Für den Sandsteinkeller an der Bohli-strasse in Wittwil, Ortsteil von Staffelbach, gabs bis jetzt einen einzigen Schlüssel. Jahrzehntelang hing er bei der Familie Fehlmann am gleichen Ort. Alle von der Familie kannten diesen und brauchten sich den Schlüssel nur zu schnappen, wollten sie in ihren Keller.

Der Schlüssel hat jetzt eine neue Besitzerin: die Familie Huggler aus Wittwil. Sie kaufte der Erbengemeinschaft Fehlmann ein Stück Wiesland ab. Weil sich darunter der Sandsteinkeller befindet, gehört er ebenfalls den Hugglers. «Zu Weihnachten schenke ich dir ein neues Türschloss», sagt Irene Klossner-Fehlmann von der Erbengemeinschaft lachend zu Peter Huggler. «Dann gibts endlich zwei Schlüssel für den Keller.»

Leicht versetzt von der schmalen Bohlistrasse, die von Wittwil ins Uerkental führt, ist der Eingang zum Sandsteinkeller. Ein steinerner Bogen, im Sommer mit Efeu berankt. In der Holztüre hats eine Öffnung, mit feinen Gitterstäben durchsetzt. So komme stets frische Luft in den Keller, sagt Irene Klossner.

Sie und ihre Geschwister Sonja, Heinz und Urs hätten sich als Kinder zum Spass in den Keller gesperrt. Zetermordio hätten sie geschrien, um wieder heraus zu kommen. Gehorchten sie zu Hause nicht, drohten ihre Eltern damit, sie in den Keller zu sperren. «Beim Spielen hats uns da gegruselt», erinnert sich Irene Klossner. «Trotzdem gingen wir immer wieder hin.»

Marianne Fehlmann, Peter Huggler und Irene Klossner-Fehlmann können im Felsenkeller aufrecht stehen.

Marianne Fehlmann, Peter Huggler und Irene Klossner-Fehlmann können im Felsenkeller aufrecht stehen.

Ein Schmetterling im Sandstein

Hinter der Türe beginnt die Dunkelheit und die Stille. Hört die Welt da auf, oder beginnt sie erst? Der Strahl einer Taschenlampe führt zick-zack durch den Raum. Er ist leer und doch voller Geheimnisse. Jemand hat Sandsteinbögen in die Höhle gehauen. Es gibt abgebrochene Steine, Kuhlen, Spalten und Nischen.

Durch die Ritzen dringen Baumwurzeln und Grasbüschel, wie ein Teppich breitet sich das Gewächs an der Decke aus. Spinnweben bleiben im Haar der Besucher hängen. Auf einem Vorsprung stehen zwei Kerzen. «Ohne die kommt man da drinnen nicht weit», sagt Irene Klossner.

Die Geheimnisse des Kellers sind an den Wänden verewigt. Mit der Hand oder einem Stöckchen wurden Initialen, Zahlen und Figuren in den Sandstein gemalt. E.F. Som. 1938, entziffert Irene Klossner. Das müssen die Anfangsbuchstaben ihres Vaters gewesen sein, als er im Sommer im Keller gewesen war.

Auch sie hat ihre Initialen irgendwo hingekritzelt. Ein angedeuteter Schmetterling zeichnet sich im Sandstein ab. Und wo ist das Herz eines verliebten Pärchens? «Bis jetzt habe ich noch keines gesehen», sagt Irene Klossner. Aber ein Sandsteinkeller sei auch nicht romantisch für Verliebte. Für den Kriegsfall würde er sich schon eher eignen.

Zuckerrüben gelagert

Im Gegensatz zu draussen ist es im Keller warm und trocken. «Ein idealer Platz, um Käse zu lagern», findet Peter Huggler. Die Familie Fehlmann bewahrte anderes im Keller auf, zum Beispiel Zuckerrüben. Im Winter verfütterte sie diese dann den Tieren. Die Schwägerin von Irene Klossner, Marianne Fehlmann, überwinterte auch gerne Blumen im Sandsteinkeller.

Wie alt der Sandsteinkeller ist, weiss niemand so genau. «Bestimmt alt», mutmasst Irene Klossner. Ihre Grosseltern hätten da schon Sachen eingelagert. Es habe noch einen anderen Keller gegeben, irgendwann sei dieser aber eingestürzt.