Es gibt viele Rezepte, aber nur wenige wirklich wirksame Mittel, um der besorgniserregenden Kostenentwicklung im Gesundheitswesen zu begegnen. Einigkeit in der Fachwelt und der Politik herrscht indessen in diesem Punkt: Die verschiedenen medizinischen Leistungserbringer – Hausärzte, Spezialärzte, Spitäler, Apotheken, Spitex etc. – müssen zum Wohle des Patienten möglichst intensiv zusammenarbeiten. Das steigert die Qualität und die Effizienz der Behandlung und spart Kosten, weil nicht jeder wieder neu mit Abklären beginnen muss. Ein Fachausdruck ist dafür auch schon erfunden worden: integrierte Medizin.

Am 22. September stimmt das Aargauer Volk über zwei Initiativen ab. Die eine stammt vom Ärzteverband, sie will die Selbstdispensation, das heisst die Abgabe von Medikamenten in der Arztpraxis, im Aargau ermöglichen. Die andere ist die Reaktion des kantonalen Apothekerverbandes auf dieses Begehren: Sie will die Selbstdispensation verhindern und das Verbot sogar in die Verfassung schreiben.

Noch im letzten Jahr hat der Ärzteverband den Apotheker-Präsidenten an ein Symposium zur integrierten Medizin eingeladen und beide Seiten beschworen die Wichtigkeit der Zusammenarbeit. Das scheint Ewigkeiten her. Heute nennt der Ärzte-Präsident den Titel der Apotheker-Initiative («Miteinander statt gegeneinander») «marktschreierisch, irreführend und verlogen», der Apotheker-Präsident nennt die Ärzte-Initiative «Zusatzverdienst-Initiative». Beide arbeiten mit Drohbildern («Bevormundung der Patienten», «Abbau der Patientensicherheit») – und beide betonen, die Initiative des Feindes wirke natürlich kostentreibend.

Mein Gott, ist das traurig! Was soll der Bürger, der als Patient einfach möglichst gut versorgt sein will, von diesem Streit-Niveau halten? Reaktionen aus dem Volk lassen vermuten, dass beide Seiten durch den Kampf Sympathien verlieren. Ich werde mich hüten, eine Abstimmungsparole zu verfechten, böse Reaktionen der Gegenseite wären mir sicher. Ich hoffe einfach, dass die beiden Streithähne nach dem 22. September das Kriegsbeil begraben. Zum Wohl der Patienten. Und zu ihrem eigenen Wohl.