Spardebatte

Aargauer Verwaltung ist stark gewachsen - aber vergleichsweise günstig

Leistet sich der Aargau wirklich einen zu stark aufgeblähten Beamtenapparat? Im direkten Gespräch mit dem Staatspersonal werden Politiker mit diesem Vorwurf etwas vorsichtiger. Das zeigte sich an einer Podiumsdiskussion am Mittwochabend.

Manche vom Regierungsrat geplanten Sparmassnahmen, vor allem im Bildungsbereich, sind bis in die bürgerlichen Parteien hinein stark umstritten. Gespart werden müsse nicht nur dort, wo es die Bürger trifft, sondern auch bei der Verwaltung selbst, lautet deshalb ihre Forderung. Die FDP spricht von «akademisierten Beamtenstäben», die sich und andere ohne erkennbaren Nutzen mit «administrativem Kram» beschäftigen».

Das lassen die Personalverbände nicht so einfach auf sich sitzen. Sie luden zur Diskussion mit FDP-Präsident Matthias Jauslin und CVP-Grossrat Martin Steinacher. «Aufgeblähte Verwaltung: Dichtung oder Wahrheit?» lautete die Frage.

Moderator und az-Redaktor Mathias Küng ging gleich in medias res: Pro Kopf der Bevölkerung gibt kaum ein Kanton weniger für die Verwaltung aus als der Aargau, also wo ist das Problem? Es sei der enorme Zuwachs, der zu denken gibt, so Mathias Jauslin.

Da müsse die Frage erlaubt sein, ob dem wirklich eine entsprechend höhere Leistung gegenübersteht, welchen Nutzen der Bürger vom wachsenden Stellenetat hat. Das Ausgabenwachstum sei beängstigend, meinte Martin Steinacher. Man habe einfach das Gefühl, bei der Leistungsanalyse seien nicht alle Bereiche gleich gründlich auf Einsparungsmöglichkeiten hin durchsucht worden.

Übertriebener Perfektionismus

Die Verwaltung ist stark gewachsen, das ist eine Tatsache. In der Zeit von 2008 bis 2013 um 636 Stellen oder 16 Prozent. Wo nun aber genau die aufgebähten Apparate sind, die sich mehr mit sich selbst als mit neuen Aufgaben befassen, darüber war an diesem Abend nicht sehr viel wirklich Konkretes zu hören.

Man neige (nicht nur im Aargau) zu einem übertriebenen Perfektionismus, hiess es etwa mit Verweis auf das neue Kinder- und Erwachsenenschutzrecht. Oder dass vermutlich im Bildungsdepartement noch «ziemlich viel Luft» wäre, wenn man zum Beispiel weniger Aufwand für die Schulevaluation betreiben würde.

Balz Bruder spielte als Präsident des Staatspersonalverbands den Ball zurück: Es sei nichts dagegen einzuwenden, Notwendigkeit und Effizienz der staatlichen Auftragserfüllung zu überprüfen, nur müsse man auch anschauen, wofür und warum Stellen geschaffen werden. Da müsse sich das Parlament auch selbst an der Nase nehmen, wenn es eine Staatsaufgabe beschliesst und dann die erste Instanz sei, die den Personalaufwand dafür kritisiert.

Dass der Spardruck auch zu absurden Ergebnissen führen kann, wusste Rainer Baumgärtner zu berichten, Vizepräsident der Personalkommission der Verwaltung. Er ist in der Informatik tätig. Durch den Personalstopp sei man genötigt gewesen, den Betrieb eines Helpdesks extern zu vergeben. Mit dem Ergebnis, dass er nun weit mehr kostet als ein eigener Angestellter verdienen würde.

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