert an ein Schneckenhaus. Gleich um die Ecke ist eine ganze Wand mit Fotografien von Karim Noureldin zu sehen.

Verschiedenfarbige, gerippte Rollläden vor Geschäften sind abgebildet – eine Arbeit, die sich ideal mit seinen Zeichnungen kombinieren lässt, aber auch zum grossen Bild von Camille Graeser passt. Daneben ist eine filigrane Installation aus Backsteinen und Glasscheiben von Daniel Robert Hunziker. Auch eine interessante Arbeit von Sarah Oppenheimer gibt es zu sehen. Oppenheimer ist eine Ausstellung im Kunsthaus Baselland gewidmet – ein Besuch ist ein Must.

Bei Stampa ist das Durcheinander nur oberflächlicher Schein. Keine Galerie an der Art gewichtet so fein das Nebeneinander ähnlicher Motive: die Wand mit Silvia Bächli, Marlene Dumas, Rosmarie Trockel, Cindy Sherman und ein wunderschönes Boudoir von Pipilotti Rist, so was fällt nur Stampas ein. Genauso stimmig ist der Raum mit Zilla Leuteneggers Piraten, Guido Nussbaums «Bildträgern» und Martina Gmürs «Da», eine dreiteilige Tuschearbeit.

Bei Nicolas Krupp dominieren die grossen Bilder, eine Ballonfahrt von Walter Swennen ist in eine surreal wirkende Architekturlandschaft eingebettet und eine Arbeit aus der neuen Serie von Heimo Zobernig, die auch in der Galerie und am Hauptsitz der Baloise am Aeschengraben zu sehen ist.

Die Galerie Carzaniga zeigt auch dieses Jahr ihre Klassiker: Mark Tobey, Julius Bissier, Samuel Buri, Lorenz Spring, Varlin und Oppenheim. Ein Werk fällt aber sofort auf: «Porträt Erika», ein Spitzenwerk von Niklaus Stoecklin.

Riehen wittert «Goldrush»

Dazu zum Schluss eine nette Geschichte: Die Riehener Kunstkommission kaufte vor Jahren das Bild direkt beim Künstler für einen fünfstelligen Betrag. Das Bild sei aber nie irgendwo aufgehängt worden. Liegt es nur an der Düsternis? Ein Kenner widerspricht, es habe einige Zeit im Landgasthof gehangen. Die reichste Gemeinde der Schweiz wollte es nicht länger aufbewahren und witterte den «Goldrush». Schnell bot man es dem Kunstmuseum an. Die hohen Preisvorstellungen aus Riehen führten aber zu einer Absage. Also suchte man einen vertrauenswürdigen Galeristen und fand ihn am Basler Gemsberg. Carzaniga verkauft das Bild an der Art für 190 000 Franken, inklusive Rahmen. Aus Erfahrung weiss man, Carzaniga nimmt 40 Prozent. Wenn sie es verkauft, dürfte das Schnäppchen also bei der Galerie liegen. Christie’s Schweiz nimmt dafür unter 10 Prozent. Galerien mit Prozenten zu beschenken, ist vielleicht die neue Strategie Riehener Kulturförderung.