Ski-WM St. Moritz

Schlägt die Schweiz auch im Teamwettkampf zu? Der Stellenwert des Rennens ist umstritten

In St. Moritz findet am Dienstag der Teamwettkampf statt, ein Rennen, das seit 2011 aus Parallelrennen für Techniker besteht.

In St. Moritz findet am Dienstag der Teamwettkampf statt, ein Rennen, das seit 2011 aus Parallelrennen für Techniker besteht.

Lange Zeit nahmen klassische Alpenländer wie Österreich oder die Schweiz den Teamwettkampf nicht ernst. Dies änderte sich jedoch mit der Zeit.

Der Wettkampf entstammt einer Idee von Bernhard Russi, der als Vorsitzender des sogenannten Alpinkomitees der FIS ständig auf der Suche nach Innovationen ist. «Im Golf gibt es den Ryder Cup, im Tennis den Davis-Cup», sagt Russi, «diese Events lösen Emotionen aus. Das Publikum ist von solchen Mannschaftsbewerben fasziniert. Im Skisport kannte man das in dieser Form nicht. Deshalb braucht es Zeit, bis er allgemein Akzeptanz findet.»

Diese fehlte vor allem in den klassischen Alpenländern Österreich und der Schweiz. Lange Zeit nahmen diese den Teamwettkampf nicht ernst. Die Schweiz musste dafür eine bittere Zeche bezahlen. Die legendäre Null-Nummer an der WM 2005 in Bormio wäre vermeidbar gewesen, hätte man sich intensiver mit diesem Wettbewerb auseinandergesetzt.

So schied dort das Schweizer Team in Bausch und Bogen aus und überliess die Medaillen bei der WM-Premiere der Konkurrenz. Weltmeister wurde damals Deutschland vor Frankreich. Der Hintergrund: Weil die Verantwortlichen die Reglemente nicht ausreichend studiert hatten, selektionierten sie Marlies Oester für den Speedbewerb, einen harmlosen Super-G.

Nur hatte diese nicht die notwendigen 100 FIS-Punkte, die für die Nennung gefordert waren. Und an Sonja Nef dachte man nicht, weil man fälschlicherweise das Gefühl hatte, die Teamleaderin würde einen Einsatz in einem Speedbewerb ohnehin ablehnen. So standen die Schweizer am Vorabend des Rennens plötzlich ohne Speedfahrerin da. Fränzi Aufdenblatten war nach Hause geschickt worden.

In einer Nacht-und-Nebel-Aktion holte man sie aus Zermatt zurück. Kaum überraschend schied die Walliserin nach stressiger 10-Stunden-Autofahrt nach wenigen Toren aus.

Swiss Ski hatte die Lektion gelernt: Zwei Jahre später gewann die Schweiz an den WM in Are Bronze. Auch Österreich ist inzwischen erwacht und mittlerweile zweifacher Weltmeister. Den Speedbewerb kippte man inzwischen aus dem Programm.

Seit 2011 besteht der Wettkampf aus Parallelrennen für Techniker. Pro Nation dürfen drei Frauen und Männer gemeldet werden, je zwei treten gegeneinander an. Pro Sieg gibt es einen Punkt. Bei Punktgleichheit (2:2) entscheidet die bessere Gesamtzeit aus den besten Läufen pro Geschlecht. «Diese Formel hat sich bewährt», ist Russi überzeugt.

Parallel-Spezialistin Wendy Holdener 

Und damit begann die grosse Zeit von Wendy Holdener. Schon lange bevor sie im Slalom Akzente setzte, schuf sie sich einen Ruf als kaum schlagbare Parallel-Spezialistin. Die Kurse sind ein Mittelding zwischen Slalom- und Riesenslalom-Schwüngen. Dieser Radius ist der Kombinations-Weltmeisterin auf den Leib geschneidert.

Führt Wendy Holdener die Schweiz zum Sieg im Teamwettkampf?

Führt Wendy Holdener die Schweiz zum Sieg im Teamwettkampf?

Dazu hatte sie von Anfang an Spass an der Sache: «Es herrscht eine spezielle Atmosphäre. Zum einen fährt man gegen eine direkte Konkurrentin. Zum andern ist man Teil einer Mannschaft. Dadurch entsteht eine andere Art Spannung. Man fährt nicht nur für sich, sondern auch fürs Team. Du kannst die Freude teilen, es aber auch für alle ‹verbocken›.»

Seit der WM 2015 in Beaver Creek, wo die Schweiz gegen Schweden den kleinen Final um Bronze verlor und sie Anna Swenn Larsson unterlag, gewann sie ihre Duelle 16-mal in Serie, bis sie beim letzten City-Event in Stockholm endlich wieder mal eine Bezwingerin fand – in ihrer eigenen Teamkollegin Mélanie Meillard.

Die beiden werden zusammen mit der WM-Debütantin Camille Rast sowie Reto Schmidiger – auch er ein Duell-Spezialist – sowie Kombi-Weltmeister Luca Aerni und Daniel Yule ein Team bilden, das reelle Aussichten auf eine weitere Medaille hat. Immerhin hat die Schweiz die beiden letzten Teamevents an den Weltcup-Finals in Méribel 2016 und Lenzerheide 2016 gewonnen. Nächstes Jahr ist dieser Wettbewerb erstmals Teil des olympischen Programms in Pyeongchang.

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