Früher hatten hier Hofnarren und Hofkünstler ihren Auftritt. Heute arbeiten am gleichen Ort die Journalisten an der Ski-WM. Böse Zungen denken jetzt bestimmt: So gross ist der Unterschied ja nicht.

Die Rede ist vom ehemaligen Theatersaal im Hotel Reine Victoria, der heute als Mediencenter dient. Ab 1875 verkehrten hier Kaiser und Könige – und diese wollten unterhalten sein. Zum Beispiel von Marco Malini. In der Lobby des prunkvollen Hotels hängt ein vergilbtes Zeitdokument, das für die Vorstellung des Hofkünstlers, der sich auch als Experimental-Psychologe und telepathisches Phänomen beschrieb, wirbt.

Dort ist zu lesen: «Tausende verdanken Marco Malini ihre wiedergewonnene Spannkraft, ihren wiedergefundenen, gesunden Schlaf, geistige Frische und erhöhte Fähigkeit, ihre Gedanken zu konzentrieren.» Weiter unten auf dem Dokument befinden sich Referenzen.
So gehörten der Kaiser von Russland, die kaiserliche, königliche Hoheit Erzherzog Franz Ferdinand und viele weitere Erlauchte zu seinen Zuhörern. Und lernten «neue Wege zum Erfolg».

Die Vorstellung haben die Schweizer Skifahrer um mehr als 100 Jahre verpasst. Schade. Malini hätte bestimmt dafür gesorgt, dass es im Super-G der Männer eine Schweizer Medaille gegeben hätte. Beat Feuz und Co. fehlte eventuell nur etwas die Spannkraft.

Einige Punkte aus dem Programm von Malini werden im heutigen Spitzensport durchaus angewandt. Schon er sprach über «Willensstärkung und Energie-Entfaltung». Es sind Themenbereiche, um die sich heute Sportpsychologen kümmern. Seriös angewandt, ist dieser Bereich für viele leistungssteigernd und hat gar nichts mit Hokuspokus zu tun.

Apropos seriös. Offenbar gab es schon zu Malinis Zeiten Pfuscher im Bereich der Psychologie. Er referierte an jenem Abend auch über die «Geheimnisse der Spiritisten und Entlarvung derselben».