Halb verdeckt von nacktem Pflanzengerank, zum Einwintern zusammengestellten Blumentöpfen, einer Sichtschutzwand und einem in Jute gehüllten Rosenbaum steht sie da, unscheinbar, als wolle sie die Geheimnisse, die sie umgeben, für sich behalten: die Trinkhalle des Trolerhofs Menziken.

Das westseitig ans Wirtshaus angebaute Holzgebäude besteht nur aus einem einzigen Raum. Im Sommer finden hier Feste statt, kulturelle Veranstaltungen, mal ein Konzert, mal eine Lesung. Im Winter dient sie Lagerstatt für Pflanzen, Gartengerät, Mobiliar für die Gartenwirtschaft, Eingemachtes und zum Trocknen Aufgehängtes.

Heute finden in der Trinkhalle auf dem Trolerhof Menziken im Sommer kulturelle Anlässe statt, im Winter wird sie zum Materiallager.

Heute finden in der Trinkhalle auf dem Trolerhof Menziken im Sommer kulturelle Anlässe statt, im Winter wird sie zum Materiallager.

Die Geschichte der Trinkhalle ist lang und bewegt. Denn die Holzbaute stand ursprünglich woanders. Möglicherweise wurde sie sogar mehrmals auf- und wieder abgebaut, bis sie ihren Weg auf den Trolerhof fand. Dort steht sie seit 1930. Soviel ist sicher. Ein Eintrag des damaligen Schätzers bei der Aargauischen Gebäudeversicherung bestätigt das.

Doch wo stand sie davor? Und wozu wurde sie ursprünglich errichtet? Eine Balustrade mit Rednerpult, ein Ausschank, einst mit Kupfertrögen bestückt, Glasfenster mit Weinmotiven, dies alles deutet auf eine Festhütte hin, wie man sie Anfang 20. Jahrhundert für Grossanlässe gebaut hatte: Etwa für die Zentenarfeier in Aarau 1903 oder für das eidgenössische Schützenfest 1924.

Schützenfest oder Zentenarfeier?

Für das Schützenfest spricht einiges: Im Schlussbericht des Organisationskomitees findet eine Aargauer Weinstube Erwähnung. Oder könnte es das Champagnerstübchen gewesen sein?

Ein solches fand sich nämlich auch unter den Nebengebäuden zur grossen Festhalle im Aarauer Schachen. Die überlieferte Quadratmeterzahl könnte stimmen. Waren die Wappenscheiben ein Geschenk der Weinkantone an den feiernden Aargau?

Unbestritten scheint, dass Robert Ammann, Aarauer Architekt, Kantonsbaumeister und Vater des damaligen Trolerwirts Hektor Ammann die Halle erstanden, abgebaut und später auf dem Trolerhof wieder aufgebaut hatte.

So erinnert sich Gerhard Ammann, sein Enkel, an Erzählungen. Auch hat sich bei ihm die Erinnerung festgesetzt, dass sein Grossvater die Halle an der Aarauer Kasinostrasse abgebaut habe und dass das im Zusammenhang mit dem neuen Kino geschehen sei.

Das Kino zog 1923 vom Rain an die Kasinostrasse. Das schrieb Jacob Eberhardt im Aufsatz «Alte Kino-Erinnerungen» 1958 in den Aarauer Neujahrsblättern. Das Kinogebäude war aus Stein gebaut. Eine Holzhalle ist nicht erwähnt. Für Martin Pestalozzi, ehemaliger Aarauer Stadtarchivar, ist aber durchaus denkbar, dass die Halle bis zum Bau des Kinos auf diesem Areal gestanden hatte. Denn dort habe sich der einzig noch nicht fest verbaute Platz an der Kasinostrasse befunden.

Wenn dem so gewesen wäre, müsste man das Schützenfest als Wiege der Trinkhalle ausschliessen. Als Wiege vielleicht. Was aber, wenn die Halle 1923 tatsächlich an der Kasinostrasse abgebaut wurde, um dem künftigen Kino Platz zu machen und am Schützenfest wieder Verwendung zu finden? Denkbar wärs, denn Kantonsbaumeister Ammann war an den Vorbereitungen zum Fest beteiligt.

Stammt die Halle also doch schon von der Zentenarfeier? Hat Robert Ammann sie gleich im Anschluss erstanden? Wenn ja, wo hatte sie danach gestanden? Fragen über Fragen. Schriftstücke, die das belegen, sind schwer zu finden.

Für temporäre Bauten waren anno dazumal keine Baubewilligungen nötig. So hat sich die heutige Adventstür zwar geöffnet, aber nicht jedes Geheimnis dahinter gelüftet.