Ein WM-Podest nur mit Schweizerinnen? Diese Vorstellung gefällt. Unmöglich ist das in der Kombination vom Freitag nicht. Ein Trio darf träumen: Lara Gut, Wendy Holdener und Michelle Gisin. Für alle drei Schweizerinen spricht die Statistik. Nur so einfach ist das nicht. Der Reihe nach.

Wendy Holdener durfte im März 2016 die Kristallkugel für den Disziplinen-Gesamtsieg in der Kombination entgegennehmen. Das macht die 23-Jährige fast automatisch zur Mitfavoritin im WM-Rennen. «Ich schätze meine Chance auf eine Medaille gleich hoch ein wie im Slalom», sagt Holdener. Dort stand sie in sechs von sieben Saisonrennen auf dem Podest. Wenn das nicht zuversichtlich stimmt.

Nur: Ihre grössten Erfolge in der Kombi erreichte Wendy Holdener dann, wenn ihre Paradedisziplin Slalom auf einen Super-G folgte. An der WM steht am Freitag zuerst eine Abfahrt auf dem Programm. Dort muss sie den Rückstand auf die Speedspezialistinnen in Grenzen halten, um am Nachmittag Chancen zu haben.

Animierte Grafik: Die WM-Strecken in St.Moritz

Animierte Grafik: Die WM-Strecken in St.Moritz

An der Ski-WM in St. Moritz gibt es vom 6. Bis zum 19. Februar in insgesamt neun Disziplinen Medaillen zu gewinnen.

In den beiden Abfahrtstrainings gelang ihr das noch nicht. Sie wird sich am Freitag steigern müssen. «Ich brauchte etwas Zeit, um mich wieder an die langen Ski zu gewöhnen. Doch jetzt passt es ganz gut», sagt sie. Hoffnung macht zudem: In der einzigen Kombination der bisherigen Saison in Val d’Isère, mit einer Abfahrt am Morgen, belegte Holdener Rang vier.

Gisin sogar Abfahrerin?

Michelle Gisin stand in jenem Rennen erstmals in ihrer Karriere auf einem Weltcup-Podest. Als Zweite hinter Ilka Stuhec, die am Freitag zu den Favoritinnen auf Gold zählt. Das macht auch Gisin zu den Favoritinnen. Gisins Stärke: Sie ist eine starke Slalomfahrerin, die in der Abfahrt schon fast mit den Besten mithalten kann. Sie fährt mittlerweile so gut, dass sie sich sogar Hoffnungen auf den letzten Schweizer Startplatz in der Spezialabfahrt am Sonntag machen darf.

In den beiden Trainings in St. Moritz war Gisin Zehnte und Elfte. Von den vor ihr platzierten Athletinnen ist im Slalom aber keine besser klassiert als sie. Die Voraussetzungen für eine WM-Medaille sind gut. «Ich bin extrem zufrieden mit meinen Leistungen hier in den beiden Trainings für die Abfahrt», sagt Gisin.

Nach ihrem Erfolg in Val d’Isère ist die Engelbergerin im Slalom in eine leichte Formkrise geraten. Gisin sagt aber: «Ich fühle mich nach den letzten Trainings im Slalom wieder wohler auf den Ski.» Trainiert hat sie in den vergangenen Tagen jeweils am Nachmittag mit Teamkollegin Wendy Holdener auf der Lenzerheide.

Auch ohne Training schnell

Den kurzen Helikopter-Flug ins Slalom-Training hat Lara Gut am Donnerstagnachmittag aber zum ersten Mal mitgemacht. Die 25-Jährige wurde durch die vor der WM erlittenen Prellungen zu einer Pause gezwungen. Im Hinblick auf den WM-Super-G, wo sie Bronze gewann, blieb keine Zeit mehr für Extraeinheiten im Slalom. «Meinem Bein geht es aber zumindest während des Fahrens gut. Man sollte kein Riesenthema mehr daraus machen», sagt sie. In der Kombi wird sie am Freitag starten.

Dass Lara Gut auch ohne viel Training Slalom fahren kann, hat sie in der Vergangenheit immer wieder gezeigt. Cheftrainer Hans Flatscher sagt: «Sie konnte nun zwei, drei Slalom-Läufe trainieren und war zufrieden.» Gut möglich, dass zur WM-Kombimedaille von 2009, als Lara Gut in Val d’Isère Silber gewann, am Freitag eine zweite in dieser Disziplin dazukommt.